Spähen und Filtern – Das Scouting bei Windwärts

19. Dezember 2014 - 10:00 Uhr
von Dr. Stefan Dietrich
zu  Windwärts – Einblicke ins Unternehmen

Die Entwicklung von Windenergieprojekten ist ein aufwändiger und komplexer Prozess, der in mehreren Phasen abläuft und meist einige Jahre dauert. Um den Leserinnen und Lesern des Blog zu zeigen, was alles dahintersteckt und welche Aufgaben zu meistern sind, bis und wenn ein Windpark sauberen Strom erzeugt, beginnen wir heute mit einer kleinen Serie. Wir stellen Kolleginnen und Kollegen vor und sprechen mit ihnen über ihren spezifischen Aufgabenbereich. So möchten wir Schritt für Schritt erläutern wie ein Windpark entsteht.

Wie es sich gehört, beginnen wir am Anfang. In unserem Fall ist das die Flächensuche, das so genannte Scouting. Bei Windwärts ist ein kleines Team damit beschäftigt, Flächen zu identifizieren, auf denen Windparks entstehen können. In diesem Bereich arbeitet Tanja Kemski, mit der ich mich unterhalten habe.

Tanja, wie bist du zur Windenergie und zu Windwärts gekommen?

Ich habe Landschafts- und Freiraumplanung in Hannover studiert und dann in einem Planungsbüro für Landschafts- und Stadtplanung in der Nähe von Oldenburg gearbeitet. Dort habe ich bereits viele Standortpotenzialanalysen für Windenenergie erstellt. Es gab auch noch andere Berührungspunkte mit der Windenergie durch Regionalplanung, Bauleitplanung und ähnliches. Außerdem haben wir im Planungsbüro auch andere Aufgaben erledigt, die in meiner jetzigen Position hilfreich sind, zum Beispiel haben wir ornithologische Gutachten ausgewertet und bearbeitet. Darüber bin ich dann auch auf Windwärts als Unternehmen gestoßen. Im August 2011 bin ich zu Windwärts gewechselt, zuerst in den Bereich Akquise. Die Stelle war damals aber auch ausgeschrieben für Scouting und Projektentwicklung, das war zu der Zeit noch nicht so klar aufgeteilt. Meine Tätigkeit hat sich dann fließend in Richtung Scouting verschoben, und seit etwa zwei Jahren mache ich das ausschließlich.

 

Ich habe etwas recherchiert zum Thema Scouting. Laut Wikipedia sind Scouts Späher. Was späht ihr denn so aus, und seid ihr getarnt unterwegs?

Ganz getarnt sind wir nicht, wir fahren aber auch nicht mit Autos durch die Gegend, auf denen Windwärts steht. Aber wenn wir angesprochen werden, sagen wir schon, wer wir sind. Denn wir „spähen“ ja aus, ob eine zuvor auf dem Papier identifizierte  Fläche für den Betrieb eines Windparks geeignet sein könnte. Dabei gehen wir das gesamte Spektrum an Themen durch und prüfen die Kriterien ab, ob eine Fläche überhaupt in Frage kommt

Wenn du sagst, ihr prüft die Eignung von Flächen, wie kann man sich das vorstellen? Wie geht ihr da vor?

Ein wichtiges Thema ist das Planungsrecht, also Regionale Raumordnungsprogramme, Raumentwicklungsprogramme und anderes, was einsehbar ist. Selbstverständlich schauen wir uns die Windverhältnisse in der Region an und prüfen alle gängigen Kriterien ab. Da geht es zum Beispiel um den Abstand zu Wohnbebauung, sowohl zu geschlossenen Ortschaften als auch zu Einzelhäusern, oder um naturschutzfachliche Themen. Es gibt ja offizielle und erhältliche Karten, auf denen FFH-Gebiete zu sehen sind, die ja immer ein striktes Ausschlusskriterium darstellen (Anm.: Dabei handelt es sich um Gebiete, die gemäß der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie der EU unter Naturschutz gestellt wurden). Das sind einige der wesentlichen Kriterien, die wir prüfen.

Und wenn ihr auf dem Papier eine Fläche gefunden habt, dann fahrt ihr dort auch hin und schaut sie euch an?

Aus den prinzipiell geeigneten Flächen wählen wir diejenigen aus, die wir für Windwärts als am besten geeignet halten. Dann schauen wir uns die Flächen vor Ort an, denn es kann ja sein, dass spezielle Dinge auf den Plänen nicht zu erkennen sind, wie etwa bestimmte Biotope.

Wenn wir nun die Situation haben, dass die Fläche die Kriterien erfüllt, dass dort genug Wind weht und die planungsrechtlichen Grundlagen auch zu erwarten sind. Was passiert dann?

Je nach Fläche sprechen wir dann mit den Grundstückseigentümern und der Gemeinde. Das ist immer ein bisschen anders, aber auf jeden Fall kommt dann die privatrechtliche Ebene ins Spiel. Den ersten Kontakt mit den Eigentümern und Gemeinden machen wir vom Scouting, denn damit prüfen wir weiter die Eignung der Fläche ab. Wir haben die Aufgabe die Flächen herauszufinden, bei denen tatsächlich die Chance da ist, dass etwas daraus wird. Wir spähen und filtern sozusagen, unsere Arbeit hat viel mit Filterung zu tun.

Was hat sich denn in den vergangenen zwei Jahren geändert bei deiner Arbeit?

Zum einen sind die Flächeneigentümer und die Bürger insgesamt deutlich besser informiert über Windenergie und die Planung. Es steht mehr in der Presse darüber, gerade auch in landwirtschaftlichen Fachmagazinen wird ausführlich berichtet. Unsere Gesprächspartner bringen heute ein größeres Grundwissen mit, was ganz angenehm ist. Zum anderen ist der Wettbewerb intensiver geworden, es sind zahlreiche Mitbewerber unterwegs. Um Grundstückseigentümer zu überzeugen, muss das Angebot stimmen, aber wir müssen auch durch ein kompetentes und authentisches Auftreten überzeugen.

Außerdem habe ich ein gutes Gespür dafür bekommen, welche Flächen Potenzial haben. Gerade bei Tipps von außen sieht es für den Laien oft viel versprechend aus, aber für uns ist schnell klar, dass das nichts wird. Dafür kriegt man ein ganz gutes Gefühl mit der Zeit. Gerade bei den Kritikern vor Ort hört es sich immer so an, als wären zigtausende Flächen geeignet für Windenergienutzung, aber praktisch sieht das anders aus. Deutschland ist ja sehr dicht besiedelt, und dementsprechend gibt es viele Schutzräume für Mensch, Tier und Natur, die die Auswahl möglicher Flächen völlig zu Recht einschränken. So bleiben zwar viele Flächen übrig, aber auch nicht unendlich viele, wie es sich für viele Leute anfühlt. Dennoch haben wir weiter die Möglichkeit, die Energiewende hin zu einer nachhaltigen Stromversorgung voranzubringen.


Autor Dr. Stefan Dietrich

Dr. Stefan Dietrich

Als Windwärts Pressesprecher bin ich dafür zuständig, dass die Medien und Menschen vor Ort immer gut über unsere Projekte informiert sind. Das heißt, ich informiere die Lokalpresse über Genehmigungen, Baufortschritte, Inbetriebnahmen u.ä. und empfange Besichtigungsgruppen in unseren Wind- und Solarparks. Darüber hinaus habe ich die aktuellen Entwicklungen der Branche im Blick (den Dr. habe ich schließlich in Politikwissenschaft gemacht).

Dr. Stefan Dietrich bei Öffnet den Link in einem neuen FensterGoogle+ Xing