Infraschall – neue Gerüchte, neue Fakten

04. Mai 2015 - 16:17 Uhr
von Dr. Stefan Dietrich
zu  Blog, Wissenswertes zur Windenergie

Die Gegner der Windenergie und der Energiewende treiben ja immer wieder mal eine andere Sau durchs Dorf, um ihre Ablehnung vermeintlich rational zu begründen. Bislang hat keines dieser angeblichen Argumente einer näheren Betrachtung standgehalten. Dennoch haben sich „Dauerbrenner“ etabliert, die vermutlich in der Hoffnung immer wieder vorgebracht werden, dass schon irgendetwas in der Debatte hängen bleibt, wenn gewisse Dinge einfach oft genug behauptet werden. Ein solcher Dauerbrenner ist die angebliche Gesundheitsgefährdung, die durch von Windenergieanlagen erzeugten Infraschall bestehen soll. Beweise gibt es dafür keine, aber nun hat ein Journalist neue „Kronzeugen“ aufgetrieben, nämlich Nerze. Allerdings gibt es auch Handfesteres zum Thema, weil die Frage zugleich Gegenstand der Forschung ist.

Plötzliches Interesse an Nerzen

Anfang März Öffnet den Link in einem neuen Fensterberichtete Daniel Wetzel in der konservativen Tageszeitung „Die Welt“ von einer dänischen Nerzfarm, in der sich die dort gehaltenen Tiere gegenseitig totbissen. Als Grund dafür gibt der Züchter nahe gelegene Windenergieanlagen an. Ob es nun wirklich daran liegt, oder obÖffnet den Link in einem neuen Fenster andere Missstände der nicht gerade als artgerecht geltenden Nerzzucht zum Tod der Tiere geführt haben, ist nicht Gegenstand des Artikels. Die Angaben des Züchters werden nicht überprüft, stattdessen sind die Nerze der Aufhänger, um über Windenergiegegner in Dänemark und vermeintliche Gesundheitsgefahren zu berichten. Es kommen zwar durchaus Stimmen zu Wort, die bezweifeln, dass Windenergieanlagen krank machen, durch geschickt gesetzte Fragezeichen oder Begriffe wie „abwiegeln“ wird deren Argumentation aber subtil in Zweifel gezogen, während die Aussagen der Gegner ohne solche Kommentare abgedruckt werden.

Amerikanischer Nerz Angeblich von Windenergie geschädigt: der Nerz

Foto: CC-BY 4.0/gbohn/flickr

Ich möchte hier aber keine Medienschelte betreiben, sondern die Behauptungen aus Dänemark überprüfen. Soweit bekannt ist, gibt es keinen Beweis für einen Zusammenhang zwischen den Windenergieanlagen und dem Verhalten der Nerze, auch der Artikel beruft sich nur auf den Züchter selbst. Die naheliegende Frage, warum in einem Land, in dem 17 Millionen Nerze in Nerzfarmen gehalten werden und Öffnet den Link in einem neuen Fensterder Anteil der Windenergie an der Stromerzeugung fast 40% beträgt, keine weiteren Fälle bekannt sind, wird nicht gestellt. Nach Angaben des dänischen Windenergieverbandes haben mehrere befragte Nerzzüchter, von denen manche ihre Farmen seit Langem in der Nähe von Windparks betreiben, auf Nachfrage von keinen ähnlichen Erfahrungen berichtet, und auch das Dänische Landwirtschafts-Forschungszentrum wusste zumindest 2011 von keinen Problemen dieser Art zu berichten. Aber solche Informationen passen natürlich nicht in das Horrorszenario des Artikels.

Erkenntnisse gibt es – man muss sie aber auch wahrnehmen wollen

Es geht in dem Artikel aber nicht nur um Nerze, sondern auch um Menschen. Auch dabei fehlt es an Belegen für die Behauptungen einzelner Personen, stattdessen wird unter anderem ein Brief einer obskuren Anti-Windenergie-Organisation namens „World Council for Nature“ an die dänische Regierung als Beleg herangezogen, in dem auf das „Wind-Turbinen-Syndrom“ verwiesen wird. Dabei handelt es sich aber um eine von einer amerikanischen Psychologin erfundene „Krankheit“, die medizinisch und wissenschaftlich nicht nachweisbar ist.

Anstatt mit solchen Räuberpistolen kann man sich auch mit tatsächlichen Erkenntnissen beschäftigen, denn das Thema wird nicht zuletzt wegen der öffentlichen Debatten ja durchaus erforscht. So hat die Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW) im Dezember 2014 einenÖffnet den Link in einem neuen Fenster Zwischenbericht zu den Ergebnissen eines Messprojekts zu „Tieffrequente[n] Geräuschen[n] und Infraschall von Windkraftanlagen und anderen Quellen“ vorgelegt, das in den Jahren 2013 und 2014 durchgeführt wurde. Gemessen haben die Experten des LUBW und der Wölfel Beratende Ingenieure GmbH an bislang vier Anlagen unterschiedlicher Bauart, Leistung und Höhe, wobei die größte der Anlagen eine Gesamthöhe von 200 Metern und eine Leistung von 3,2 MW aufweist und damit zu den größten Anlagen zählt, die hier zu Lande betrieben werden. Das erste Fazit der Messungen ist eindeutig: Der von Windenergieanlagen ausgehende Infraschall kann gut gemessen werden, und der Infraschallpegel liegt selbst im Abstand von 150 bis 300 Metern um die Anlagen unterhalb der menschlichen Wahrnehmungsschwelle. In 700 Metern Abstand konnte festgestellt werden, dass sich der Infraschall-Pegel nicht mehr nennenswert erhöht, wenn die Windenergieanlage eingeschaltet wird. In dieser Entfernung wird der gemessene Infraschall im Wesentlichen vom Wind selbst erzeugt. Wie im Bericht weiter ausgeführt wird, decken sich diese Ergebnisse mit den Befunden verschiedener Studien in anderen Ländern, die im Wesentlichen zu den gleichen Ergebnissen kommen. So stellte beispielsweise die australische Umweltbehörde in einer 2013 veröffentlichten Untersuchung fest, dass der Infraschall an Wohnhäusern in der Nähe von Windparks nicht höher ist als an Orten, an denen keine Windenergieanlagen stehen.

