Geschichten

Pannen, Hitze und Corona: Der 10. Windwärts-Radmarathon führt mit Rekord-Beteiligung nach Travemünde

2020 ist alles ein bisschen anders – das gilt auch für den Windwärts Radmarathon. Nur eines ist wie immer: Es gilt, an einem Tag eine möglichst lange Strecke mit dem Wind im Rücken zurückzulegen.

Radeln für einen guten Zweck und das Ziel der Windrichtung überlassen, so lautet das Motto des Windwärts Radmarathon. Im Jubiläumsjahr 2020 schien sich der für das Fahrtziel maßgebliche Wind allerdings nicht so recht entscheiden zu können. Die Prognose wechselte munter von W bis SO. Nur eins war sicher: Es würde drückend heiß werden – mit starker Gewitterneigung am Nachmittag. Als sich dann die Vorhersage auf Süd einpendelte, wurde das eigentliche Fahrtziel Kiel vorsichtshalber durch das „nur“ 230 km entfernte Ostseebad Travemünde ersetzt.

Corona: Das Rekord-Peloton wird in zwei Gruppen geteilt

Tatsächlich war Travemünde 2001 das Ziel des ersten Radmarathons gewesen. Damals hatten eine Radlerin und vier Radler auf Trekking-Rädern die Ostsee angesteuert und nach drei Pannen gerade noch den letzten Zug in Richtung Heimat erreicht. In diesem Jahr haben sich rekordträchtige 20 Personen (darunter sieben Frauen) angemeldet. Aufgrund der Corona-Bestimmungen wird das Team in zwei 10er-Gruppen aufgeteilt, die möglichst in Sichtweite hintereinanderfahren sollen. Natürlich kommt es anders.

4:15 Uhr: Panne 1 noch vor dem Start

Bereits vor dem allgemeinen Start schlägt der Pannenteufel zu. Um 4:15 Uhr wechselt Andreas am Steuerndieb in Rekordzeit einen defekten Schlauch und erreicht mit nur 5-minütiger Verspätung den Startpunkt in Lahe. Zu diesem Zeitpunkt hat Bernd die Gruppen schon eingeteilt und das erste Team unter Leitung von Detlef auf den Weg geschickt.

9:00 Uhr: Die Hitze fordert ersten Tribut

Drei Stunden später treffen beide Gruppen noch einmal kurz bei der Heidebäckerei Kruse in Wietzendorf zusammen. Eigentlich sollte es eine gemeinsame Frühstückrunde geben. Die erste Gruppe hat ihre Pause jedoch bereits beendet und setzt sich wieder mit bemerkenswerter Geschwindigkeit in Bewegung. In der zweiten Gruppe fordert das schwül-heiße Wetter um 9:00 Uhr ein erstes Opfer: Christine klagt über Kreislaufprobleme, kann das Tempo nicht halten und bleibt schließlich kurz vor Winsen/Luhe mit ihrer Schwester zurück.

Foto: Staro1 (CC BY-SA 3.0)

Elbfähre knapp verpasst, aber Zeit zur Behebung von Panne 2

Die schon etwas gedrückte Stimmung sinkt weiter, als der bereits 30 Minuten verspäteten Gruppe auch noch die Elbfähre bei Hoopte vor der Nase wegfährt. Immerhin kann Andreas die Wartezeit in der prallen Sonne zur Behebung der zweiten Panne nutzen. Als schließlich der Rastplatz in Zollenspieker erreicht wird, ist die erste Gruppe nach einem Fahrtschnitt von 29 km/h schon weitergefahren.

Panne 3: Die elektronische Schaltung macht schlapp

In den Hügeln des Sachsenwaldes fällt Sabrinas elektronische Schaltung aus. Angeblich soll es in der Nähe einen fachkundigen Fahrradhändler geben. Aufgrund der näher rückenden Gewitter entscheidet sich Bernd jedoch für die direkte Weiterfahrt, so dass Sabrina und ihr Freund Uwe zurückbleiben und nach erfolgloser Reparatur nach Hamburg abbiegen.

Gruppe 1 um 15:00 Uhr an der Ostsee

Wegen Überfüllung: Nur kurzes Erfrischen für Gruppe 1

Als die erste Gruppe um 15:00 Uhr den Strand von Travemünde erreicht und die Badesachen auspackt, ist die zweite Gruppe erst am Stadtrand von Lübeck. Aufgrund der extrem hohen Zahl von Strandgästen entscheidet sich Detlef für die Rückfahrt mit dem nächstmöglichen Zug. Mit Bedauern werden die Badesachen nach einer kurzen Erfrischung wieder eingepackt und der sich bedenklich füllende Zug nach Hamburg gerade noch erreicht.

Da waren’s nur noch Sieben: Gruppe 2 erreicht Travemünde

Die auf sieben Personen dezimierte zweite Gruppe erreicht um 16:00 Uhr den Ostseestrand und findet immerhin noch Zeit für das obligatorische Zielfoto. Nach herzzerreißenden Szenen am einzigen Fahrkartenautomaten sind die Radler eine halbe Stunde später im vollbesetzten Zug nach Lübeck. Für beide Gruppen wäre in diesem Zug kein Platz gewesen.

Zielfoto nach 230 Hitze-Kilometern: Die verbliebenen sieben Radler der Gruppe 2 in Travemünde.

20:00 Uhr: Radeln macht schon wieder Spaß

Um 20:00 Uhr haben sich Andreas und Bernd wieder so weit regeneriert, dass sie sich in Langenhagen entschieden, in der angenehm abgekühlten Abendstimmung noch bis nach Hause zu radeln.

Die Eckdaten:

  • Stecke: 230 km
  • Anstieg: 730 Höhenmeter
  • Fahrtschnitt: 27 km/h Gruppe 1 |  26 km/h Gruppe 2
Fazit: Für dieses Ziel gab’s gute Gründe, d’rum fuhren wir nach Travemünde!

Windwärts spendet 460 Euro an „Fridays for Future Hannover“

Trotz Hitze und Pannen war auch dieser Radmarathon eine tolle Aktion. Namensgeber und Sponsor Windwärts spendet zwei Euro für jeden gefahrenen Kilometer und damit 460 Euro an Fridays for Future, die Klimaschutz-Initiative in Hannover.

Zudem sicherte sich das Team „Windwärts!“ in Hannover souverän den Stadtradel-Spitzenplatz in der Kategorie „geradelte Kilometer pro Teilnehmer“.

Schon jetzt freuen sich alle auf den nächsten Windwärts Radmarathon, der am 26. Juni 2021 stattfinden wird.


„Das Fahrtziel, mein Kind, kennt ganz allein der Wind.“

(frei nach Bob Dylan)

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