Was kommt nach dem EEG?

06. November 2018 - 11:59 Uhr
von Katharina Wolf
zu  Windwärts – Einblicke ins Unternehmen

Wer 20 Jahre alt wird, gilt als erwachsen. Bei Windenergieanlagen dagegen bedeutet dieser Geburtstag etwas anderes: das Ende der EEG-Vergütung. Betreiber von Windparks erhalten dann nicht mehr den zur Inbetriebnahme festgelegten Preis pro Kilowattstunde, sondern müssen ihren Strom zu Marktpreisen verkaufen – der erheblich darunter liegt.

Ende 2020 fallen tausende Windenergieanlagen aus der EEG-Vergütung. Es sind deshalb besonders viele, weil das EEG beim Inkrafttreten im Jahr 2000 auch allen Windenergieanlagen, die bereits errichtet waren, 20 weitere Jahre die Vergütung zusicherte. 6.000 Windenergieanlagen und damit 4,5 Gigawatt könnten allein zum 31. Dezember 2020 betroffen sein, haben die Experten der Deutschen Windguard berechnet. Bis 2026 könnten weitere 2,5 Gigawatt folgen. Gleichzeitig hat aber die Bundesregierung mit den künftig auszuschreibenden Mengen auf die Bremse getreten: An Land werden dann nur 2,9 Gigawatt jährlich neu ausgeschrieben – die versprochenen Sonderausschreibungen unberücksichtigt.

Betreiber, deren Anlagen vor dieser Grenze stehen, müssen sich jetzt Gedanken machen. Drei Möglichkeiten gibt es: Repowering, Weiterbetrieb oder Rückbau.

Repowering

Für Betreiber ist Repowering die schönste Lösung. Die alten Anlagen werden abgebaut und neue, leistungsfähigere Turbinen errichtet, die erheblich mehr Strom erzeugen können. Produzierte eine Windenergieanlage Mitte der 90er Jahre jährlich knapp eine Million Kilowattstunden – abhängig vom Standort – schaffen die neuen Riesen mit drei bis vier Megawatt Leistung locker das Acht- bis Zehnfache. Auch mit Blick auf die Landschaft kann Repowering ein echter Gewinn sein: Viele kleine schnelldrehende Anlagen verschwinden zugunsten weniger großer.

Doch nicht immer ist das möglich. Gerade die Standorte der alten Anlagen liegen nach heutiger Genehmigungspraxis zu dicht an Wohnhäusern. Wenn hinter dem Windpark eine Fondsgemeinschaft steht, ist nicht unbedingt jeder Kommanditist bereit, sein Geld erneut für einen langen Zeitraum anzulegen.

Weiterbetrieb?

Wenn Repowering nicht möglich ist, stellt sich die Frage nach dem Weiterbetrieb. Grundsätzlich sind Windenergieanlagen auf 20 Jahre ausgelegt. Das heißt allerdings nicht, dass sie dann auch wirklich nicht weiterlaufen können. Erforderlich sind allerdings Gutachten über Standsicherheit und eine umfangreiche Prüfung. Unabhängige Sachverständige überprüfen die Anlagen, außerdem muss die Auslegung neu berechnet werden. In 20 Jahren Betriebszeit kommt es an schwingenden Bauwerken, zu denen Windenergieanlagen gehören, zu Materialermüdung.

Doch neben der Sicherheit sind noch weitere Fragen wichtig: Müssen Komponenten bald ersetzt werden? Können alle Pachtverträge verlängert werden? Wie sieht mit Versicherungen und Serviceverträgen aus? Und letztlich steht über dem erfolgreichen Weiterbetrieb die Frage: Rechnet sich das?

Börse oder PPA?

Experten gehen davon aus, dass die Mehrzahl der alten Anlagen einen Strompreis von mindestens vier Cent pro Kilowattstunde für einen wirtschaftlichen Weiterbetrieb braucht. Ob der Börsenpreis ab 2020 so hoch sein wird, weiß heute noch niemand. Selbst wenn der Strompreis derzeit anzusteigen scheint, muss berücksichtigt werden, dass die Wertigkeit des Windstrom unterhalb des durchschnittlichen Strompreises liegt – Windenergieanlagen produzieren meist alle auf einmal und das drückt den Preis.

Ein Lösung könnten PPAs sein. Die Abkürzung steht für Power Purchase Agreement und heißt nichts anderes als Stromkaufvertrag. Die ersten Windparks, darunter die berühmte Smarties Mühle, die zur Expo 2000 in Hannover errichtet wurde, haben bereits solche Verträge mit einem Direktvermarkter für die Zeit nach 2020 abgeschlossen. Zwischen Direktvermarkter und Betreiber des Windparks wird in solchen Verträgen ebenfalls ein fixer Strompreis pro Kilowattstunde für eine bestimmte Zeit festgelegt.

Rückbau?

Manchmal hilft nichts – die Windturbine muss abgebaut werden, weil sich der Betrieb einfach nicht rechnet. Auch dann ist es wichtig, einen professionellen Partner an der Seite zu haben, der sich um die technische und kaufmännische Abwicklung ebenso kümmert wie um den Rückbau und die Verwertung. Möglicherweise kann die Anlage noch gebraucht verkauft werden. Falls nein, stehen Entsorgung und Recycling auf der To-do-Liste.

„Welche Option die beste für den jeweiligen Standort ist, prüfen wir gemeinsam mit dem Anlagenbetreiber“, sagt Windwärts-Geschäftsführer Björn Wenzlaff. „In unserer Unternehmensgruppe aus den Projektentwicklern und Betriebsführern juwi und Windwärts sowie dem Direktvermarkter MVV bieten wir für jeden Bestandspark das passende Konzept.“


Autorin Katharina Wolf

Katharina Wolf

Als freie Journalistin schreibe ich über alle Aspekte der Windenergie – von A wie Ausschreibung bis Z wie Zertifizierung. Mit Windwärts verbindet mich eine besondere Geschichte: In meinem ersten längeren Artikel für die Fachzeitschrift Erneuerbare Energien (die damals 1995 noch Windenergie Aktuell hieß) ging es unter anderem um das Windwärts-Projekt Kunst und Windenergie bei der Expo 2000. Deshalb freue ich mich, wenn ich mit den unterschiedlichsten Themen aus der Branche jetzt zum Blog beitragen kann. Mehr und neuere Text von mir finden sich Öffnet den Link in einem neuen Fensterauf meiner Homepage.


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