Erneuerbare Energien

Erneuerbare Energien in Deutschland

Vorreiter und Trendsetter

Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren zum Vorreiter und Trendsetter in Sachen Erneuerbare Energien entwickelt. Trugen sie im Jahr 1990 gerade einmal 3 % zur Stromerzeugung hierzulande bei (fast ausschließlich Wasserkraft), so betrug ihr Anteil an der Gesamtstromerzeugung in Deutschland im Jahr 2018 bereits 37,8%. Dieses rasante Wachstum verdanken wir auf der einen Seite der Initiative vieler Menschen, die an neuen Technologien forschen, Unternehmen gründen, Geld investieren oder für eine nachhaltige und zukunftstaugliche Energieversorgung auf die Straße gehen. Auf der anderen Seite verdanken wir es dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Es verbindet zwei einfache und wirksame Mechanismen: den Vorrang für erneuerbare Energien bei der Einspeisung ins Netz und die feste Einspeisevergütung für Strom aus regenerativen Quellen. Damit hat das EEG einen grundlegenden Wandel angestoßen: Waren die Erneuerbaren bis dato eher eine Spielwiese für Idealisten und Tüftler, wurden sie nun auch wirtschaftlich interessant. Vor allem die durch die genannten Mechanismen geschaffene Investitionssicherheit hat sich als zielführend erwiesen. Das EEG wurde zu einer Erfolgsgeschichte und hat sich als effektives Mittel zur Förderung der erneuerbaren Energien erwiesen. Deutschland wurde zum Vorbild für viele andere Länder, die dieses oder ein ähnliches System übernommen haben.

Vorteile für Deutschland

Der starke Ausbau der erneuerbaren Energien bringt Deutschland enorme Vorteile. Das belegen unter anderem die Zahlen, die vom Bundesumweltministerium veröffentlicht wurden:

  • Im Jahr 2017 konnte durch den Einsatz erneuerbarer Energien in der Strom- und Wärmeerzeugung der Ausstoß von 907 Millionen Tonnen Treibhausgasen vermieden werden.
  • Eine Prognose  des Umweltbundesamt ergibt, dass die Treibhausgas-Emissionen in 2018 um 4,5 % im Vergleich zum Vorjahr 2017 gesunken sind.
  • Erneuerbare Energien schaffen Arbeitsplätze: Insgesamt arbeiteten im Jahr 2018 mehr als 330.000 Menschen in den unterschiedlichen Bereichen.

Quelle: Umwelt-Bundesamt

Bürger werden Stromerzeuger

Aufteilung der erneuerbaren Energien nach Eigentümergruppen 2016

Ein Unterschied zwischen konventionellen und regenerativen Methoden der Stromerzeugung ist die Struktur der Eigentümer der Erzeugungsanlagen. Die großen Kohle- oder Atomkraftwerke, die die Vergangenheit der Energieversorgung geprägt haben, gehören wenigen großen Konzernen. Bei den dezentralen Erneuerbaren sieht das ganz anders aus, wie im Energieatlas 2018 ermittelten Zahlen zeigen. 42 % der installierten Leistung gehören Bürgerbeteiligungen (Fondsbeteiligungen, Minderheitsbeteiligungen an Betreibergesellschaften), Bürgerenergiegesellschaften (regionale Energiegenossenschaften und Bürgerbeteiligung) oder Einzeleigentümer/innen (Landwirtinnen und -wirte, Agrargenossenschaften).

Das heißt: Fast die Hälfte der Windenergie-, Solar- und Biogasanlagen sowie der Wasserkraftwerke in Deutschland sind im Besitz von Menschen „wie Du und ich“. Weitere 41% gehören Finanz- und andere Investoren. Den vier großen Energieversorgern gehören gerade einmal 16%. Eine Energieversorgung in Bürgerhand – wer hätte davon noch vor 20 Jahren zu träumen gewagt?

Aufgaben für die Zukunft

Wir sind bereits weit gekommen. Rund 17 % des Stroms in Deutschland wird aus erneuerbaren Quellen gewonnen. Insgesamt stieg der Anteil der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch mit 36,0 % zum Vorjahr auf 37,8 Prozent im Jahr 2018. Angesichts der Endlichkeit der fossilen Brennstoffe und der mit zunehmender Knappheit zu erwartenden Preissteigerungen sowie des fortschreitenden Klimawandels kann das Ziel nur eine Vollversorgung aus erneuerbaren Energien sein. Dazu ist allerdings mehr nötig als nur neue Erzeugungsanlagen zu errichten. Wir müssen das gesamte System der Energieversorgung ändern. Das bedeutet, über das Design des Strommarkts ebenso nachzudenken wie über die Art und Weise, wie wir Strom verbrauchen (und nicht nur, wie wir ihn erzeugen). Zu klärende Fragen sind u.a.:

  • Wie kann fluktuierende Stromerzeugung ausgeglichen und zu jedem Zeitpunkt Versorgungssicherheit garantiert werden? Hier können Speichertechnologien oder Backup-Kraftwerkskapazitäten ebenso eine Rolle spielen wie virtuelle Kraftwerke, in denen dezentrale Erzeugungsanlagen zusammengeschaltet werden.
  • Wie können wir den Verbrauch der fluktuierenden Erzeugung mit Erzeugungsspitzen etwa um die Mittagszeit anpassen, wenn die Solaranlagen viel Strom erzeugen?
  • Welche Übertragungsnetze brauchen wir?

Die Gestaltung eines Energieversorgungssystems, das auf erneuerbaren Energie beruht, ist Aufgabe der Politik. Als Staatsbürger und Energieverbraucher sollten wir alle darauf achten, dass sie diese Aufgabe auch wahrnimmt.

Quelle: Umwelt Bundesamt