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SINTEG: Ein Schaufenster schließt sich

Vier Jahre lang haben 300 Projektpartner in fünf Schaufenstern die Energiewende geprobt. Was bleibt? Viel Wissen und die Erkenntnis, dass nicht nur Geld entscheidet.

Vier Jahre lang haben sie gearbeitet, experimentiert und neue Ideen umgesetzt. Nun liegen die Ergebnisse auf dem Tisch. Mit dem Projekt „Schaufenster intelligente Energieerzeugung“ (SINTEG) sollte gezeigt werden, ob und wie eine sichere Energieversorgung aus 100 Prozent erneuerbaren Energien möglich ist. Das Fazit der Beteiligten: „Die Energiewende ist machbar!“ Das sagte Gesamtkoordinator Professor Werner Beba vom Schaufenster NEW 4.0 bei der Abschlusskonferenz Ende Oktober.

Mehr Flexibilität, Digitalisierung, Sektorkopplung und Partizipation für das Energiesystem

Grafik: Lumenion

Mehr als 300 Projektpartner haben in den fünf verschiedenen Schaufenstern die Energieversorgung der Zukunft ganz konkret aufgebaut. Sie haben neue Geschäftsmodelle erprobt, die Speicherung von überschüssigem Windstrom in Form von Wärme getestet oder intelligente Netzsteuerung mit vielen flexiblen Teilnehmern entwickelt und ausprobiert. Mehr Flexibilität, mehr Digitalisierung, mehr Sektorkopplung und mehr Partizipation waren die Ziele. „Unsere Ergebnisse haben einen hohen Reifegrad erreicht“, betonte Beba. „Wir werden deshalb fundierte Empfehlungen für die Klimapolitik geben können.“

Netzwerken als Erfolgsrezept

Das Erfolgsrezept von SINTEG sei die Zusammenarbeit verschiedenster Akteure und Teams der Partner aus Energiewirtschaft, Wissenschaft, Industrie und anderen gewesen, die sich sonst nicht zusammenfänden, so Beba. „Dadurch ist ein einzigartiges Netzwerk von Experten aus ganz Deutschland entstanden, das eine Übertragbarkeit der jeweiligen regionalen Lösungen sicherstellt.“

Blaupausen sollen die Ergebnisse übertrag- und anwendbar machen

Derzeit läuft die aufwändige Auswertung der Ergebnisse, aus der sogenannte Blaupausen entstehen sollen. Wie Baupläne sollen diese Musterlösungen die Ergebnisse übertragbar machen, sodass nicht nur die SINTEG-Beteiligten, sondern alle, die an der Energieversorgung arbeiten, dieses Wissen künftig nutzen können.

Rund 500 Millionen Euro wurden investiert

Mit insgesamt 200 Millionen Euro hat die Bundesregierung das Forschungsprogramm SINTEG gefördert. Zusammen mit zusätzlichen privaten Investitionen der beteiligten Unternehmen wurden mehr als 500 Millionen Euro investiert.

Geld ist nicht alles, es braucht einen Rechtsrahmen

Doch es wurde noch etwas anderes deutlich: „Fördergelder sind nicht alles“, betonte Markus Graebig vom Netzbetreiber 50Hertz Transmission und Gesamtprojektleiter des nordostdeutschen Schaufensters WINDNODE. „Ein ebenso wichtiger Hebel für regionale Investitionen sind die regulatorischen Rahmenbedingungen.“

Das Ende der SINTEG-Verordnung bedeutet auch das Ende etlicher Projekte

Nechlin in der Uckermark: Überschüssiger Strom von Windrädern heizt Wasser und versorgt damit das ganze Dorf (Power-to-X)

Um für die neuen Geschäftsmodelle neue Möglichkeiten zu schaffen, hatte die Bundesregierung mit der SINTEG-Verordnung einen Rahmen für Experimente geschaffen. So konnten finanzielle Nachteile, die Unternehmen entstanden sind, weil sie Netzengpässe beseitigten oder ihnen Entschädigungen für abgeregelten EE-Strom entgingen, ausgeglichen werden. „Das hat sich bewährt, auch wenn der Rahmen manchmal ein bisschen eng war“, so Graebig.

Doch nun wird die SINTEG-Verordnung auslaufen, eine Verlängerung ist nach Auskunft des Bundeswirtschaftsministeriums nicht geplant, auch eine neue Experimentierklausel ist für die Energiewirtschaft nicht vorgesehen. Projekte, wie etwa das Heizen mit Windstrom im brandenburgischen Nechlin, sind dann wirtschaftlich kaum noch zu betreiben.

Schaufenster intelligente Energie – Digitale Agenda für die Energiewende“ (SINTEG)

Mit dem Forschungsprogramm SINTEG fördert das Bundeswirtschaftsministerium in Modellregionen neue Ansätze für einen sicheren Netzbetrieb bei hohen Anteilen fluktuierender Stromerzeugung aus Wind- und Sonnenenergie. Dazu werden fünf großflächige „Schaufenster“ aufgebaut, um Wissen, Erfahrungen und Aktivitäten systemübergreifend zu bündeln. Die Schaufenster sollen die technischen, wirtschaftlichen und regulatorischen Herausforderungen der Energiewende der nächsten Jahrzehnte angehen und in der Praxis getestete Musterlösungen liefern. Sie sollen als „Blaupause“ für die Weiterentwicklung der Energiewende dienen. Insgesamt werden mehr als 500 Millionen Euro investiert.

Ergebnisse sollen in den regulatorischen Rahmen einfließen

Andreas Feicht, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, versprach dennoch, dass die Ergebnisse nicht in der Versenkung verschwinden werden. „Die Empfehlungen der SINTEG-Experten werden wir in die Weiterentwicklung des regulatorischen Rahmens einfließen lassen.“

Vom Schaufenster zum Reallabor

Mit der Forschung zur Energiewende geht es ebenfalls voran. 20 sogenannte Reallabore haben sich auf den Weg gemacht, weiter an den offenen Fragestellungen einer kohlenstofffreien Energieversorgung zu arbeiten. Ein Schwerpunkt ist die Nutzung von Wasserstoff. Auch einige SINTEG-Bekannte sind dabei. So wird aus NEW 4.0 das Norddeutsche Reallabor.