Sehr interessant ist auch, dass in diesem Messprojekt nicht nur Infraschall an Windenergieanlagen untersucht wurde, sondern auch aus anderen Quellen, wie etwa dem Straßenverkehr. Dort treten nämlich deutlich höhere Schallpegel im tieffrequenten Bereich auf als im Umfeld von Windenergieanlagen. Und am größten ist die Belastung innerhalb eines fahrenden Autos. „Die gemessenen Werte liegen sowohl im Infraschallbereich als auch im weiteren tieffrequenten Bereich um mehrere Größenordnungen über den ansonsten im Straßenverkehr oder an den Windenergieanlagen gemessenen Werten.“ Wer also wirklich besorgt ist, dass Infraschall den Menschen schadet, sollte nicht Windenergieanlagen bekämpfen, sondern das Autofahren. Davon aber liest man bei den Windenergiegegnern nichts.

Die Beweislage ist eindeutig

Zum Abschluss sei mir noch ein weiterer Ausflug in wissenschaftliche Gefilde erlaubt. Im November 2014 erschien im arbeits- und umweltmedizinischen Fachmagazin „Journal of Occupational and Environmental Magazine“ (JOEM) Öffnet den Link in einem neuen Fensterein Aufsatz von mehreren Medizinern, Ingenieuren und Psychologen, die die vorliegende und wissenschaftlichen Standards entsprechende Literatur zum Thema Windenergieanlagen und Gesundheit ausgewertet haben. Auch hier sind die Ergebnisse eindeutig: Es ist kein eindeutiger Zusammenhang nachweisbar zwischen Schallemissionen von Windenergieanlagen (egal in welcher Frequenz) und Krankheiten oder anderen Anzeichen der Gesundheitsschädigung. Insbesondere bei Infraschall gibt es keinen Beleg dafür, dass Menschen, die in der Nähe von Windenergieanlagen leben, dadurch gesundheitlichen Risiken ausgesetzt sind. Die subjektiv empfundene Belästigung durch Windenergieanlagen steht nachweisbar nicht im Zusammenhang mit den tatsächlichen Schallimmisionen durch die betreffenden Anlagen, sondern eher mit der persönlichen Einstellung gegenüber der Windenergie im Allgemeinen und den sichtbaren Anlagen im Besonderen.

Es zeigt sich: Trotz aller aufgeregter Diskussionen um Nerze und angebliche Gefahren hat sich die Sachlage nicht verändert. Eine Gesundheitsgefährdung durch von Windenergieanlagen erzeugten Infraschall ist trotz aller Versuche bislang nicht nachgewiesen worden. Das wird die Windenergie-Gegner aber vermutlich weiterhin nicht davon abhalten, das einfach zu behaupten, und einige Politiker werden versuchen, daraus ihr eigenes Süppchen zu kochen. Dem müssen alle, die an einer rationalen Auseinandersetzung interessiert sind, weiter Fakten und Vernunft entgegenhalten.


Autor Dr. Stefan Dietrich

Dr. Stefan Dietrich

Als Windwärts Pressesprecher bin ich dafür zuständig, dass die Medien und Menschen vor Ort immer gut über unsere Projekte informiert sind. Das heißt, ich informiere die Lokalpresse über Genehmigungen, Baufortschritte, Inbetriebnahmen u.ä. und empfange Besichtigungsgruppen in unseren Wind- und Solarparks. Darüber hinaus habe ich die aktuellen Entwicklungen der Branche im Blick (den Dr. habe ich schließlich in Politikwissenschaft gemacht).

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Kommentare

von Dr. Stefan Dietrich am 05. Oktober 2015 - 08:49 Uhr

Liebe Leserinnen und Leser dieses Blogs,

es ist schon erstaunlich, dass ein kleiner Kommentar, in dem mir zugestimmt wird, eine solche Reaktion von Windenergie-Gegnern auslöst. Das zeigt zumindest, dass dieses Blog in diesen Kreisen aufmerksam beobachtet wird. Das ist ja auch ein Erfolg.
Da sich die Diskussion aber im Kreis dreht und nichts Neues vorgebracht wird, beenden wir die Debatte zu dem Thema an dieser Stelle bis auf Weiteres.
Es ist aber davon auszugehen, dass das Windwärts-Blog sich auch in Zukunft mit dem Thema beschäftigt und dass es dann wieder eine lebhafte Diskussion gibt. Dazu muss es aber neue Erkenntnisse geben.

von Dr. Stefan Dietrich am 05. Oktober 2015 - 08:44 Uhr

Sehr geehrter Herr Scheel,

Ihre Frage ist rein hypothetisch, und kann auch nur hypothetisch beantwortet werden. Falls es so wäre, dann müsste sicherlich neu darüber nachgedacht werden. Das ist aber nicht in Sicht.
Und es schließt sich eine Frage an: Wenn Infraschall so gefährlich ist, müsste dann nicht auch der Ausbau aller anderen Quellen solcher Emissionen gestoppt werden? Keine neuen Autos mehr? Wer diese Forderung nnicht erhebt, verliert in der Frage ziemlich an Glaubwürdigkeit.

Mit freundlichen Grüßen
Stefan Dietrich

von Dr. Stefan Dietrich am 05. Oktober 2015 - 08:39 Uhr

Sehr geehrter Herr Paulat,

leider ist auch Ihr Kommentar wieder typisch für die Vorgehensweise von Windenergie-Gegnern. Da werden ominöse Untersuchungen ins Feld geführt, für die jeder Beleg ausbleibt, und anstatt die wissenschaftlichen Untersuchungen, die über die Links zugänglich sind, zu lesen, verweisen Sie auf irgendwelche Fernsehreportagen. Das nennen Sie dann "auf der Höhe der Zeit" sein. Das sehe ich anders. Gerade bei einem dermaßen emotionalen Thema sollten wir uns darauf verlassen, was an wissenschaftlicher Erkenntnis vorliegt, und auf deren Basis entscheiden. Solche Erkenntnisse können sich ändern, und dann muss gegebenenfalls reagiert werden. Um eine Technologie zu stoppen, muss aber deutlich mehr vorliegen als ein paar Medienberichte.
Und was das mit den Spinnern und Phantasten angeht: Dazu habe ich in vergangenen Kommentaren bereits etwas gesagt.

