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Windenergie an Land: Nur 325 neue Windräder errichtet

So wenig neue Windräder waren es seit der Einführung des EEG im Jahr 2000 nicht. Das Erreichen der Klimaziele bleibt damit fraglich.

Viele haben es prophezeit, nun ist es eingetreten: Der Windenergieausbau 2019 ist brutal eingebrochen. Nach einer aktuellen Auswertung der Deutschen Windguard sind in Deutschland im vorigen Jahr an Land 325 Windenergieanlagen mit einer Leistung von 1.078 Megawatt (MW) neu in Betrieb gegangen.

Zieht man davon die 82 zurückgebauten Windmühlen (97 MW) ab, ergibt sich ein Netto-Zubau von lediglich 243 WEA mit 981 MW. Verglichen mit 2018 sank der Zubau um 55 Prozent, im Vergleich zu 2017 sogar um 80 Prozent. Damit fiel die Zubaurate auf den niedrigsten Wert seit Einführung des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes im Jahr 2000.

Wir brauchen eine konsequente Kurskorrektur.
Lothar Schulze, Leiter Politik bei Windwärts
Lothar Schulze, Leiter Politik bei Windwärts
„Der massive Einbruch beim Ausbau der Windenergie an Land kommt nicht überraschend“, sagt Lothar Schulze. „Vor allem die Bundesregierung hat jedoch alle Warnungen ignoriert und die aktuelle Situation durch falsche Weichenstellungen und Nichthandeln herbeigeführt“, kritisiert er. „Fehlende Flächenvorgaben, verzögerte Flächenausweisungen und Moratorien, missbräuchlich genutzter und übertriebener Artenschutz, Tatenlosigkeit bei der Lösung des Konflikts mit der Flugsicherung, Überlastung der Genehmigungsbehörden und der Gerichte, Netzausbaugebiet, etc. etc. ‒ die Liste der Probleme ist noch viel länger.“
Dabei müsste eigentlich schnell gehandelt werden: Laut Bundesverband Windenergie ist eine Zubaumenge von 5.000 MW pro Jahr nötig, um das Ziel, 2030 mindestens 65 Prozent unseres Stroms aus erneuerbaren Quellen zu beziehen, zu erreichen. „Doch statt ein einziges Problem zu lösen droht der Windenergie mit der geplanten pauschalen Abstandsregelung eine Halbierung des Flächenpotenzials“, so Schulze. „Ohne eine ehrliche und konsequente Kurskorrektur müssen wir auf absehbare Zeit mit einem viel zu niedrigen Installationsvolumen rechnen.“

Eine Trendwende ist daher nicht in Sicht

Denn auch mit Genehmigungen hapert es. Laut Fachagentur Windenergie an Land reichen die genehmigten Projekte derzeit noch nicht einmal aus, um die vierteljährlichen Ausschreibungen bedienen zu können. Lediglich im Dezember 2019 war die Auktion leicht überzeichnet. Ein nachhaltiger Aufwärtstrend sei nicht absehbar. Die Branchenverbände erwarten daher für das Jahr 2020 lediglich einen Zubau von 1.400 bis 1.800 MW ‒ und damit deutlich zu wenig, um die Klimaschutzziele zu erreichen.