Die Mär von Blackouts und der Kostenexplosion – und wie es wirklich aussieht

17. Februar 2014 - 11:52 Uhr
von Kathrin Hoffmann
zu  Branche der erneuerbaren Energien

Es ist unglaublich wie die Lobby- und PR-Maschinerie der großen Energiekonzerne und der Industrie zu einer zunehmenden Verunsicherung in der Bevölkerung führt – und das vor allem auch bei Grundsatzfragen, die eigentlich längst vom Tisch sind. Während bis vor Kurzem der Sinn und die Machbarkeit der Energiewende grundlegend nicht mehr in Frage gestellt wurden, begegnen uns nun wieder vermehrt alte Vorurteile gegenüber erneuerbaren Energien und der Windenergie.

Vollversorgung mit erneuerbaren Energien nicht möglich? Im Gegenteil!

Auch wenn immer wieder die Angst vor drohenden Blackouts geschürt wird, gibt es inzwischen diverse Studien, Modell- und Praxisprojekte, die zeigen, dass eine Versorgung mit 100% erneuerbaren Energien problemlos möglich ist. Mit dem Öffnet den Link in einem neuen Fensterersten regenerativen Kombikraftwerk haben bereits vor Jahren Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Windenergie und Energiesystemtechnik und zahlreiche Partner aus der Wirtschaft gezeigt, dass der Strombedarf allein aus erneuerbaren Energien in Kombination mit Speichern gedeckt werden kann.  Mit dem Folgeprojekt Öffnet den Link in einem neuen FensterKombikraftwerk 2, das bis Ende letzten Jahres lief, wurde demonstriert, dass auch regenerative Kraftwerke Regelenergie bereitstellen können und somit auch bei 100% erneuerbarer Energien die Stabilität des Stromnetzes gewährleistet werden kann.

Einzelne Studien (Öffnet den Link in einem neuen Fensterhier das Beispiel Energiekonzept 2050) zeigen darüber hinaus auf, dass eine vollständige Versorgung mit erneuerbaren Energien – sowohl im Bereich Strom als auch in den Bereichen Wärme und Mobilität – bereits bis zum Jahr 2050 möglich ist. Und dieses Energieszenario wäre noch nicht einmal teurer als das heutige.

Der Weg in die Praxis wurde vor zwei Wochen in Schleswig-Holstein beschritten. Dort Öffnet den Link in einem neuen Fensterging das erste virtuelle Erneuerbare-Energien-Kraftwerk ans Netz, das von der Öffnet den Link in einem neuen FensterArge Netz GmbH betrieben wird, einem Zusammenschluss von 250 mittelständischen Erneuerbaren-Produzenten der Region. Der Ökostrom aus Sonne, Wind, Biomasse und Kraft-Wärme-Kopplung in Kombination mit Speichern soll künftig in zuverlässig voraussagbaren Mengen erzeugt und vermarktet werden.

Kostenexplosion durch erneuerbare Energien? Im Gegenteil!



Die angebliche Kostenexplosion der Strompreise durch die Energiewende wurde in den letzten Monaten von Politik, Medien und Stromkonzernen rauf und runter gespult. Dabei werden häufig drei große Fehler gemacht:

Kosten der erneuerbaren Energien werden auf die EEG-Umlage reduziert

Die EEG-Umlage, aufgebläht durch Industrieprivilegien und die paradoxerweise steigende Differenz zum durch die Erneuerbaren sinkenden Börsenpreis, stellt in keiner Weise Öffnet den Link in einem neuen Fensterdie wahren Kosten der Energiewende dar. Schuld ist der 2009 eingeführte Ausgleichsmechanismus. Seit Einführung dieses Mechanismus sind die über das EEG geförderten Strommengen um 70 Prozent gestiegen. Die von den Endkunden zu bezahlende EEG-Umlage stieg dagegen um 350 Prozent!

Externe Kosten werden bei atomar-fossile Energien nicht berücksichtigt

Während die Kosten für den Ausbau erneuerbarer Energien zum Großteil sichtbar und für den privaten Stromverbraucher auch spürbar sind, bleiben uns Öffnet den Link in einem neuen Fensterdie wahren Kosten der atomaren und fossilen Energien verborgen. Diese sind viel höher als das, was wir per Stromrechnung bezahlen, denn zum einen werden die atomar-fossilen Energien über steuerliche Subventionen viel stärker gefördert als erneuerbare Energien und zum anderen werden die externen Kosten, die zusätzlich für Umwelt- und Gesundheitsschäden sowie die noch unklare Lagerung des Atommülls aufgebracht werden müssen, nicht mit eingerechnet.

Oft nur kurz- bis mittelfristige Betrachtung der Preisentwicklungen

Wer darüber hinaus noch einen Blick auf die Preisentwicklungen der verschiedenen Energieträger wirft, kann eigentlich nur den Kopf schütteln über alle, die über die teure Energiewende jammern. Während die Öffnet den Link in einem neuen FensterKosten für den Import von fossilen Energieträgern in den vergangenen 10 Jahren um 250% gestiegen sind, sind die Einspeisevergütungen für erneuerbare Energien um zwei Drittel gesunken. Da die Reserven der fossilen Energieträger immer knapper werden, ist zu erwarten, dass die Importkosten weiter steigen, während die Einspeisevergütungen für erneuerbare Energien künftig noch weiter sinken werden.