Mit freundlichen Grüßen
Stefan Dietrich

von Dr. Stefan Dietrich am 05. Oktober 2015 - 08:27 Uhr

Herr Leutz,

dumm nicht, aber in ihrem Hass auf die Windenergie vielleicht etwas eingeschränkt in der Wahrnehmung. In dem von ihnen zitierten Antrag ist von "Wissenslücken" die Rede, die geschlossen werden sollen. Wissen Sie mehr als die Ärzte? Haben sie die Wissenslücken schon geschlossen? Denn den gegenwärtigen Erkenntnisstand habe ich in meinem Beitrag dargestellt. Aufgrund etwaiger "Wissenslücken" eine ganze Technologie abzulehnen, ist ein interessantes Konzept. Das wird die Autoindustrie sicher interessieren (eine der anderen Infraschallquellen, die in dem Antrag auch genannt werden).

von Holger Scheel am 03. Oktober 2015 - 23:26 Uhr

Angenommen, die Hälfte der Wissenschaftler würde sagen: ja, durch WEAs entstehender Infraschall ist gesundheitsschädlich, die andere Hälfte würde nein sagen. Was müßte geschehen? Müßte man nicht bis zur endgültigen Klärung dieser doch sicherlich wissenschaftlich zu lösenden Frage den weiteren Ausbau stoppen?

von Falk Paulat am 02. Oktober 2015 - 20:24 Uhr Blog, wissenswertes zur Windenergie

Sehr geehrter Herr Dietrich,
es ist klar, man kann alles abstreiten. Das ist sehr einfach. Was ich da von Ihnen lese, sagt mir ganz einfach, dass Sie längst nicht auf der Höhe in Sachen Infraschall sind. Es gibt inzwischen endlose Untersuchungen von Ärztevereinigungen, von Wissenschaftlern. Dazu das wirkliche Wahrnehmen des störenden und Schlaf raubenden Lärms durch WKA. Das ist Fakt, Herr Dietrich, auch wenn Sie es nicht wahr haben möchten!!!! Fernsehreportagen und vieles mehr. Sie stellen also alle diese Leute praktisch als Spinner, Phantasten usw. hin. Ihr Artikel ist, weil er absolut daneben ist, eigentlich nicht würdig, kommentiert zu werden.
Außerdem ist der Lärm nicht der einzige Grund, um die WKA abzulehnen. Scheinen Sie auch zu übersehen (vorsichtshalber).

Mit freundlichen Grüßen aus der Wesermarsch,
Falk Paulat

von Leutz am 02. Oktober 2015 - 15:56 Uhr

Alle dumm, außer Ihnen, was ???


DEUTSCHER ÄRZTETAG
12.-15. MAI 2015
Folgender Antrag wurde vom gerade zu Ende gegangenen Ärztetag angenommen und an den Vorstand überwiesen:
Mit Dank für die Vorbereitung dieses wichtigen Schrittes zur ILFN- und Körperschall-Forschung endlich auch in Deutschland!
Weitere Themen
[...]
VI - 106 Intensivierung der Forschung zu möglichen gesundheitlichen Auswirkungen bei Betrieb und Ausbau von Windenergieanlagen
[…]
Titel:
Intensivierung der Forschung zu möglichen gesundheitlichen Auswirkungen bei Betrieb und Ausbau von Windenergieanlagen!
Der Entschließungsantrag von Dr. Bernd Lücke (Drucksache VI-106) wird zur weiteren Beratung an den Vorstand der Bundesärztekammer überwiesen:
Die Windenergie als eine der erneuerbaren Energieformen wird künftig stärker genutzt werden. Dies ist nach dem im Sommer 2011 beschlossenen Atomausstieg gesellschaftlicher Konsens. Der Ausstieg aus der Atomenergie zeigt, dass problematische Teilaspekte der Nutzung in die Zukunft verschoben wurden; bis heute ist die Frage der Endlagerung der Brennstäbe nicht wirklich gelöst. Bei den erneuerbaren Energieformen sollte daher im Vorfeld der gesamte Lebenszyklus dieser Technologien von der initialen Rohstoffbereitstellung bis hin zur Entsorgung in die Planungen und Risikoabwägungen einbezogen werden. Dieses erfordert wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse zu möglichen gesundheitlichen Auswirkungen, um eine bewusste Abwägung von Nutzen und Zumutbarkeit von validen Beeinträchtigungen sowie Risiken vornehmen zu können. Insbesondere für die Immissionen im tieffrequenten und Infraschallbereich gibt es bisher keine belastbaren unabhängigen Studien, die mit für diesen Schallbereich geeigneter Messmethodik die Wirkungen auch unterhalb der Hörschwelle untersuchen. Somit ist eine gesundheitliche Unbedenklichkeit dieser Schallimmissionen derzeit nicht nachgewiesen.
Der 118. Deutsche Ärztetag 2015 fordert daher die Bundesregierung auf, die Wissenslücken zu den gesundheitlichen Auswirkungen von Infraschall und tieffrequentem Schall von Windenergieanlagen (WEA) durch wissenschaftliche Forschung zu schließen sowie offene Fragen im Bereich der Messmethoden zu klären und gegebenenfalls Regelwerke anzupassen, damit der Ausbau und der Betrieb von WEA mit Bedacht, Sorgfalt, ganzheitlicher Expertise, Nachhaltigkeit und gesamtgesellschaftlicher Verantwortung erfolgen kann.
Begründung:
Insbesondere bei den gesundheitlichen Auswirkungen von Infraschall (< 20 Hz) und tieffrequentem Schall (< 100 Hz) durch Immissionen und Emissionen von Windenergieanlagen bestehen noch offene Fragen, z. B. zur Wirkung von Schall unterhalb der Hörschwelle oder von tiefen Frequenzen bei steigender Expositionsdauer. Des Weiteren sollte ein Anpassungsbedarf bei Messmethoden und Regelwerken geprüft werden, z. B. bei der Übertragbarkeit von Abstrahlungs- und Ausbreitungsmodellen für kleinere WEA auf große Anlagen sowie bei verbindlichen Regelungen von Messung und Beurteilung tiefer Frequenzen (0,1 bis 20 Hz).
Kernziele:
• Systematische, transparente, ergebnisoffene, empirische Erforschung des in den menschlichen Organismus eindringfähigen niedrigen Frequenzbereiches
• Vernetzung mit den im Ausland schon seit Langem auf diesem Gebiet forschenden Gruppen
• Kontinuierliche Veröffentlichung der Ergebnisse, der Untersuchungsmethodik
• Stopp eines zu nahen Ausbaus an Siedlungen, bis hinreichend belastbare Daten vorliegen, die eine Gefährdung sicher ausschließen.
• Bei den Abstandsproblemen, der Geräuschentwicklung und dem Schattenwurf sind neben der Anlagenhöhe ebenso die Windradpositionen zur Siedlung in Abhängigkeit von der topografischen Gegebenheit, der Hauptwind- und Sonnenstrahlenrichtung zu berücksichtigen. Steht beispielsweise ein Windradpark auf der wind- und sonnenzugewandten Seite vor einer Siedlung, so werden Schallausbreitung und Schattenwurf für die Siedlung störender sein, als wenn sich der Windpark hinter dieser Siedlung befindet.
• Eine reformbedürftige technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm (TA-Lärm), die nur unzureichend schützt, kann nicht noch weiterhin als Schutzvorschrift gebraucht werden.
• Die dadurch initiierte Schallforschung spielt auf allen Ebenen der Schallbelastung eine gesundheitsschützende Rolle, also nicht nur bei Windenergieanlagen.
• Wichtig ist auch die Untersuchung von Körperschall (= tieffrequente Festkörpervibrationen von 100 Hz bis 0,1 Hz), welcher ebenso in gefährlicher Form von den modernen Windenergieanlagen ausgeht.
• Körperschall entsteht auch schon, wenn die Rotoren der WEA noch gar nicht laufen, allein bedingt durch die Biegeschwingungen der extrem hohen Türme der Anlagen. Er wird über die Fundamente in den Umgebungsboden übertragen. Jenach topologischer und geomorpher Situation (Bodenschichtungen) am Standort solcher Anlagen, kann der Körperschall ohne weiteres bis 10 km und weiter als Immission in die Wohnbebauung eingetragen werden. Den Infraschall (luftseitig) hier nur alleinig zu betrachten und zu untersuchen, ist somit nicht ausreichend, um erklärbare und brauchbare Erkenntnisse zu bringen.
• Daher müssten im Rahmen von Messungen zur Beurteilung der Gesundheitsgefahr zukünftig immer zusätzlich zu den Außenmessungen auch Innenmessungen in den Häusern durchgeführt werden (an Stelle der bisher hier üblichen Praxis von akustischen Berechnungen).
• Die Wechselwirkungen von Körperschall und Luftinfraschall können die Wahrnehmungsschwelle betroffener Personen deutlich nach unten versetzen. Gesundheitliche Probleme dieser Personen können daher schon bei sehr niedrigen Pegeln auftreten.

