EEG-Paradoxon – Problem wird durch Gabriels Reform nicht gelöst

13. März 2014 - 15:28 Uhr
von Kathrin Hoffmann
zu  Branche der erneuerbaren Energien

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Im Rahmen der Aktion Öffnet den Link in einem neuen Fenster„Germany’s Next Top EEG“ haben wir mit gebündelten Kräften der Öffnet den Link in einem neuen FensterEnergieblogger insgesamt 12 Reformvorschläge für das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) untersucht. Die wichtigsten Ergebnisse stellen wir nun sukzessive vor. Bei den untersuchten Reformkonzepten handelt es sich um zentrale Vorschläge von Forschungseinrichtungen, öffentlichen Stellen und Verbänden der Industrie sowie der Branche der erneuerbaren Energien – somit bilden unsere Ergebnisse die unterschiedlichsten Interessen und Ideen für die weitere Gestaltung der Energiewende ab. Mit der Analyse wollen wir vor allem Orientierung und eine Möglichkeit zur Beurteilung des Öffnet den Link in einem neuen FensterReferentenentwurfs für die geplante EEG-Novelle des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) liefern.

EEG-Paradoxon – Teurer Strom durch sinkende Börsenpreise

Nachdem Cornelia Daniel-Gruber gestern den Öffnet den Link in einem neuen FensterAuftakt zur Ergebnispräsentation gemacht hat, gehe ich heute auf einen einzelnen sehr wichtigen Aspekt der EEG-Reform ein – das EEG-Paradoxon:
Seitdem die erneuerbaren Energien mit Einführung des Ausgleichmechanismus im Jahr 2009 am Spotmarkt der Strombörse gehandelt werden, ist der Ökostrom zum Opfer seines eigenen Erfolgs geworden. Je mehr Wind- und Sonnenstrom produziert wird, desto größer ist das Stromangebot, da Atom- und Kohlekraftwerke sehr unflexibel sind und nicht so schnell heruntergefahren werden können. Durch das Überangebot sinken die Börsenpreise für Strom. Da erneuerbare Energien allerdings zu einem festgelegten Preis vergütet werden muss die steigende Differenz zum niedrigen Börsenpreis durch eine höhere EEG-Umlage ausgeglichen werden. Ein Großteil der EEG-Umlage wird also dazu verwendet, die gesunkenen Börsenpreise auszugleichen. Dies bläht die EEG-Umlage und somit auch den Strompreis unnötig auf. Der Fehler im System ist in der obigen Grafik eindeutig zu erkennen: Seit Einführung des Ausgleichmechanismus im Jahr 2009 hat sich der Anteil der erneuerbaren Energien am Stromverbrauch um knapp 50 Prozent erhöht, während die von den Endkunden zu bezahlende Umlage hingegen um 400 Prozent gestiegen ist! Grund dafür ist, dass der Mechanismus der Preisbildung an der Strombörse allein auf konventionelle Energien ausgerichtet und für erneuerbaren Strom völlig ungeeignet ist. Das kann langfristig nicht funktionieren und ist dringend reformbedürftig.

Mehrheit ist für Abschaffung des EEG-Paradoxons – Nur der BdEW und Gabriel nicht

Neun der untersuchten Reformvorschläge sprechen sich deutlich dafür aus, dass dieses Problem gelöst werden muss, indem der erneuerbare Strom künftig nicht mehr an der Strombörse gehandelt wird (siehe Grafik). Nur in einem Reformvorschlag vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BdEW), der vor allem die konservative Energiewirtschaft vertritt, soll der Umlagemechanismus über die Börse beibehalten werden. Nun stellt sich die Frage: Hat sich Sigmar Gabriel bei der EEG-Reform ausgerechnet an diesem einen Vorschlag orientiert, obwohl neun Expertenmeinungen aus Forschung, öffentlichen Stellen, Industrie und erneuerbarer Energiewirtschaft darin übereinstimmen, dass die Umlage über die Strombörse abgeschafft werden sollte?

Germany's Next Top EEG - Infografik: Darstellung der ErgebnisseFür Detailansicht auf die Grafik klicken

Ein Reformkonzept, das sich insbesondere der Abschaffung des Ausgleichmechanismus widmet, ist das Öffnet den Link in einem neuen FensterMarktmodell Energiewende des Öffnet den Link in einem neuen FensterWirtschaftsverbands Windkraftwerke (WVW). Das Modell schlägt alternativ zur Umlage über die Strombörse eine Direktverteilung der erneuerbaren Energien über die Stromversorger sowie die Weiterentwicklung der Direktvermarktung vor. Näheres hierzu erfahren Sie in der Vorstellung des Konzepts.

Finale Ergebnisse von „Germany’s Next Top EEG“ am 19. März

Am kommenden Mittwoch, den 19. März, werden wir die finalen Ergebnisse von „Germany's Next Top EEG“ präsentieren. Dabei werden fünf Konzepte im Mittelpunkt stehen, die die besten Vorschläge für den weiteren Erfolg der dezentralen Energiewende unter breiter Bürgerbeteiligung beinhalten. Bis dahin wird es weitere Artikel geben, in denen andere Energieblogger einzelne Ergebnisse sowie unser Vorgehen beim Vergleich und der Auswertung der Reformvorschläge vorstellen.

Weiterführende Informationen

Energiebloggerin Tina Ternus hat bereits im August 2013 einen sehr umfangreichen Artikel zum EEG-Paradoxon geschrieben:

Eine Übersicht über alle von den Energiebloggern untersuchten Reformvorschläge gibt es hier:


Autorin Kathrin Hoffmann

Kathrin Hoffmann

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