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Akzeptanz von Windparks – Was will die schweigende Mehrheit?

Wer gegen Windenergieanlagen protestiert, beruft sich oft auf die schweigende Mehrheit. Zu Recht? Die Fachagentur Windenergie an Land ist der Frage nachgegangen – mit erstaunlichen Ergebnissen.

Es ist erstaunlich: Wenn in einer Gemeinde öffentlich wird, dass ein Windpark gebaut werden soll, formiert sich oft erheblicher Widerstand. Gleichzeitig ergeben repräsentative Umfragen immer wieder, dass die große Mehrheit der Deutschen der Windenergie positiv gegenübersteht – auch in der Nachbarschaft. Wie passt das zusammen?

Die Fachagentur Windenergie an Land (FA Wind) ist dieser Frage nachgegangen und hat in ihrer jährlichen Umfrage zu Akzeptanz von Windenergie die schweigende Mehrheit unter die Lupe genommen – eben jene Mehrheit, die so oft von den Meinungsführern für sich reklamiert wird.

Die Demonstrationsbereitschaft gegen Windkraft fällt weit geringer aus als oft angenommen

Wie wurde die schweigende Mehrheit ermittelt?

In einer repräsentativen Umfrage wurde 1013 Menschen die Frage gestellt, ob sie für oder gegen Windenergie auf die Straße gehen würden. 546 und damit 54 Prozent antworteten, sie seien weder bereit, sich gegen Windenergieanlagen in ihrem Wohnumfeld noch für die Umsetzung der Energiewende mit Windparks vor Ort zu engagieren – sie wurden der „schweigenden Mehrheit“ zugerechnet. „Der tatsächliche Wert dürfte noch höher liegen“, sagt Frank Sondershaus, Referent Akzeptanz und Beteiligung bei der Fachagentur. „Die tatsächlich zu beobachtende Demonstrationsbereitschaft fällt weit geringer aus als in der Umfrage angegeben wird.“

Wie steht die schweigende Mehrheit zur Windenergie?

Überraschend ist nun, wie diese 54 Prozent die Fragen zur Windenergie beantworteten:

  • 86 Prozent halten den Ausbau der Windenergie für „wichtig oder sehr wichtig“. Zum Vergleich: Der Anteil unter allen Befragten liegt bei 82 Prozent.
  • 74 Prozent halten es für „wichtig oder sehr wichtig “, dass Bund, Länder und Gemeinden ausreichend Flächen für den Ausbau der Windenergie zur Verfügung stellen, um die gesetzten Klimaziele zu erreichen. Der Durchschnitt unter allen Befragten liegt bei 72 Prozent.
  • Wenn bereits Windparks in der Nachbarschaft standen (bei 461 Befragten der Fall), ist ein Anteil von 85 Prozent der schweigenden Mehrheit mit ihnen „eher einverstanden“. Im Durchschnitt sind es 78 Prozent.
  • Wenn noch keine Windparks in der Nachbarschaft sind (542 Befragte), haben von der schweigenden Mehrheit 73 Prozent „weniger große“ oder „gar keine“ Bedenken, falls dort welche gebaut würden. Auch das liegt über dem Durchschnitt von 70 Prozent.
Unsere Ergebnisse zeigen, dass sich Gegner der Windenergie keineswegs darauf berufen können, diese schweigende Mehrheit zu repräsentieren,
Frank Sondershaus, Referent Akzeptanz und Beteiligung bei der Fachagentur Windenergie an Land e.V.

Wo liegt also das Problem mit der Akzeptanz?

Frühzeitige und transparente Informationen sind das A und O, hier im Projekt Gyhum-Hesedorf (Niedersachsen)

Gibt es also gar kein Problem mit der Akzeptanz von Windenergieanlagen? Der entscheidende Punkt sei, so Sondershaus, dass sich die gesellschaftliche Akzeptanz der Windenergie nicht unmittelbar auf die politische Akzeptanz niederschlage. „Politische Akzeptanz ist stark beeinflusst von der Wahrnehmung.“ Und laute Proteste seien von Politikern nun einmal leichter wahrzunehmen als stille Zustimmung.

Was also tun? „Mindestabstände lösen das Problem nicht“, sagt Sondershaus. Entscheidend seien stattdessen Kommunikation, Transparenz, Verfahrensgerechtigkeit und Verteilungsgerechtigkeit, um Akzeptanz und Unterstützung für ein Windparkprojekt zu gewinnen. „Regionale Wertschöpfung spielt eine zentrale Rolle, um aus der schweigenden Mehrheit Unterstützer für ein Windenergieprojekt zu machen.“