Achtung - wichtig für alle Schallopfer, auch Betroffene anderer ILFN und Körperschallemissionen werden berücksichtigt!
Der Antrag bezieht sich zwar auf die gesundheitlichen Auswirkungen von WEA-Schallemissionen, berücksichtigt aber dennoch, dass auch durch die Emissionen von anderen technischen Anlagen via Körperschall, Infraschall, sowie tieffrequenten Geräuschen (ILFN) die gleichen Gefahren für die Gesundheit ausgehen können.

Hier ist das gesamte „offizielle“ Beschlussprotokoll des Ärztetages im Internet zu finden bzw. als PDF abrufbar:
Quelle: http://www.bundesaerztekammer.de/fileadmin/user_upload/downloads/pdf-Ordner/118._DAET/118DAETBeschlussprotokoll20150515.pdf

von Ramadama am 01. Oktober 2015 - 17:15 Uhr

Sehr geehrter Herr Dr. Dietrich, ich möchte Ihnen dazu gratulieren, wie sachlich Sie bei so manchem Beitrag noch antworten können. Ich finde es immer wieder erstaunlich, mit welcher Vehemenz die "Windwahn"sinnigen oder "Vernunft"kräftigen immer wieder dieselben aus dem Zusammenhang gerissenen Fakten als Beweis darlegen wollen, dass Infraschall von WEAs gefährlich sein soll. Ob die Ceranna-Studie mit den Atomtestsensoren oder der ICD-10 Schlüssel (der z.B. für Presslufthammer-Arbeitende gilt). Wer die Pierpontstudie eine solche nennen will, sollte sich zuerst mal mit der Technik wissenschaftlichen Arbeitens auseinandersetzen - aber was immer wieder auffällt ist, dass die VernunfttraftWindwahner sich stets gegenseitig und selbst zitieren - sogar mit Schreibfehlern. Das wiederum erweckt den heftigen Anschein, dass die entsprechenden Personen nicht einmal lesen, was sie da kopieren, sondern alles nehmen was irgendwie Contra WEAs klingt. Traurig.

von Dr. Stefan Dietrich am 29. Mai 2015 - 18:21 Uhr

Sehr geehrte Frau Gerwin,

zum Diagnoseschlüssel verweise ich auf meine Antwort an Herrn Rose, ich muss mich ja hier nicht ständig wiederholen. Auch auf die 20-Kilometer-Wirkung bin ich bereits an anderer Stelle eingegangen.

Ich denke, dass ich die Argumente der anderen Seite sehr wohl kenne. Nur überzeugen sie mich nicht, auch wenn sie noch so oft wiederholt werden.


von Gerwin am 29. Mai 2015 - 00:15 Uhr

Ich denke das ist Beweis genug Herr Dietrich


ICD-10 ist ein Diagnoseschlüssel. Mit seiner Hilfe codieren Ärzte, Psychologen und Zahnärzte die Diagnosen ihrer Patienten, um Krankheiten einheitlich definieren zu können.

ICD-10-GM 2010-CODE T75.2 ist der Diagnoseschlüssel für Schäden durch Vibration, inklusive “Schwindel durch Infraschall“. Dieser Code gilt auch für Erkrankungen durch Windkraftanlagen. Er wurde durch den Bundesauschuss aller Krankenkassen festgelegt.

Wenn eine dieser Beschwerden vorhanden ist, lohnt es sich für den Erkrankten, zu prüfen, ob eine Windkraftanlage dafür die Ursache sein kann. Dies ist nicht leicht, weil sich der Infraschall nach bisherigen Erkenntnissen, je nach Höhe und Bodenbeschaffenheit, über eine Entfernung von bis zu 20 km auswirken kann.
Für Kommunalpolitiker könnte die Feststellung der Ursache besonders gefährlich werden, weil sie im Unterschied zu Bundespolitikern im Hinblick auf die Gesundheitsgefahren für den Menschen persönlich haftbar gemacht werden können.
Auf dieses Risiko haben der Staatsrechtslehrer, Prof. Dr. Michael Elicker und der Rechtsanwalt Andreas Langenbahn hingewiesen.

Eine objektivere Betrachtungsweise stünde Ihnen gut zu Gesicht, Herr Dietrich.

von Dr. Stefan Dietrich am 28. Mai 2015 - 17:23 Uhr

Sehr geehrte Frau Gerwin,

diese "fundierten Ergebnisse und Erkenntnisse" gibt es nicht, darum geht es ja in meinen Beiträgen. Das mag Ihnen als Mangel an Empathie erscheinen, aber aus meiner Sicht ist das nun mal die Realität.

von Sybil Gerwin am 23. Mai 2015 - 12:15 Uhr

Sehr geehrter Herr Dietrich,
Ihr Antworschreiben zeigt sehr deutlich, dass Windenergiebefürworter und Projektierer sehr Eindimensional denken und keinerlei Empathie vorhanden ist für 1000de von Menschen die sehr wohl ein Beweisdafür sind, dass Infraschall
"Nebenwirkungen" hat.
Auch das weltweit renommierte Mediziner und Wissenschaftler zu diesem Thema in den Hintergrund gestellt werden samt ihrer fundierten Ergebnisse und Erkenntnisse, ist eine typisch egoistische Haltung derer die ihr Projekt Windenergie in den Fokus stellen und nur ihre eigene Meinung gelten lassen. Es gibt immer zwei Seiten der Medaille !

