Geschichten

Windwärts-Radmarathon 2019: Kälber, Eichenspinner und ein beleidigter Esel

Es gilt, an einem Tag eine möglichst lange Strecke „windwärts“, also mit dem Wind im Rücken, zurückzulegen. Je nach Windrichtung geht es vom Startpunkt Hannover zum Beispiel nach Rostock, Leipzig, Fulda oder Norddeich.

Kälber, Eichenspinner und ein beleidigter Esel: Das Protokoll des Windwärts-Radmarathons 2019 

Wie jedes Jahr im Juni zogen auch in diesem Jahr die Windwärts-Radler los. Es galt, eine möglichst lange Strecke an einem Tag mit Rückenwind zurückzulegen. 

Mit dem Wind im Rücken ist der Windwärts-Radmarathon 2019 wieder für einen guten Zweck unterwegs, dieses Mal zu einem neuen Ziel. Denn wegen der ungewöhnlichen Windrichtung Nordost setzt sich das Peleton aus elf Radlern am 23. Juni in aller Herrgottsfrühe Richtung Wesel am Rhein in Bewegung. 260 Kilometer liegen vor den Fahrern. Und wie heißt dort noch mal der Bürgermeister?

Ein Protokoll von Bernd Blauert-Segna

03:00 Uhr: Fabian startet von Burgdorf aus zum Startpunkt, er möchte auf 300 km kommen.

04:20 Uhr: Schon vor dem allgemeinen Start der erste Platten. Bernd beruhigt, die Pannenstatistik sei damit bereits erfüllt.

04:40 Uhr: Start in Empelde am Stadtrand von Hannover

05:00 Uhr: Gänsehaut! Im Bodennebel über den Feldern sinkt die Temperatur auf unter 9 Grad. Halina schlottert und wünscht sich heißen Kakao.

06:00 Uhr: In den Bückebergen fließt der erste Schweiß.

Kleine Stärkung: Brunch in Warendorf

06:50 Uhr: Vollsperrung des Weser-Radwegs an der Porta Westfalica! Zwei Kälber sind ausgebüxt, und der cholerische Bauer ist völlig fertig. Die Polizei hat den Weg blockiert, aber nicht die richtigen Fußfesseln dabei. Hobby-Imker Rudolf spricht mit den Kälbern und bringt sie einzeln zurück ins Gehege. Der Weser-Radweg wird wieder freigegeben.

07:30 Uhr: Frühstück bei Bäcker Hensel in Bad Oeynhausen.

10:00 Uhr: Der Teutoburger Wald wird bei Borgholzhausen überquert.

11:00 Uhr: Brunch in Warendorf, nur noch 120 km bis an den Rhein!

Zielfoto mit Bürgermeisterin von Wesel: Frau Birgit Nuyken

11:45 Uhr: Fußgänger auf dem Radweg in Münster-Hiltrup erzwingen eine plötzliche Vollbremsung. Andreas stürzt, kommt aber ohne Blessuren wieder auf die Beine.

14:00 Uhr: Kaffeepause in Dülmen, nur noch 56 km!!!

16:45 Uhr: Ankunft in Wesel mit 15 Minuten Verspätung. Große Überraschung: Der Bürgermeister von Wesel ist eine Frau! Birgit Nuyken begrüßt die Windwärts-Radler*innen am Berliner Tor und verteilt Souvernirs.

Unser „Chor“ am Rheinufer – mit Rad und ohne Gitarre

17:00 Uhr: Gruppenfoto am Rheinufer. Bernd hat den Liederzettel vergessen, der Rhein bleibt heute unbesungen (ist vielleicht auch besser so).

17:15 Uhr: Eis essen in der Fußgängerzone.

18:11 Uhr: Rückfahrt mit der Bahn über Duisburg und Bad Oeynhausen nach Hannover. Die 25-minütige Verspätung in Duisburg übersteigt zum Glück nicht die Umsteigezeit in Bad Oeynhausen, sodass Hannover pünktlich um 22:50 Uhr erreicht wird. Fabian muss noch 3 km nachholen.

24:00 Uhr: Alle Radler*innen sind wieder zu Hause und träumen bereits von neuen Zielen.

Die Eckdaten:

  • 260 km Strecke
  • 900 Höhenmeter Anstieg
  • 27 km/h Fahrtschnitt
Fazit: Wesel ist eine Reise wert!
Eichenprozessionsspinner (Foto: pixelio.de | Albrecht E. Arnold)

Nachtrag 1: Unangenehme Folgen
Acht Team-Mitglieder hatten bei einer ambulanten Pause im Grünen bei Dülmen offenbar unliebsamen Kontakt mit Eichenprozessionsspinnern und klagen seitdem über Juckreiz und Ausschlag. Manche sehen nach eigenen Angaben so aus, als wären sie unbekleidet durch ein Brennnesselfeld gefahren. Schwerwiegende Komplikationen sind aber nicht aufgetreten.

Markus Großmann hat bei der Bildmontage ganze Arbeit geleistet

Nachtrag 2: Ein schwieriger Esel
Leider hat der Besuch ein heikles Echo ausgelöst: Der Bronze-Esel vor dem Berliner Tor beklagt sich bitter über seine Nichtberücksichtigung auf dem Zielfoto. Als langjähriger Bürgermeister und Schlüsselfigur des Weseler Stadtmarketings sei er noch nicht einmal angemessen ignoriert worden. Kleiner Trost: Auf einer neueren Version des Zielfotos konnte er nachträglich ins Bild geschoben werden. Leider ist der Esel noch immer nicht zufrieden: Nun beklagt er sich, zur „Randfigur“ degradiert worden zu sein.

Nachtrag 3: Nächster Windwärts-Radmarathon: 20.6.2020 – ein schönes Datum!

Windwärts spendet 520 Euro für die „Radstationen“, ein Beschäftigungsprojekt der „STEP gGmbH Hannover“

Insgesamt war auch dieser Radmarathon wieder eine gelungene Aktion. Namensgeber und Sponsor Windwärts spendet zwei Euro für jeden gefahrenen Kilometer und damit 520 Euro für die Radstationen, ein Beschäftigungsprojekt der STEP gGmbH Hannover für Langzeitarbeitslose. Zudem sicherte sich das Team „Windwärts!“ in Hannover souverän den Stadtradel-Spitzenplatz in der Kategorie „geradelte Kilometer pro Teilnehmer“. Schon jetzt freuen sich alle auf den nächsten Windwärts-Radmarathon, der am 20. Juni 2020 stattfinden wird. Das Fahrtziel? Das kennt ganz allein der Wind.