Geschichte

Licht aus: Windparks sollen nicht mehr blinken!

Die bedarfsgerechte Nachtkennzeichnung macht es möglich: Zukünftig werden Windenergieanlagen nur noch blinken, wenn sich wirklich ein Flugzeug oder Hubschrauber nähert. Ein enormer Gewinn für die Akzeptanz. Für Betreiber ist der Übergang durchaus eine Herausforderung.

Wenn Windenergieplaner neue Projekte in Bürgerversammlungen vorstellen, steht ein Thema immer auf der Tagesordnung: Wie haltet ihr es mit der Befeuerung? Das nächtliche rote Dauerblinken oder
-leuchten, mit dem Windenergieanlagen ab 100 Meter Höhe Piloten herannahender Hubschrauber oder Flugzeuge auf sich aufmerksam machen müssen, erhitzt vielerorts die Gemüter. „Seit Windenergieanlagen regelmäßig eine Höhe von mehr als 100 Metern erreichen, haben sich Beschwerden von Anwohnern über diese Lichtemissionen gehäuft“, heißt es in einem Hintergrundpapier der Fachagentur Windenergie an Land unter Berufung auf eine Studie aus dem Jahr 2008.

Bald Vorschrift: Bedarfsgerechte Nachtkennzeichnung

Doch damit soll es nun bald vorbei sein - nach zehn Jahren der Diskussion. In Kürze tritt eine Neufassung der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zur Kennzeichnung von Luftfahrthindernissen (AVV Kennzeichnung) in Kraft, die etwas ermöglicht, für das die Windbranche schon lange streitet: Windparks sollen nur noch dann blinken müssen, wenn sich auch tatsächlich ein Flugzeug oder ein Hubschrauber nähert. Bedarfsgesteuerte Nachtkennzeichnung lautet der Fachbegriff.

Tief fliegende Luftfahrzeuge sind in der Nähe von Windparks außerordentlich selten.

Es sollte daher zukünftig gelingen, die nächtliche Beleuchtung von Windparks in rund 98 Prozent aller Zeiten auszuschalten. Das wäre eine enorme Entlastung des Landschaftsbildes.
Lothar Schulze, Leiter Politik bei Windwärts

Zwei Systeme: Radar oder Transponder

Wie kann das funktionieren? Es wird künftig zwei zugelassene Systeme geben: Entweder wird ein Sender, meist Radar, im Windpark oder dessen Umfeld errichtet, der aktiv Flugobjekte erkennen kann. Oder es werden so genannte transpondergestützte Detektionsanlagen installiert, die die Signale der Transponder in den Flugzeugen auffangen und das Blinken aktivieren.

Beide Lösungen haben ihre Berechtigung: Ein transpondergestütztes System ist zunächst günstiger in der Anschaffung und kann deshalb vor allem dort sinnvoll sein, wo nur wenige Parks stehen. Das aktive System wiederum kann wirtschaftlicher sein, wenn die Kosten auf viele Windenergieanlagen aufgeteilt werden können: Zwar ist die Installation des Senders teuer, doch pro Anlage kommen keine weiteren hohen Kosten auf den Betreiber zu. Außerdem funktioniert das System auch, wenn der Pilot eines Flugzeugs oder Hubschraubers, den Transponder ausgeschaltet hat oder er defekt ist. Eine Einschränkung gibt es hier allerdings: Die aktiven Systeme erfüllen die von der AVV Kennzeichnung geforderte bodennahe Detektion nicht, können also keine Flugzeuge oder Hubschrauber in Bodennähe erfassen. Daher gilt eine Übergangsfrist: Radarsysteme dürfen nur noch in den kommenden fünf Jahren neu installiert werden. Zwar ist dann der Weiterbetrieb gesichert; die Frage, ob neue Windparks in ein bestehendes System aufgenommen werden können -was wirtschaftlich sinnvoll wäre - sei völlig offen, kritisiert Schulze.

Nachrüstung: Einige Hindernisse zu meistern

Bis zum 1. Juli 2021 müssen nun rund 17.500 Windenergieanlagen in Deutschland nachgerüstet werden, und auch neu errichtete werden nur noch bei Bedarf blinken. Allerdings sind auf dem Weg noch einige Hindernisse zu meistern: „Bei einer Nachrüstung braucht man als Betreiber eine Änderungsgenehmigung“, sagt Lothar Schulze. Denn die ursprüngliche Genehmigung schreibe ja eine dauerhafte Befeuerung vor. Die Umrüstung sei zudem nicht immer ganz einfach: „Es gibt die unterschiedlichsten Befeuerungssysteme und Dateninfrastrukturen auf den Anlagen. Das BNK-System muss möglicherweise jeweils angepasst werden.“ Außerdem werden sich viele Betreiber auf einem kleinen Markt mit wenigen Anbietern tummeln - es kann zu Engpässen bei den Systemen und der Installation kommen, befürchtet Schulze. Zudem ist für alle befeuerten Anlagen eine zusätzliche Infrarotbefeuerung vorgeschrieben. Sie soll verhindern, dass bei einem ausgeschalteten oder defekten Transponder doch ein Pilot einen dunklen Windpark übersieht. „Bei aktiven Radarsystemen ist so eine Leuchte eigentlich überflüssig, aber dennoch vorgeschrieben.“

Großer Fortschritt: dunkler Nachthimmel über Windparks

Grundsätzlich ist Schulze aber vom Sinn der bedarfsgesteuerten Nachtkennzeichnung überzeugt: „Es ist ein großer Fortschritt und von großem Nutzen für die Akzeptanz, wenn die Nacht in den Windparks wieder dunkel wird. Windwärts wird der Pflicht zur Nachrüstung daher gerne nachkommen und prüft derzeit die Möglichkeiten zur Umsetzung.“