von Dr. Stefan Dietrich am 21. Mai 2015 - 17:42 Uhr

Sehr geehrte Frau Gerwin,

dass Sie gesundheitlich beeinträchtigt sind, tut mir Leid. Dass Sie das mit Windenergieanlagen in Verbindung bringen, nehme ich zur Kenntnis, da ich sonst nichts über Sie oder Ihre Beschwerden weiß, maße ich mir aber nicht an, irgendetwas dazu zu sagen.
Ich möchte aber eines klarstellen: Es liegt mir fern, Sie als „eingebildete Kranke mit Wahnvorstellungen“ zu bezeichnen. Das habe ich nie getan, und auch sonst niemand, auf dessen Untersuchungen meine Blogbeiträge beruhen. Es geht nicht um die Existenz Ihrer Beschwerden, sondern nur um die Frage, was die Ursache ist. Und auch wenn ich mich hier ständig wiederhole: Es ist nicht belegt, dass von Windenergieanlagen ausgehender Infraschall die Gesundheit von Anwohnern gefährdet. Das mag Ihnen in Ihrer Situation als Abwiegelung erscheinen, es ist aber schlicht und einfach Stand der medizinischen Erkenntnis, wie er sich mir darstellt.

von Sybil Gerwin am 19. Mai 2015 - 12:37 Uhr

Guten Tag,
ich muß sagen, dass sich mir gerade mal wieder der Magen umdreht.
Warum?
Nun, ich bin völlig unbelastet und ohne irgendwelche negative Gedanken oder gar Ablehnung vor 12 Jahren unseren im Bau befindlichen Windkraftanlagen begegnet. 5x 100m hoch 600m von unserem Haus entfernt. Meine Einstellung hierzu ? Positiv !
Nun 12 Jahre später weiß ich, durch jahrelange Arzt und Gutachterbesuche, dass meine massiven Beschwerden mit Infraschall im Zusammenhang stehen.
So massiv, dass ich zeitweise nicht arbeitsfähig bin und mich manchmal Frage warum mein Leben sprich der Tag sich so negativ anfühlt.
Ich bin nicht die einzige !
Umso schlimmer finde ich, dass Infraschall mit seinen negativen Auswirkungen negiert wird. Das wir als eingebildete Kranke mit Wahnvorstellungen beschrieben werden. Alles nur Einbildung.
Nun, das im 2 Weltkrieg Infraschall bereits als Waffe eingesetzt wurde, scheint dann auch alles Einbildung zu sein. Auch das Infraschall immer noch als Waffe gilt.
Wenn die Projektierer und Windenergielobbyisten ernst genommen werden möchten, dann sollten sie doch auch im demokratischen Sinne handeln und argumentieren und alle Seiten, negative wie positive, mit einbeziehen.
Dann gäbe es bestimmt mehr Akzeptans als Widerstand für ihr "Baby".
Mit freundlichem Gruß
Sybil Gerwin

von Dr. Stefan Dietrich am 13. Mai 2015 - 16:44 Uhr

Sehr geehrter Herr Milsmann,

vielen Dank für Ihren Kommentar. Sie fordern, den Bau von Windenergieanlagen zu stoppen, weil nicht mit absoluter Sicherheit gesagt werden kann, dass von diesen Anlagen ausgehender Infraschall nicht gesundheitsschädlich ist.
Diese Haltung ist aus meiner Sicht nicht nachvollziehbar. Sie lassen einen sehr wichtigen Punkt sowohl aus der nun bereits vielfach erwähnten Machbarkeitsstudie als auch aus der von Ihnen zitierten Antwort des Umweltministeriums auf Ihre Frage unter den Tisch fallen. Dort ist von „Immissionen, die aus verschiedenartigen technischen Quellen stammen“ die Rede. Auch die Studie macht deutlich, dass Windenergieanlagen unter den Infraschallquellen eine untergeordnete Rolle spielen. Das bestätigen die Messungen des LUBW, die zeigen, dass zum Beispiel der Straßenverkehr deutlich höhere Schallpegel im tieffrequenten Bereich erzeugt, als sie im Umfeld von Windenergieanlagen gemessen werden können. Die Konsequenz aus Ihrer Haltung wäre es ja dann, alle Vorhaben zu stoppen, wenn dadurch Infraschallimmissionen entstehen könnten, bis umfangreiche Studien durchgeführt worden sind. Das umfasst dann aber Straßenbau ebenso wie Bohrungen aller Art, den Bau von Industrieanlagen oder auch nur von Heizungen und Klimaanlagen (das sind alles Infraschallquellen, die in der Machbarkeitsstudie genannt sind). Und was ist mit allem anderen, von dem immer wieder gesagt wird (auch von manchen Ärzten), es mache uns krank? Mobilfunk wird ebenso als Gefahr dargestellt wie „Elektrosmog“, ja sogar Milch und Weizen machen krank, wenn man manchen Publikationen glaubt. Wollen Sie das alles stoppen, bis auch der letzte Verdacht ausgeräumt ist?

Wenn wir über Stromerzeugung und Gesundheit sprechen, darf schließlich auch die Frage nicht ausgeklammert werden, was denn die Alternativen zur Windenergie sind und wie diese sich auf die Gesundheit der Menschen auswirken – und zwar nicht möglicherweise, sondern tatsächlich. Dazu verweise ich zum Beispiel auf eine 2013 veröffentlichte Studie der Health and Environment Alliance HEAL, in der es unter anderem heißt: „In Deutschland gehen jährlich etwa 2.700 Todesfälle und mehr als 600.000 verlorene Arbeitstage auf das Konto der Kohleabgase. Die externen Kosten deutscher Kohlekraftwerke für die menschliche Gesundheit werden auf 2,3 bis 6,4 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt.“

Ich bezweifle nicht, dass Sie sich ernsthaft um die Gesundheit der Menschen sorgen. Aber haben Sie sich da wirklich das richtige Objekt der Kritik ausgesucht? Und ist Ihnen bewusst, was Ihre Haltung, wenn Sie konsequent zu Ende gedacht wird, für das Industrieland Deutschland bedeutet?

