Wer zieht in Zukunft den Schlitten des Weihnachtsmanns?

15. Dezember 2015 - 14:54 Uhr
von Dr. Stefan Dietrich
zu  Verantwortung & Engagement

Wir kennen alle das Bild: Ein wohlgenährter älterer Herr mit Rauschebart, rotem Mantel und Zipfelmütze sitzt in einem großen, mit Geschenken beladenen Schlitten, der von Rentieren über den Himmel gezogen wird. So kommen angeblich an Weihnachten die Geschenke zu den Kindern dieser Welt. Allerdings mehren sich die beunruhigenden Zeichen, dass es damit in nicht allzu ferner Zeit vorbei sein könnte. Denn der menschengemachte Klimawandel setzt auch den Rentieren zu.

Wie die Rentiere vor den Schlitten kamen

Nun mag manch einer sagen, na und, das ist doch eh bloß neumodischer amerikanischer Kram, bei uns kommt der Weihnachtsmann ohne Rentiere, oder das Christkind schaut am Heiligabend vorbei und lässt die Geschenke da. Aber auch solche Nörgler kommen nicht daran vorbei, dass sich das Bild des Schlittens, sicherlich mit Hilfe Hollywoods, auch bei uns verbreitet hat und die Rentiere für viele Kinder wichtig sind. Und Öffnet den Link in einem neuen Fensterdas Lied von Rudolph, dem Rentier mit der roten Nase, läuft zur Weihnachtszeit auch bei uns im Radio rauf und runter.

Warum es ausgerechnet Rentiere sind, die den Schlitten durch die Lüfte ziehen, ist nicht ganz klar. Erstmals vor den Schlitten gespannt hat die Tiere aus der Familie der Hirsche der New Yorker Theologe und Orientalist Clement Clarke Moore Öffnet den Link in einem neuen Fensterin seinem Gedicht „Ein Besuch von St. Nikolaus“ aus dem Jahr 1823. Warum er diese Tiere ausgesucht hat, ist nicht überliefert, aber er hätte sicherlich eine schlechtere Wahl treffen können. Rener (das ist der zoologisch korrekte Plural) bringen ein paar sehr gute Voraussetzungen dafür mit, den Weihnachtsmann bei seiner ebenso schönen wie anstrengenden Aufgabe zu unterstützen. Sie sind ausdauernde Läufer (und vermutlich auch Flieger), sie können die Klauen ihrer Hufe weit spreizen, was sicheres Landen unabhängig vom Untergrund erlaubt, und sie sind unempfindlich gegen Kälte, was bislang angesichts der Temperaturen in ihren Heimatregionen recht praktisch war.

Überleben Rudolph und die anderen den Klimawandel?

Allerdings bringt ihnen die Anpassung an die Eiseskälte ihrer arktischen Heimat immer weniger, denn es wird wärmer um den Polarkreis. Das macht den Tieren zu schaffen, wie mehrere Studien in den vergangenen Jahren belegt haben. So Öffnet den Link in einem neuen Fensterstellten norwegische Forscher in einer Langzeitstudie fest, dass die Rentiere auf Spitzbergen weniger Futter finden, da aufgrund der wärmeren Temperaturen im Winter zunehmend Regen statt Schnee fällt. Dieser dringt in den Boden ein, gefriert dort zu Bodeneis und bedeckt die Futterpflanzen. Das wird zunehmend zur Bedrohung für die Rentiere, da sie im Winter nicht genügend Futter finden. Öffnet den Link in einem neuen FensterBesonders übel: Trächtige Weibchen können durch diesen Nahrungsmangel ihren Nachwuchs verlieren.

Rentiere Vom Klimawandel bedroht: Rentiere in Norwegen, Foto: CC BY-ND 2.0/d.aniela/flickr

Nicht viel besser ergeht es den Verwandten in Grönland, wie Forscher der Penn State University aus den USA Öffnet den Link in einem neuen Fensterherausgefunden haben. Dort blühen die Futterpflanzen der Tiere immer früher. Zum Problem wird das dadurch, dass die Pflanzen bereits am Verblühen sind, wenn die Rentierherden im Frühjahr in die Tundra-Gebiete wandern. Dann bieten die Pflanzen aber weniger Nährstoffe, was wiederum zum Rückgang der Rentier-Population führt.

Für die nordamerikanischen Rentiere, die Karibus, kann der Klimawandel sogar das Aussterben bedeuten. Eine internationale Gruppe von Wissenschaftlern kommt in einer neueren Studie zu dem Ergebnis, dass in 60 Jahren der Bestand der Karibus in Nordamerika Öffnet den Link in einem neuen Fensterum 89 Prozent zurückgehen wird, da die Tiere durch den Klimawandel ihre Lebensräume verlieren.

