Geschichten

Klimasongs aus Hannover: No Music on a Dead Planet

Klimaprotest mal anders: In 25 Songs beschreiben Künstler und Künstlerinnen aus Hannover ihre Gedanken und Gefühle zur Klimakrise

Nachrichten vom Klimawandel erreichen uns fast täglich. Die Bilder der schmelzenden Gletscher und Polkappen, der auftauenden Permafrostböden und sterbenden Korallenriffe führen uns die real existierende Klimakrise eindringlich vor Augen. Doch selbst die Regenfluten und das folgende verheerende Hochwasser in Deutschland im vergangenen Sommer haben nicht alle davon überzeugt, dass die Zeit zum Handeln gefährlich knapp ist.

Ein emotionaler Zugang zum Thema Klimakrise

Unter diesem Eindruck haben Musiker und Bands aus Hannover ein ehrgeiziges Projekt in Angriff genommen. Ihre Idee: mit eindringlichen Songs zum Klimawandel einen anderen, emotionaleren Zugang zum Thema ermöglichen. „Wir haben innerhalb von zwei Monaten einen Sampler produziert, der unsere Gedanken und Gefühle zur Klimakrise widerspiegelt und gleichzeitig einen Eindruck vom breiten Spektrum der Musikszene in Hannover vermittelt“, sagt Kolja Schwab von der Initiative Culture Declares Hannover, die das Projekt initiiert hat.

No Music on a Dead Planet“ heißt das Ergebnis, zu dem viele Nachwuchskünstler, aber auch bekanntere Musiker, neue und zum Teil bereits veröffentlichte Songs beigetragen haben. Zu finden ist der Sampler auf den üblichen Streaming-Diensten. „Wir hatten gehofft, dass wir vielleicht zwölf Songs zusammenbekommen. Dann waren es ruck-zuck 25 – das hat uns wirklich überrascht“, sagt Schwab. Die Bandbreite der Lieder ist enorm. Von sanften Popnummern über Metal bis hin zum A-cappella-Stück und Klassik reichen die Genres. Und so unterschiedlich wie die Musikstile sind auch die Ideen der Künstler zum Thema Klimakrise.

Produziert wurde wegen Corona oft im „Home Studio“

„Ein bisschen war die Idee auch der Corona-Pandemie geschuldet“, sagt Schwab. Denn Culture Declares Hannover ist Teil von Culture Declares Emergency, einer weltweiten Initiative von Künstlern, die sich mit dem Thema Klimawandel auseinandersetzen. Während Theaterprojekte, Flashmobs oder Konzerte wegen der Pandemie kaum möglich waren, blieb das Schreiben und Produzieren von Songs, oft im „Home Studio“.

Culture Declares Emergency

ist eine globale Bewegung von Kunst- und Kulturschaffenden sowie -institutionen. Sie macht den existenziellen Notstand sichtbar, den Klimakatastrophe und sechstes großes Artensterben auslösen. Mehrere Tausend Künstler:innen, Kulturschaffende und Kulturinstitutionen haben die Deklarationen weltweit bereits unterzeichnet, darunter Weltstars wie Billie Eilish oder Radiohead. www.culturedeclares.org

Geld hat übrigens niemand für seinen Beitrag bekommen, auch die organisatorische Arbeit lief ehrenamtlich. Und die Begeisterung hält an. „Einige Bands und Musiker:innen, die das Projekt zu spät mitbekommen haben oder zunächst keine Zeit hatten, haben uns schon angesprochen. Eine Fortsetzung wäre möglich“, sagt Schwab. Nicht zuletzt, weil das Thema Klimawandel bislang nichts von seiner Brisanz verloren hat.

Für alle, die reinhören wollen ...

Doch es geht um mehr, denn auch die Kulturszene trägt ihren Teil zum Klimawandel bei. Welche Lösungen möglich sind, um zum Beispiel Konzerte möglichst klimaneutral zu gestalten wird ebenso diskutiert wie die Frage nach der Nachhaltigkeit von Streamingdiensten versus Tonträger-Produktion.

www.culturedeclares-hannover.de