Und was die 10H-Regelung in Bayern angeht, so habe ich meine Position im entsprechenden Blog-Artikel bereits kenntlich gemacht. Vorsorge um die Gesundheit der Bürger hat da bestimmt keine Rolle gespielt, sondern eher die Vorsorge um Wählerstimmen für die CSU.

von Hansjürgen Milsmann am 12. Mai 2015 - 15:02 Uhr Infraschall-neue-geruechte-neue-fakten

Sehr geehrter Herr Dr. Dietrich,
Sie schreiben: „Die Gesundheitsgefährdung durch von Windenergieanlagen ausgehenden Infraschall ist nach gegenwärtigem Erkenntnisstand nicht belegt und somit eine Behauptung.“
Man könnte aber auch sagen: „ Die Gesundheitsgefährdung durch von Windenergieanlagen ausgehenden Infraschall ist nach gegenwärtigen Erkenntnissen nicht widerlegt und somit durchaus MÖGLICH.“
Bezüglich der Machbarkeitsstudie(UFOPLAN) des UBA erhielt ich vor ein paar Monaten auf eine persönliche Anfrage hin von der vorgesetzten Dienststelle, dem BMUB, folgendes Antwortschreiben (Auszug):
„Die Vergabe des zweiten UFOPLAN-Vorhabens zum Thema Infraschall und tieffrequenter Schall wird derzeit vom UBA vorbereitet. Auch bei dieser Studie sind Immissionen, die aus verschiedenartigen technischen Quellen stammen, Gegenstand der Untersuchungen. Mit dieser Studie, die eine Laufzeit von mehreren Jahren hat, soll ergänzend untersucht werden, wie gegebenenfalls relevante Effekte erkannt oder auch unbegründete Befürchtungen ausgeräumt werden können…..
Vor diesem Hintergrund wird das BMUB, in enger fachlicher Zusammenarbeit mit dem UBA, die weitere Entwicklung des Erkenntnisstandes bei der Immissionsbeurteilung von WEA und bei anderen Anlagen, die tieffrequente Geräuschimmissionen hervorrufen, genau verfolgen.“
Ich frage Sie, Herr Dr. Dietrich:
Würde der BMUB viel Geld für eine teure langjährige Studie ausgeben, wenn nicht zwingender Handlungsbedarf vorläge, der in der Machbarkeitsstudie deutlich vor Augen geführt wurde?
Und: Warum hat das Land Bayern den Sicherheitsabstand zwischen WKA und Wohngebäuden denn auf H10 (i.d.R. 2000m) festgelegt. Doch wohl aus Vorsorge für die Gesundheit ihrer Bürger. Leider, so hat mir das UBA bedauernd bestätigt, ist das Festlegen des Sicherheitsabstandes Ländersache. Eine Tatsache, die man als Normalbürger nicht begreifen kann. Sind Bayern empfindlicher als andere Landsleute?
Um die Menschen zu schützen, hätte meiner Meinung nach der Staat die Pflicht, seine Bürger vor gesundheitlichen Schäden zu bewahren, indem er den Bau weiterer WKA stoppt oder wenigstens in allen Bundesländern einen 2000 m Abstand zu Wohngebäuden vorschreibt. Schon Herr Rose hatte darauf hingewiesen: „Jeder hat laut GG, Art.2 ein Recht auf körperliche Unversehrtheit.“
Es ist durchaus möglich, dass Tausende Bürger in den nächsten Jahren erkranken, wenn die Befürchtungen der Langzeiteinwirkung von Infraschall sich als wahr herausstellen sollten.
Können Sie garantieren, dass dieser Fall nicht eintreten wird, Herr Dr. Dietrich?
Mit freundlichen Grüßen
Hansjürgen Milsmann

von Redaktion ichtragenatur.de am 09. Mai 2015 - 09:41 Uhr www.ichtragenatur.de

Kompliment für den Blog. Hier ist interessant, dass sich wirklich Fachleute mal austauschen. Nur so bekommt man tieferen Einblick in die Materie. Weiter sol.

Mit nachhaltigen Grüßen

von Dr. Stefan Dietrich am 07. Mai 2015 - 12:36 Uhr

Sehr geehrter Herr Töpperwien,

da haben wir dann wohl recht unterschiedliche Auffassungen davon, wer in der Debatte um Windenergie faktenbasiert und sachlich argumentiert und wer nicht. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass mir noch kein vermeintliches Argument von Gegnern begegnet wäre, das einer Überprüfung standgehalten hätte. Aber da kommen wir an dieser Stelle nicht weiter. Sie möchten den weiteren Ausbau der Windenergie verhindern, ich befürworte ihn. Dementsprechend haben wir auch andere Sichtweisen auf die Argumente beider Seiten.

In diesem Fall bleibe ich dabei: Die Gesundheitsgefährdung durch von Windenergieanlagen ausgehenden Infraschall ist nach gegenwärtigem Erkenntnisstand nicht belegt und somit eine Behauptung. Da kann sich jeder selbst eine Meinung bilden, es sind genug Studien und Dokumente öffentlich zugänglich, auch über meine Blogbeiträge.

von Dr. Stefan Dietrich am 07. Mai 2015 - 11:41 Uhr

Sehr geehrter Herr Rose,

vielen Dank für Ihren Kommentar. Allerdings kann ich ihn nicht unwidersprochen stehen lassen. Denn auch Sie stellen die Erkenntnislage sehr einseitig dar.

Einige Punkte dazu:
Auch Sie verweisen auf die Machbarkeitsstudie im Auftrag des UBA, genauer gesagt auf einen Satz daraus. Die Autoren der Studie um Prof Dr. Krahé fordern in der Tat weitere Untersuchungen zum Gesamtkomplex Infraschall (und beziehen sich dabei wohlweislich nicht nur auf Windenergieanlagen). Wie Sie selbst schreiben, stellen die Autoren fest, dass nicht alles beurteilt werden kann. Seltsamer Weise scheinen Sie und andere aber schon zu wissen, was diese Untersuchungen ergeben werden. Das ist auch nicht gerade wissenschaftlich. Davon abgesehen gehen auch Sie nicht darauf ein, dass Windenergieanlagen bei gefühlten Belästigungen durch Infraschall nur eine untergeordnete Rolle spielen.
Daher bleiben wir vorerst bei dem, was wir wissen. Und auch wenn es langsam ermüdend ist, immer wieder das Gleiche zu wiederholen: Nach aktuellem Erkenntnisstand gehen von Windenergieanlagen bei den gegebenen Abstandsregelungen keine Gesundheitsgefahren durch Infraschall aus.
Daran ändert auch die Nennung einer Krankenkassen-Kennziffer nichts. Denn dass Infraschall grundsätzlich gesundheitsgefährdend sein kann, bestreitet ja überhaupt niemand. Es kommt eben auch dabei darauf an, welcher Intensität jemand ausgesetzt ist. In der Erläuterung des Codes steht ja auch nichts von Windenergieanlagen.
Des Weiteren unterstellen Sie mir und anderen, wir würden Menschen, die über Beschwerden klagen und diese auf Windenergieanlagen zurückführen, als „Nocebo-Jünger“ und „Lügner“ diskreditieren. Das tut aber niemand. Dass Beschwerden auftreten, stelle ich nicht in Frage, nur über die Ursache gibt es unterschiedliche Meinungen. Dass die persönliche Einstellung zu Windenergieanlagen eine Rolle dabei spielt, ob sich Menschen belästigt fühlen und auch über Symptome klagen, ist im Übrigen nicht „meine“ These, sondern in unterschiedlichen Studien belegt worden. Das stellen auch die Autoren des im Blogbeitrag verlinkten Artikels im JOEM in ihrer Übersicht dar. In Deutschland konnte das zuletzt in einer Ende 2014 erschienenen Studie von Wissenschaftlern des Instituts für Psychologie der Martin-Luther Universität Halle-Wittenberg nachgewiesen werden.

