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Drohende Ökostromlücke 2030: Der Solardeckel muss weg!

Entgegen ihrer Ankündigung im Klimapaket hat die Bundesregierung den Solardeckel bisher nicht gestrichen. Die Solarbranche fordert nun dies zügig umzusetzen.

Wie wollen wir künftig unsere Energie erzeugen? Um nicht mehr und nicht weniger geht es beim Klimapaket der Bundesregierung. Dabei erscheint eines logisch: Wer aus der klimaschädlichen Stromproduktion mit Stein- und Braunkohle aussteigen will, muss klimafreundliche Alternativen aufbauen. Der Ausstieg aus der Kernenergie ist beschlossene Sache – das letzte Kernkraftwerk in Deutschland soll 2022 vom Netz gehen.

Dass die Alternative im Ausbau der erneuerbaren Energien besteht, liegt auf der Hand. Das ist auch der Politik klar: Bis 2030 sollen 65 Prozent unseres Stroms aus erneuerbaren Quellen kommen, so lautet das erklärte Ziel der Bundesregierung. Und angesichts eines Ökostrom-Anteils von 43 Prozent im vergangenen Jahr erscheint das Ziel noch nicht einmal besonders ehrgeizig.

Doch es gibt zwei Phänomene, die dem entgegenstehen:

Bild: pixabay.com

1. Der zunehmende Stromverbrauch

Die Bundesregierung geht in ihren Berechnungen für das Klimapaket davon aus, dass sich der Bruttostromverbrauch „geringfügig unterhalb des heutigen Niveaus“ bewegen wird. Im Jahr 2018 waren dies knapp 600 Terawattstunden.

Doch neue Gutachten widersprechen dieser These vom sinkenden oder stagnierenden Stromverbrauch. Eine vor wenigen Wochen veröffentlichte Studie des Markt- und Wirtschaftsforschungsunternehmens EuPD Research erwartet in den nächsten zehn Jahren eine deutliche Zunahme des Nettostromverbrauches um gut ein Fünftel auf 657 Terawattstunden. Und ein Team des Energiewirtschaftlichen Instituts Köln (EWI), hat errechnet, dass der Bruttostromverbrauch bis 2030 auf 748 Terawattstunden steigen könnte.

2. Der stockende Ausbau der erneuerbaren Energien

Erste Auswertungen für 2019 zeigen, dass der Ausbau der Windenergie an Land dramatisch eingebrochen ist. Der IWR geht davon aus, dass lediglich 900 MW neu ans Netz gingen - so wenig waren es zuletzt 1998. Offshore gingen 1.100 MW ans Netz. Für 2020 sind die Prognosen ebenfalls düster.

Bei der Photovoltaik sieht es derzeit noch besser aus, aber auch hier droht bald ein Ausbaustopp. Der Grund: Das EEG sieht vor, dass die Förderung von Photovoltaikstrom endet, wenn die installierte Leistung 52 Gigawatt erreicht hat. Und das könnte in diesem Jahr der Fall sein: Laut Fraunhofer ISE waren Ende 2019 in Deutschland PV-Module mit einer Nennleistung von knapp 49 GW installiert. Für das Erreichen der Klimaschutzziele sei ein Zubau von mindestens 5 GW Photovoltaik notwendig.

Das Klimapaket sieht die Abschaffung des Solar-Deckels vor

Im Klimapaket hat die Bundesregierung zugesagt, diesen Deckel zu streichen – passiert ist das bislang nicht. Stattdessen gibt es Auseinandersetzungen in der Koalition. CDU-Politiker fordern, den Solardeckel nur dann zu streichen, wenn die 1.000-Meter-Abstandsregelung für Windparks bleibt, die ebenfalls Teil des Klimapakets ist und von Windbranche sowie Experten heftig kritisiert wird. 

Wir müssen die 20er Jahre zu einer Dekade der Solarisierung machen und das Ausbautempo in der Photovoltaik verdreifachen. Der notwendige Ersatz nuklearer und fossiler Kraftwerkskapazitäten bei gleichzeitig steigendem Strombedarf ist ohne einen deutlich stärkeren Ausbau Erneuerbarer Energien undenkbar.
Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des BSW

Schon im Frühjahr droht der erhebliche Einbruch, fürchtet die Solarbranche

Der Photovoltaik läuft die Zeit weg, sorgen sich Branchenvertreter. Gut ein Dutzend führender Bundes- und Dachverbände aus den Bereichen Mittelstand, Handwerk, Energie- und Immobilienwirtschaft sowie Verbraucher- und Umweltschutz appelliert deshalb in einem offenen Brief, noch in diesem Frühjahr „konkrete gesetzliche Schritte für einen beschleunigten Ausbau Erneuerbarer Energien einzuleiten“ und die Abschaffung des Solar-Deckels „umgehend und ohne weiteren Zeitverzug gesetzlich umzusetzen“.

Anderenfalls drohten bereits im Frühjahr ein erheblicher Einbruch der Solartechnik-Nachfrage, große Schäden in der Solarbranche und ein Verlust klimapolitischer Glaubwürdigkeit, heißt es in dem Schreiben. „Angesichts der vor uns liegenden Herausforderungen bei der Umsetzung der Klimaziele wäre es keinesfalls nachvollziehbar, wenn neben den gravierenden Problemen der Windbranche nun auch noch die Solartechnik mit ihren über 30.000 Beschäftigten und höchsten Akzeptanzwerten in der Bevölkerung in vermeidbare Schwierigkeiten geraten würde“, so der Appell.