Frühstück ohne Honigbrot – eine Welt ohne Bienen

24. Mai 2018 - 15:10 Uhr
von Katharina Wolf
zu  Verantwortung & Engagement, Umweltbildung

Für viele gehört es zum Frühstück wie die Tasse Kaffee – ein frisches knuspriges Brötchen mit goldgelbem Honig. Doch wie lange können wir den gesunden Süßstoff noch genießen? Die Honigbienen stehen unter Stress. Imker klagen über anfällige Bienen, in den USA sind gar ganze Völker verschwunden. Was macht den Immen das Leben schwer und wie würde eine Welt ohne Bienen aussehen? Zumindest eins ist sicher: Das Fehlen von Honig wäre dann wohl unser kleinstes Problem.

Nicht nur Bienen, alle Insekten haben in der Natur ihre Aufgabe. Einerseits dienen sie als Nahrung, anderseits sind viele der fliegenden Kleinen verantwortlich für die Bestäubung von Pflanzen und damit für deren Fortpflanzung. Obstbäume, Raps, Tomaten oder auch Sonnenblumen können ohne sie kaum Früchte bringen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO geht davon aus, dass ein Drittel aller Nahrungspflanzen weltweit auf Bestäubung angewiesen sind. Öffnet den Link in einem neuen FensterGreenpeace schätzt, dass bis zu 75 Prozent unserer heimischen Kulturpflanzen ohne Bestäuber von einem Produktivitätsrückgang betroffen wären. Unser Speisezettel sähe um einiges ärmer aus.

Ein Penny Markt bei Hannover macht jüngst die Öffnet den Link in einem neuen FensterProbe aufs Exempel: Über Nacht räumten die Mitarbeiter alle Waren aus dem Sortiment, die von Bestäubung abhingen. Die überraschten Kunden standen am Morgen vor vielen leeren Regalen: Fruchtjogurt, Obst, Gemüse - weitgehend Fehlanzeige. Dass Bier noch ausreichend zu bekommen war, weil Hopfen und Malz Selbstbestäuber sind, ist da nur ein schwacher Trost.

Öffnet den Link in einem neuen FensterHonigbrot

Doch obwohl wir sie brauchen, machen wir Menschen den Insekten und auch den Bienen das Leben schwer. Die Öffnet den Link in einem neuen FensterKrefelder Studie hat Ende 2017 alarmierende Zahlen vorgelegt: Fast 80 Prozent der fliegenden Insekten sind seit 1990 verschwunden.

Die Gründe sind vielfältig. In der aufgeräumten Landschaft finden wilde Bienen keine Nistplätze und zu wenig Nahrung. Intensive Landwirtschaft und der Einsatz von Pflanzengiften wie Glyphosat schaffen Monokulturen. Gerade wilde Bienen, von denen es in Deutschland mehr als 500 Arten gibt, sind besonders bedroht. Sie können keine weiten Strecken fliegen, sondern müssen im Umfeld ihrer Nistplätze Nahrung finden. Etwas mehr als die Hälfte der Arten ist vom Aussterben bedroht.

Die Honigbienen sind im Gegensatz zu ihren wilden Schwestern besser dran, denn Imker sorgen für Nistplätze und Nahrung, sollte sie knapp werden. Trotzdem sind auch sie von Umweltgiften gestresst. Besonders problematisch sind so genannte systemische Insektizide wie Neonicotinoide, die sich in allen Teilen der Pflanzen ausbreiten und so auch die Bienen treffen, die Pollen, Nektar oder Wasser sammeln. Die Universität Sussex hat in einer vierjährigen Studie ermittelt, dass Neonicotinoide langfristig das Nervensystem der Bienen schädigen. Immerhin: Erst kürzlich hat die EU drei besonders Öffnet den Link in einem neuen Fensterumstrittene Gifte verboten.