Als wäre das alles nicht bereits schlimm genug, werden die Rentiere dann auch noch von einer Öffnet den Link in einem neuen FensterMückenplage getroffen, die dramatische Ausmaße annimmt. Wer schon einmal im Sommer im hohen Norden Skandinaviens oder Kanadas unterwegs war, kennt das Problem der kleinen Blutsauger, die unheimlich lästig sein können. Ausgerechnet die arktische Stechmücke gehört nun aber zu den Gewinnern des Klimawandels. Die Mücken schlüpfen früher und überleben häufiger die Larvenzeit, da ihr bedeutendster Fressfeind, ein Wasserkäfer, sich dem früheren Tauwetter nicht angepasst hat. Tauchen die Käfer an den Schmelzwassertümpeln auf, in denen die Mücken ihre Eier gelegt haben, ist die Larvenzeit von deutlich mehr Stechmücken bereits beendet. Forscher des Dartmouth College aus New Hampshire haben in Grönland nachgewiesen, dass ein Anstieg der Wassertemperatur um zwei Grad dazu führt, dass mehr als 50 Prozent mehr Mücken ihr Larvenstadium überstehen. Das heißt, dass die Mückensaison nicht nur früher beginnt, sondern auch immer heftiger ausfällt. Das sind weitere schlechte Nachrichten für die Rentiere, deren Blut als Hauptnahrungsquelle der Mücken herhalten muss. Denn die Mücken gehen nun gerade dann auf die Jagd, wenn die Kälber geboren sind. Die Kälber und ihre geschwächten Mütter leiden unter den Mücken, und die Herden können zu diesem Zeitpunkt nicht einfach weiterziehen. Das erinnert stark an die Öffnet den Link in einem neuen Fenster„Geister-Elche“, die von Unmengen von Zecken ausgesaugt werden. Es ist fast unnötig zu erwähnen, dass auch unser aller Lieblingstier, die Zecke, vom Klimawandel profitiert.

Besteht Hoffnung für die Rentiere?

All diese negativen Folgen des Klimawandels beschäftigen natürlich auch die Menschen, deren Existenz und Lebensweise eng mit den Rentieren verbunden ist. In Europa sind das vor allem die Samen, die im Norden Skandinaviens leben und seit fast 4.000 Jahren Rentierherden halten. Viele Samen sehen durch den Klimawandel nicht nur ihre Lebensgrundlage bedroht, Öffnet den Link in einem neuen Fenstersondern auch ihre gesamte Kultur. Denn die Tiere zu füttern, und damit von Hirten faktisch zu Züchtern zu werden, widerstrebt ihnen und hätte sicherlich auch wirtschaftliche Folgen.

Same mit Rentier Eng verbunden: Die Samen und ihre Rentiere, Foto: CC BY-SA 2.0/Harvey Barrison/flickr

Daher ist es kein Wunder, Öffnet den Link in einem neuen Fensterdass sich auch Vertreter der Samen auf den Weg zur UN-Klimakonferenz COP21 gemacht haben, die Anfang Dezember in Paris stattfand. Sie versuchten dort, auf ihre Situation aufmerksam zu machen und forderten ein entschlossenes Handeln gegen die globale Erwärmung, die ihren Rentieren und ihnen so zusetzt. Glaubt man den Jubelmeldungen der Regierungen zum Pariser Klimaabkommen, dann scheinen die Samen erhört worden zu sein. Auch wenn der Vertrag viel Neues bietet und für diese Art der Klima-Diplomatie in der Tat einen großen Fortschritt darstellt, zeigt ein genauerÖffnet den Link in einem neuen Fenster Blick auf das Vertragswerk, dass auch hier erst die tatsächliche Umsetzung zeigen wird, was der Vertrag wirklich wert ist. Bereits jetzt Öffnet den Link in einem neuen Fensterbezweifeln Experten, dass das Pariser Klimaabkommen geeignet sei, die von der Staatengemeinschaft proklamierten Ziele zu erreichen. Wenn man bedenkt, wie komplett die Regierungen dieser Welt bislang dabei versagt haben, das Ziel zu erreichen, die Erderwärmung auf 2 Grad zu beschränken, muss sich in der Tat die Frage stellen, wie sie nun sogar 1,5 Grad erreichen wollen. Für die Rentiere und die Samen dürfte das alles zu wenig sein. Vielleicht hilft ihnen ja der Weihnachtsmann. Böse Zungen behaupten ja sowieso, dass an diesen auch glaubt, wer von den Regierungen dieser Welt ein entschiedenes Handeln in Sachen Klimaschutz erwartet.

Muss also in Zukunft jemand anderes den Schlitten ziehen, damit die Geschenke verteilt werden können? Ich hoffe nicht. Aber wir müssen schon etwas tun für die Rentiere und nicht nur auf die Politik oder auf andere schauen. Wir von Windwärts zum Beispiel bauen weiter Windparks, das ist aktiver Klimaschutz. Und wir tun es auch für Rudolph mit der roten Nase und seine Verwandten.


Autor Dr. Stefan Dietrich

Dr. Stefan Dietrich

Als Windwärts Pressesprecher bin ich dafür zuständig, dass die Medien und Menschen vor Ort immer gut über unsere Projekte informiert sind. Das heißt, ich informiere die Lokalpresse über Genehmigungen, Baufortschritte, Inbetriebnahmen u.ä. und empfange Besichtigungsgruppen in unseren Wind- und Solarparks. Darüber hinaus habe ich die aktuellen Entwicklungen der Branche im Blick (den Dr. habe ich schließlich in Politikwissenschaft gemacht).

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