von Bernd Töpperwien am 07. Mai 2015 - 11:00 Uhr

Lieber Dr. Dietrich,

leider haben Sie es versäumt, die Mehrzahl meinre Argumente zu beleuchten, sicher deswegen, weil ich damit Recht habe. Sie ziehen sich lieber auf Floskeln wie "Angst und Schrecken verbreiten" zurück. Es geht um reale Gesundheits-Risiken für eine gefährdete Gruppe von Menschen im nahen Umfeld von Windkraftanlagen, die nicht wegzuleugnen ist.
Mir als Ingenieur mit über 30 Jahren Berufserfahrung im Fahrzeugbau, sind viele akustische Problemstellungen unter gekommen, so dass ich sehr wohl über Fachkenntnisse zum Thema Schall verfüge. Auch habe ich mich, so wie es die meisten Ingenieure tun, sehr intensiv in das Thema Schall von WKA eingearbeitet, bevor ich mir eine Meinung gebildet habe-, diese war anfangs durchaus neutral. Allerdings bin ich lernfähig und die Studien der letzten 18 Monate, speziell die medizinischen Abhandlungen, aber auch die Studie von Cooper in Australien, haben mich dazu bewogen, hier klar Position zu beziehen. Sie fragen, warum ich nicht gegen andere Schallquellen kämpfe, hier die Antwort: weil ich davon überzeugt bin, dass der weitere Ausbau der Windenergie an Land in jeder Hinsicht Unsinn ist, den es zu stoppen gilt. Dies hier zu diskutieren würde allerdings den Rahmen des Themas Schall sprengen.
Bezüglich Ihres Hinweises auf Aggression der Argumentation möchte ich auf die Einleitung Ihres Artikels verweisen, in der Sie Windkraftkritiker pauschal diskreditieren, da ist es wohl kaum verwunderlich, dass auch Sie persönlich hart angegangen werden. Leider fällt es mir immer wieder auf, dass bei vielen Windkraftkämpfern die sachliche Diskussion nicht erwünscht ist-, es ist ja auch einfacher, die Kritiker als "arme Ungläubige" darzustellen, die es zu missionieren gilt. Für mich stehen allerdings Fakten vor Glauben, eine sachliche Diskussion ist jeder Zeit erwünscht.

von Dr. Stefan Dietrich am 07. Mai 2015 - 09:57 Uhr

Sehr geehrter Herr Töpperwien,

leider passen Ihre Einlassungen in das nur allzu bekannte Muster vieler Windenergie-Gegner, Erkenntnisse zu ignorieren, die nicht in ihre Argumentation passen. Es wäre sicherlich hilfreich, sich die im Blog-Artikel hinterlegten Dokumente in Ruhe durchzulesen. Insbesondere der Artikel aus dem „Journal of Occupational and Environmental Medicine“ kommt in seiner Betrachtung der vorliegenden und wissenschaftlichen Kriterien entsprechenden Untersuchungen zu einem eindeutigen Schluss: „Components of wind turbine sound, including infrasound and lowfrequency sound, have not been shown to present unique health risks to people living near wind turbines.“ Um es anders auszudrücken: Die auch von Ihnen behaupteten Gesundheitsgefährdungen sind noch von niemandem nachgewiesen worden. Das ist dann tatsächlich ein Fakt.
Es sind auch noch ein paar Worte zu den von Ihnen erwähnten Studien des Umweltbundesamtes (UBA) und der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) angebracht. Die BGR hat untersucht, inwiefern von Windenergieanlagen ausgehender Infraschall hochsensible Messstationen beeinträchtigen kann, die u.a. der Überwachung des Atomwaffenteststoppabkommens dienen. Die entsprechenden Messungen haben in der Tat ergeben, dass mit hochsensiblen Instrumenten der Infraschall im 20 Kilometern Entfernung messbar ist – mit Instrumenten wohlgemerkt, die während dieser Messungen ebenfalls die Explosion einer Gas-Pipeline nahe Brüssel registrierten. Wer das Papier der BGR-Forscher aufmerksam liest, entdeckt dort ebenfalls die Aussage, dass auf Basis ihrer Erkenntnisse „keine Belästigung von Anwohnern durch Windkraftanlagen im Infraschallbereich bis etwa 20 Hz gegeben“ ist.
Das UBA hat im Jahr 2014 eine „Machbarkeitsstudie zu Wirkungen von Infraschall“ veröffentlicht, auf die Sie sich ja auch beziehen. Dabei geht es um die „Entwicklung von Untersuchungsdesigns für die Ermittlung der Auswirkungen von Infraschall auf den Menschen durch unterschiedliche Quellen“. Diese Studie bereitet die Literatur auf und ermittelt Forschungsbedarf. Sie ist sicherlich nicht dazu geeignet, durch bloße Erwähnung Angst und Schrecken zu verbreiten – so wie Sie und andere es immer wieder versuchen.
Interessant an der Studie ist unter anderem, dass sie auflistet, über welche Infraschall-Quellen sich die Menschen beschweren. Windenergieanlagen werden in etwa 3% solcher Fälle genannt. Viel häufiger geht es zum Beispiel um Klimaanlagen. Womit ich erneut bei einer wichtigen Frage bin: Wenn Infraschall auch unterhalb der Wahrnehmungsschwelle so unheimlich gefährlich ist wie Sie behaupten, und die Menschen langsam krankmacht, warum gilt Ihr Kampf ausschließlich der Windenergie, nicht aber Heizungs- und Klimaanlagen, Baustellen, Tiefbohrungen, Industrieanlagen oder dem Straßenverkehr? Sie alle werden nämlich in der von Ihnen genannten Studie als Quellen des Infraschalls benannt.
Ich bleibe dabei: Die von Ihnen behauptete Gesundheitsgefährdung ist und bleibt durch nichts belegt. Ebenso übrigens wie die anderen von Ihnen behaupteten angeblichen Schäden durch die Windenergie. Vielleicht erklärt sich so auch der Anfang Ihres Kommentars. Denn wem die Argumente fehlen, ersetzt das ja gerne mit Aggression und persönlichen Angriffen.