Hinzu kommt der Cocktail-Effekt: Bienen nehmen aus Luft, Wasser und Nahrung eine Vielzahl von Giften auf. In der Kombination können sie ein deutlich schlimmere Wirkung haben, als einzelne Stoffe, warnt das Öffnet den Link in einem neuen FensterUmweltinstitut München e.V. Bei der Zulassung von Pestiziden werde dies nicht berücksichtigt.

Öffnet den Link in einem neuen FensterHonigbrot

Die Folge: Geschwächte Bienen sind anfälliger für Krankheiten. Den Honigbienen macht besonders die Varroa-Milbe zu schaffen, eine 1 bis 2 Millimeter große Milbe, die aus Asien eingeschleppt wurde. Die Langzeitstudie „Öffnet den Link in einem neuen FensterDeutsches Bienen-Monitoring“ der Universität Hohenheim hat sie schon 2010 als Hauptgrund für das Schwinden vieler Bienenvölker in den Wintermonaten identifiziert. Denn nur gesunde Bienen können die kalte Jahreszeit überstehen.

In den USA und auch in China ist das Bienensterben schon deutlich weiter fortgeschritten als bei uns. Auf Kaliforniens Mandelplantagen bekommen Imker hohe Bestäubungsprämien, damit sie ihre Bienenvölker zu den Landwirten bringen, in China müssen Obstbäume gar von Menschen per Hand bestäubt werden.

Doch die gute Nachricht lautet: Wir können etwas tun, um die Bienen zu schützen. Am wichtigsten ist der Umbau der Landwirtschaft - weniger Gift, weniger Monokulturen, mehr blühende Randstreifen und Hecken. Eine Landschaft, die weniger versiegelt und aufgeräumt ist, gibt allen Insekten wieder mehr Lebensraum.

Viele Projekte zum Bienenschutz sind bereits erfolgreich am Start und stoßen auf breite Unterstützung. Die niedersächsische Landesregierung hat beispielsweise ein Aktionsprogramm zur Förderung der Insektenvielfalt gestartet. Der Verein „Öffnet den Link in einem neuen FensterHannover summt!“ kümmert sich seit Jahren um die Artenvielfalt in und um Hannover, Schulen bieten Imker AGs. Und auch jeder einzelne kann etwas tun. Im eigenen Garten oder auf dem Balkon bienenfreundlichen Blumen anpflanzen. Im Schrebergarten auf Pestizide verzichten und ein Insekten- oder Bienenhotel aufstellen. Honig vom heimischen Imker kaufen, statt nach Importware aus Übersee zu greifen. Denn dann schmeckt das Honigbrötchen zum Frühstück gleich nochmal so gut. 

Wer ganz aktiv den Bienenschutz unterstützen will, kann das auch mit Muskelkraft tun:
Am 16. Juni startet der Öffnet den Link in einem neuen Fenster8. Windwärts Radmarathon. Mit dem Wind im Rücken legt das Peloton eine Strecke von mindestens 250 Kilometern zurück. In diesem Jahr spendet Windwärts für jeden gefahrenen Kilometer zwei Euro pro gefahrenen Kilometer an den Verein „Hannover summt! – Wir tun was für Bienen.“

Fotos: Pixabay

 

 


Autorin Katharina Wolf

Katharina Wolf

Als freie Journalistin schreibe ich über alle Aspekte der Windenergie - von A wie Ausschreibung bis Z wie Zertifizierung. Mit Windwärts verbindet mich eine besondere Geschichte: In meinem ersten längeren Artikel für die Fachzeitschrift Erneuerbare Energien (die damals 1995 noch Windenergie Aktuell hieß) ging es unter anderem um das Windwärts-Projekt Kunst und Windenergie bei der Expo 2000. Deshalb freue ich mich, wenn ich mit den unterschiedlichsten Themen aus der Branche jetzt zum Blog beitragen kann. Mehr und neuere Text von mir finden sich Öffnet den Link in einem neuen Fensterauf meiner Homepage.


 

 

 

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