Geschichten

Windstrom aus dem Wald – so geht Klimaschutz

Seit Ende Mai 2020 ist unser Projekt Siegfriedeiche am nördlichen Rand des Taunus in Betrieb. Ein Windpark im Wald – was bedeutet das konkret? Unser Fotograf Mark Mühlhaus hat sich das vor Ort angesehen.

Weit über den Baumwipfeln sind die sechs Windenergieanlagen vom Typ GE 2.75-120 zu sehen. Der Vorteil eines Waldstandortes besteht vor allem in der dezentralen Lage. Bei der Planung wurden diverse Mindestabstände berücksichtigt: zu Ortschaften von 1.000 Metern, zu Einzelhäusern von 600 Metern – der tatsächliche Mindestabstand beträgt sogar 900 Meter – sowie zu Verkehrswegen von 150 Metern und Schutzgebieten von 200 Metern, etwa zum FFH-Gebiet „An den Fußwiesen“. Mit einer Gesamthöhe von 199 Metern drehen die Rotoren hoch über den Wipfeln des Taunus. Aufgrund der Höhenverhältnisse zwischen Bäumen und Windenergieanlagen wird auch gern von Wind über Wald gesprochen.

Im Wald selbst sind die Dimensionen schwer zu erfassen. Die Türme ragen zwischen den Bäumen in den Himmel. Beim Bau eines Windparks müssen Wege ausgebaut, Kabeltrassen gelegt und Kranstellflächen eingerichtet werden. Bei einem Projekt im Wald hat das immer auch Rodungen zur Folge. Diese müssen durch geeignete Maßnahmen ausgeglichen werden.

Im Projekt Siegfriedeiche wurde für jeden Hektar gerodeter Bäume ein neuer Hektar bepflanzt. Weitere Ausgleichsmaßnahmen sind das Anbringen von Nist- und Fledermauskästen, die Schaffung von Versteckmöglichkeiten für Wildkatzen, Nisthilfen für Haselmäuse und die Aufwertung von Lebensräumen in Altholzbeständen durch Verzicht auf Nutzung. Im Vorfeld der Genehmigung wurden die durch die Anlagen potenziell gefährdeten Tierarten und deren Bewegungsverhalten genau kartiert. So sind nun genaue Abschaltzeiten festgelegt, z.B. während die Fledermäuse in der Nähe der Anlagen auf der Jagd sind.

Der Wald als Energielieferant. Früher Brennholz – heute klimafreundlicher Strom. Für uns eine runde Sache!