von Gunther Rose am 06. Mai 2015 - 21:22 Uhr

Sie wissen aber sicher auch, dass das LUBW keine Frequenzen unterhalb von 8Hz untersuchte. Was man nicht sucht, wird man auch nicht finden.
Machbarkeitsstudie zu Wirkungen von Infraschall des Bundesumnweltamtes : "Die Bewertung und Beurteilung von ausgeprägt tieffrequenten Geräuschen und zum Teil Infraschall erfolgt derzeit in Deutschland nach TA Lärm in Verbindung mit DIN 45680. Im Rahmen der Überarbeitung der DIN 45680 wurde auf die Erweiterung des Frequenzbereiches zu tieferen Frequenzen hin verzichtet, so dass der Infraschallbereich unter 8 Hz derzeit nicht beurteilt werden kann."
Das heißt: was man nicht kennt , kann man man nicht beurteilen. Bas BUW fordet deshalb weitere Untersuchungen speziell unterhalb von 8 Hz.
Die Schwaben wollten nichts finden und haben deshalb diese extrem tiefen Frequenzen erst garnicht untersucht.
Es widerspricht wissenschaftlicher Arbeitsweise, wenn relevante Anteile von vornherein ausgeklammert werden.
Diese Studie haben Sie wohlweisslich ausgespart, Herr Dr.Stefan Dietrich, weil es nicht in Ihr Weltbild passt.
Mit Ihrem Blog machen Sie Werbung und stellen nichts naturwissenschaftlich dar. Das ist völlig legitim aber eben nur die halbe Wahrheit.

Untenstehender Code beschreibt die Kennziffer der Krankenkassen:
ICD-10-GM2010-CODE T75.2. (Schwindel durch Infraschall als behandlungsbedürftige Krankheit).
Wenn es keinerlei Gesundheitsgefährdung gibt, warum dann dieser Code?
Ist Infraschall vielleicht doch nicht so ungefährlich?

Die Betroffenen als Nocebo-Jünger und Lügner zu diskreditieren ist wohl ebensowenig zielführend.

Es gibt ausserdem jede Menge Berichte Betroffener, die geradezu ephorisch die >Wunderbaren Flatterstromer< begrüßten , um wenig später über Schlafprobleme, Bluthochdruck, Kopfschmerz usw. zu klagen, also erst durch den direkten Kontakt mit sog. >Windmühlen< zu Kritikern wurden.
Ihre These von der persönlichen Einstellung ist deshalb absolut unhaltbar.

Sie werden diesen Kommentar sicher bald wieder löschen, aber denken Sie mal selber darüber nach , was es bedeuten würde, wenn Infraschall nur 10% aller Menschen im Umkreis von 1000 m über massive Einschränkungen klagen würden. Es betrifft 100.000 in unserem Land und dabei darf man nicht kaltblütig drüber weg sehen. Das wäre zynisch , unverantwortlich und vor allem unmenschlich.
Jeder hat laut GG, Art.2 ein Recht auf körperliche Unversehrtheit.

Mit freundlichen Grüßen aus Osthessen,

Gunther Rose

von Jörg Uber am 06. Mai 2015 - 15:52 Uhr

Interessant

von Bernd Töpperwien am 06. Mai 2015 - 10:54 Uhr

Dr. Dietrich tut das, was alle Profiteure tun-, so lange als möglich die Geldquelle sichern-, und dazu ist jedes Mittel recht. Wir sollen einfach Glauben, was uns hier mit Dr. Titel vorgezaubert wird, mit der Realität hat das wenig zu tun. Wer sich ein besseres Bild verschaffen möchte, dem sei z.B. die Studie zum Infraschall des Umwelt-Bundesamtes aus dem Juni 2014 zu empfehlen.
Fakten:
-Die Wahrnehmungsschwelle ist kein Maß für Gesundheitsschäden, das Ohr registriert z.B. Infraschall-Druckwellen schon ab 60 dB.
-Die Probleme durch Schall, speziell von Windkraftanlagen, haben ihre Ursache in mehreren Faktoren, dem sich wiederholenden Schallmuster aus hörbarem, tieffrequenten Schall und aus Infraschall bis zu 0,1 Hz herab (Wellenlänge 3.400 m, kaum Dämpfung möglich).
-Keine der genannten Untersuchungen hat bei Frequenzen zwischen 0,1- 1 Hz gemessen, die aktuellen Normen messen bis 8 Hz (TA-Lärm, DIN 45680). Das ist so aussagefähig, wie der Versuch, mit einem Quecksilber-Fieberthermometer die Außentemperatur im Winter messen zu wollen-, Ergebnis 34°C...!.
-Messungen der Bundesanstalt für Geowissenschaften (BGR) haben gezeigt, dass Infraschall von 1,2 Hz, erzeugt durch eine einzelne, große Windkraftanlage, noch in 20 km messbar ist, in ca. 4 km Entfernung betrug der Pegel noch 70 dB und damit 10 dB mehr als die Reaktionsschwelle der inneren Haarzellen im Ohr.
-Ein Windrad erzeugt auch dann Infraschall, wenn der Rotor steht, da die Rotorblätter einen Wind-Widerstand darstellen und zusätzlich mit ihrer Eigenfrequenz (im Infraschallbereich) schwingen. Wäre kein Windrad an dieser Stelle vorhanden, würde der Wind ungehindert strömen und das Geräusch wäre deutlich geringer.
-An manchen Stellen treten Probleme durch Schwingungen und Dröhnen in Häusern auf, wenn tieffrequente Schallwellen das Gebäude zu Schwingungen anregen. Dieser Lärm kann wesentlich höher sein als außerhalb des Gebäudes.

Die Medizin kennt das Dosis-Wirkungsprinzip, z.B. bei Giften. Große Dosis-schnelle Wirkung, kleine Dosis- spätere Wirkung. Für den Schall von Windkraftanlagen trifft Letzteres zu, es braucht seine Zeit, bis Menschen krank werden.
Fragt man sich nun noch, welchen Sinn der Ausbau der Windenergie hat, so komme ich zu dem Schluss, dass es zeit wird, diesen Un-Sinn zu stoppen da außer Naturzerstörung, explodierenden Stromkosten, zunehmender Versorgungsunsicherheit, Gesundheitsgefahren, kein messbarer Nutzen in Form von CO²-Einsparung erzielt wurde-, nur garantierte Gewinne für wenige Profiteure über 20 Jahre hinweg.

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