Geschichte

Klimaschäden im Wald: Kann Windenergie helfen?

Der Wald leidet unter dem Klimawandel, den Besitzern fehlt oft das nötige Geld für den Umbau. Kann Wind im Wald eine Lösung sein? Und wie viel Fläche wird eigentlich für eine Windenergieanlage gebraucht?

Wenn es um Bäume geht, werden auch die sonst eher nüchternen Deutschen emotional. Kaum etwas bewegt Menschen so sehr wie die Rodung eines Waldes. So trieb die Rettung des Hambacher Forstes vor den Baggern des Energiekonzern RWE so viele Menschen auf die Straße, dass der am Ende einknickte. „Hambi bleibt!“ wurde zum Siegesruf derjenigen, die für den Ausstieg aus der Kohleenergie und für mehr Klimaschutz demonstrierten

Wie viel Fläche braucht eine Windenergieanlage?

Gegner der Windenergie im Wald argumentieren oft mit dem Flächenverbrauch durch die Turbinen. Hier hat die Fachagentur Windenergie an Land (FA Wind) nachgerechnet ‒ und kommt auf niedrige Zahlen. Für jede Windenergieanlage im Wald müssen dauerhaft durchschnittlich 0,47 Hektar gerodet werden.  

Von dieser Fläche werden etwa

  • 0,05 Hektar durch das Anlagenfundament versiegelt,

  • 0,15 Hektar müssen als Kranstellfläche freigehalten werden und

  • 0,27 Hektar umfassen vor allen die Wege im Wald, die über den gesamten Betriebszeitraum der Anlage auf Fahrzeugbreite ausgebaut bleiben müssen.

Doch was ist, wenn auch die Energiewende das Fällen von Bäumen erfordert? Knappe Flächen und moderne Windenergieanlegen, die auch über Baumkronen wirtschaftlich arbeiten, ermöglichen Windparks in Wäldern. Gleichzeitig ist es dort leichter, die notwendigen Abstände zur nächsten Siedlung einzuhalten. Doch auch hier kochen die Emotionen hoch, wenn Bäume für Windenergieanlagen fallen sollen.

Während der Bauarbeiten wird zusätzlich im Durchschnitt eine Fläche von 0,40 Hektar gerodet, die in der Regel innerhalb von zwei Jahren wieder aufgeforstet werden muss.

Laut Berechnung der FA Wind belegen nun alle in Deutschland installierten Windenergieanlagen im Wald eine Fläche von 953 Hektar. Eine Fläche dieser Größe, so die FA Wind, wurde in der Vergangenheit etwa alle 15 Monate im Zuge der Braunkohleförderung in Deutschland abgebaggert.

Wind im Wald leistet wichtigen Beitrag zur Energiewende

Gleichzeitig leisten die Turbinen einen wichtigen Anteil zur Stromerzeugung: Laut FA Wind waren 2019 in Deutschland mehr als 2.000 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von 5,5 Gigawatt auf Waldflächen in Betrieb, meist im waldreichen Süden Deutschlands. Das sind etwa sieben Prozent des gesamten deutschen Anlagenbestandes. Gleichzeitig stellen sie, weil vor allem moderne Mühlen im Wald stehen, mit einer elektrischen Gesamtleistung von 5.450 Megawatt (MW), zehn Prozent der insgesamt installierten Windenergieleistung.

 

Der Wald leidet unter dem Klimawandel

Doch es gibt noch mehr Argumente für Wind im Wald: Der Klimawandel macht den Bäumen zu schaffen. Sie leiden unter Hitze, Trockenheit und Insektenbefall. 245.000 Hektar Wald gelten als zerstört, zwischen 2018 bis 2019 sind rund 105 Millionen Kubikmeter Schadholz angefallen, berechnete das Bundeslandwirtschaftsministerium im Waldschadenbericht. Für 2020 erwartet das Ministerium weitere 55 Millionen Kubikmeter.

 

Pachtzahlungen und Ausgleichsflächen helfen beim Waldumbau

Wiederaufforstung und Waldumbau sind deshalb dringende Aufgaben der Waldbesitzer. Und hier kann die Windenergie einen Beitrag leisten: Zum einen mit regelmäßigen Pachtzahlungen für die Standorte der Anlagen, aber auch mit Wiederaufforstung nur vorübergehend gerodeter Flächen und Ausgleichsmaßnahmen, die gesetzlich vorgeschrieben sind. So können Biotope angelegt oder Wälder wieder naturnäher und damit klimaresistenter gestaltet werden.

 

Niedersachsen will Wälder „vorsichtig öffnen“

Die Chance, mithilfe der Windenergie den Umbau der Wälder zu fördern, lässt auch ein waldarmes Bundesland über mehr Mühlen im Wald nachdenken. In Berlin, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und mit wenigen Ausnahmen auch in Niedersachsen sind Windparks in Wäldern nicht erlaubt.

 

Niedersachsen plant nun eine „vorsichtige Öffnung“. In einem gemeinsamen Abschlusspapier des Runden Tisches zur Windenergienutzung heißt es, der Wald könne als zusätzliche Potenzialfläche betrachtet werden.

Ein Katalog soll die Kriterien für geeignete Standorte auflisten.

© Titelbild: juwi AG | Hessen-Windpark | Hohenstein-Galgenkopf