Ein Blick auf die reinen Stromgestehungskosten verrät, dass Öffnet den Link in einem neuen FensterWind- und Solarstrom heute schon fast wettbewerbsfähig mit Kohlestrom ist. Im Vergleich mit neuen Atomkraftwerken ist Wind- und Solarenergie sogar bereits klar im Vorteil. Während das in Großbritannien geplante AKW Hinkley Point eine garantierte Öffnet den Link in einem neuen FensterEinspeisevergütung von 14,7 ct/kWh über eine Laufzeit von 35 Jahren erhalten soll, wird Strom aus neuen Windenergieanlagen in diesem Jahr mit maximal 9,3 ct/kWh über eine maximale Laufzeit von 20 Jahren vergütet. Die Öffnet den Link in einem neuen FensterVergütung für PV-Anlagen lag im Januar 2014 zwischen 9,47 und 13,68 ct/kWh und wird im Laufe des Jahres noch weiter abgesenkt.

Der schnelle Umstieg auf erneuerbare Energien führt daher zu einer Kostenersparnis und nicht zu einer Kostenexplosion!


Autorin Kathrin Hoffmann

Kathrin Hoffmann

Online-Kommunikation und die große bunte Welt der Social Media – das ist mein Zuhause. Bei Windwärts sorge ich unter anderem für spannende Beiträge in diesem Blog, bunte Bilderwelten auf Öffnet den Link in einem neuen FensterFlickr, inspirierende Filme auf Öffnet den Link in einem neuen FensterYoutube und informative Präsentationen auf Öffnet den Link in einem neuen FensterSlideshare. Ich schaue auch gerne mal über den Tellerrand und freue mich über jeden Austausch, der Ideen voranbringt und Horizonte erweitert.

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Kommentare

von DEZ Moderator am 27. Februar 2014 - 17:13 Uhr dialog-energie-zukunft.de

Frau Pilarsky-Grosch vom BWE hat dazu eine Zusammenfassung geschrieben: Die Energiewende voranbringen: dezentral und demokratisch.

https://www.dialog-energie-zukunft.de/dezentral-und-demokratisch/#inhalt

von Petra am 21. Februar 2014 - 12:37 Uhr

"Leider werden derzeit weder flexible Gaskraftwerke noch Speichertechnologien politisch im erforderlichen Umfang unterstützt."
Ich denke, Sie sollten sich mal die Homepage der Initiative ansehen ... genau diese Problematiken werden dort angesprochen. Daher auch die Aufforderung zur Vorbereitung auf den Worst-Case - und der klingt nicht gerade romantisch :-(.

von Kathrin Hoffmann am 21. Februar 2014 - 10:28 Uhr

Für den Fall, dass sowohl Windenergie- als auch Solaranlagen zeitgleich sehr wenig Strom produzieren, brauchen wir langfristig auf jeden Fall irgendeine Form der Regelenergie zum Ausgleich - sei es beispielsweise in Form von Gaskraftwerken, die flexibel hoch und runtergefahren werden können, oder mithilfe von Speichertechnologien, sodass überschüssiger Wind- und Solarstrom aus Spitzenproduktionszeiten gespeichert und bei Bedarf wieder eingespeist wird (Pumpspeicherkraftwerke, Power-to-Gas...).
Leider werden derzeit weder flexible Gaskraftwerke noch Speichertechnologien politisch im erforderlichen Umfang unterstützt. Das ist sicherlich in Österreich nicht großartig anders als in Deutschland...

von Petra am 20. Februar 2014 - 22:17 Uhr

Ich denke auch, dass ein Umstieg möglich ist - aber nicht, wie er derzeit läuft. Es ist zwar toll, wenn die technischen Möglichkeiten im Labor funktionieren, aber in der Realität spielt sich derzeit wohl eher etwas anderes ab. Ich verfolge seit einiger Zeit die österreichische Initiative plötzlich Blackout. Und da gab es auch einen interessanten Beitrag zum 21. Jänner diesen Jahres - wo von den 70 GW Sonnen- und Windkraftwerken den ganzen Tag nicht mehr als 1 GW erzeugt wurden ... wie soll das ohne Backup funktionieren???

von Kathrin Hoffmann am 17. Februar 2014 - 14:24 Uhr

Ja, es ist echt traurig und erschreckend, wie sich solche Schreckgespenster wie das von der Kostenexplosion der Energiewende wie ein Lauffeuer verbreiten. Es wird nicht groß hinterfragt und diejenigen, die dem etwas entgegen halten, werden nicht gehört.
Wenn solche Märchen nur oft genug wiederholt werden, glauben es irgendwann alle...

von Stephan Günther am 17. Februar 2014 - 13:45 Uhr www.energieheld.de

Sehr schöne und ausführliche Zusammenfassung!
Leider wird wirklich viel gegen die Energiewende kommuniziert, und die wahren Kosten sind und bleiben versteckt. Erst heute morgen hab ich lesen müssen, dass Australien wieder zu Strom aus Kohle zurück rudert...
Hier der Link: http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/australiens-energiewende-rueckwaerts-schlechtes-beispiel-deutschland-a-950397.html

"Deutschland als abschreckendes Beispiel" auch hier ist wieder von der "Kostenexplosion" die Rede. Die Energiewende hat es wirklich nicht leicht.

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