„Schatzsuche“ führt zur Windenergieanlage

03. Juni 2014 - 11:39 Uhr
von Dr. Stefan Dietrich
zu  Windwärts unterwegs

Im Jahr 2000 fanden zwei Ereignisse statt, die nichts miteinander zu tun hatten – bis zu einem sonnigen Samstag Ende Mai dieses Jahres zumindest. An diesem Tag kamen mehr als 30 Geocacher – das sind sozusagen „digitale Schatzsucher“ – zur Windenergieanlage an der A2 in Barsinghausen-Bantorf, um sich nicht nur in das dort gefundene Buch einzutragen, sondern sich die Anlage auch einmal von innen anzuschauen.

Vergrabene Schätze und windige Kunst

Als Dave Ulmer in der Nähe von Portland im US-Bundesstaat Oregon am 3. Mai 2000 als ersten Cache überhaupt einen Plastikeimer mit allerlei Schnickschnack darin vergrub und die Koordinaten dann in einer Newsgroup im damals noch nicht allgegenwärtigen Internet veröffentlichte, ahnte er nicht, was zu dieser Zeit anlässlich der Weltausstellung im fernen Hannover geplant und umgesetzt wurde.

Ebenfalls im Jahr 2000 errichtete Windwärts nämlich im Rahmen des EXPO-Projektes „Kunst und Windenergie“ drei Windenergieanlagen, die von internationalen Künstlern als Kunstwerke gestaltet wurden. Einer der Gewinner des damaligen weltweiten Künstlerwettbewerbs war ebenfalls US-Amerikaner wie Ulmer, allerdings von der anderen Küste. Der New Yorker Allan Wexler hatte die Idee, den Schattenwurf der Windenergieanlage zu einem bestimmten Zeitpunkt auf der darunter liegenden Fläche nachzuzeichnen. Was er damit aussagen wollte, hat Wexler damals so formuliert: „Beim Blick über die Landschaft bemerkte ich die Schatten des Windrades, die sich wie Stoff über die gewellte Landschaft warfen. Diese Schatten sind zweidimensionale Abbilder der wunderschönen dreidimensionalen Form des Windrades. Mein Kunstwerk friert einen dieser Schatten dauerhaft ein.“ Mit dieser Idee setzte Wexler sich im Wettbewerb durch. Das Ergebnis ist das Kunstwerk „Im Schatten des Windes“, das den Schatten der insgesamt 135 Meter hohen Windenergieanlage zum Zeitpunkt des höchsten Sonnenstandes am 21. Juni in Form eines 80 Meter langen überdimensionalen Tisches nachbildet. In die Tischplatte sind 4.500 Kilogramm Kohle eingearbeitet. Diese Menge entspricht der Tagesstromproduktion des Windrades. Die um den Tisch angeordneten Holzstämme können als Sitzgelegenheit genutzt werden und sind darüber hinaus ein Symbol für nachwachsende Rohstoffe.

Die gute alte Schnitzeljagd ist wieder da

In den 14 Jahren seit der Inbetriebnahme hat diese Anlage nicht nur mehr als 42 Millionen Kilowattstunden umweltfreundlichen Stroms produziert, sie ist dank des Kunstwerkes auch zu einer gerne besuchten Sehenswürdigkeit geworden. Auch die Geocacher nutzen die Anlage – wie viele andere Windenergieanlagen auch – seit längerem, um dort einen ihrer „Schätze“ zu deponieren, einen Cache mit dem poetischen Namen „Nahe am Windschatten“. Damit sind wir wieder bei Dave Ulmer, beziehungsweise bei dem, was aus seiner Idee aus dem Jahr 2000 geworden ist. Die GPS-Schnitzeljagd ist längst vom etwas verschrobenen Vergnügen wanderfreudiger Nerds zur Massenbewegung geworden. Öffnet den Link in einem neuen FensterMehr als 6 Millionen aktive Geocacher sind weltweit auf der Suche nach 2,4 Millionen Caches, davon 330.000 in Deutschland. Solche Caches sind zumeist robuste Behälter unterschiedlicher Größe, die unter anderem ein Logbuch enthalten, in das sich die Finder eintragen können. Zur Suche benutzen die Cacher ein GPS-System. Auch Windenergieanlagen sind in den vergangenen Jahren aufgrund ihrer Sichtbarkeit in der Landschaft beliebte Orte für das Verstecken von Caches geworden.

Tür auf für die Cacher

Dabei haben sich viele Schatzsucher schon einmal die Frage gestellt: Wie sieht es wohl in der Anlage aus, hinter der Tür, die für die Geocacher wie für alle anderen, die an der Anlage vorbeikommen, verschlossen bleibt? Diese Frage trieb auch Monika Wehe um, passionierte Geocacherin, die in der Näher der Bantorfer Anlage wohnt und dort oft vorbeikommt. Daher wandte sie sich an Windwärts, und es entstand die Idee eines Geocaching-Events, zu dem wir zwei Stunden lang die Tür öffnen und den interessierten Cachern zeigen konnten, was sich im Fuß einer solchen Anlage verbirgt. Freizeitspaß trifft Umweltbildung – diese Gelegenheit wollten sich dann mehr als 30 Menschen nicht entgehen lassen. Und in das Logbuch dieser Aktion konnten sie sich natürlich auch eintragen.

Ob sich Dave Ulmer und Allan Wexler jemals begegnet sind, weiß ich nicht. Ihre 14 Jahre alten Ideen aber sind an einem sonnigen und windigen Frühlingssamstag im Calenberger Land aufeinandergetroffen. Wir, die dabei waren, hatten Spaß dabei.


Autor Dr. Stefan Dietrich

Dr. Stefan Dietrich

Als Windwärts Pressesprecher bin ich dafür zuständig, dass die Medien und Menschen vor Ort immer gut über unsere Projekte informiert sind. Das heißt, ich informiere die Lokalpresse über Genehmigungen, Baufortschritte, Inbetriebnahmen u.ä. und empfange Besichtigungsgruppen in unseren Wind- und Solarparks. Darüber hinaus habe ich die aktuellen Entwicklungen der Branche im Blick (den Dr. habe ich schließlich in Politikwissenschaft gemacht).

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