Rahmenbedingungen für weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien

16. September 2013 - 12:30 Uhr
von Lothar Schulze
zu  Branche der erneuerbaren Energien

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ist ein Erfolgsmodell: Mit dem im Jahr 2000 als Nachfolger des Stromeinspeisungsgesetzes eingeführten Regelwerk ist der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung in Deutschland auf rund 25 Prozent gestiegen. Doch nehmen seit ungefähr einem Jahr die Angriffe auf das EEG zu. Das Gesetz und die damit derzeit verbundene Umlage werden für den Anstieg der Strompreise verantwortlich gemacht. Was ist dran an den Vorwürfen und wie muss das EEG gestaltet werden, um den weiteren Ausbau sicherstellen zu können?

Die Strompreise für Haushaltskunden sind in den vergangenen Jahren stetig gestiegen: Seit dem Jahr 2000 haben sie sich von 14 auf 27 Cent/kWh beinahe verdoppelt. Der Anteil der EEG-Umlage macht im Jahr 2013 mit 5,28 Cent/kWh etwa 19 Prozent des Strompreises aus. Aber auch ohne sie wäre der Strompreis im selben Zeitraum um 70 Prozent gestiegen. Doch während die Öffnet den Link in einem neuen FensterEEG-Umlage massiv kritisiert wird, geraten andere Preistreiber aus dem Blickfeld: Allein die Gewinne (EBITDA) der vier Energieunternehmen E.on, RWE, Vattenfall und EnBW betrugen 2012 knapp 30 Milliarden Euro, also das 1,5-fache der EEG-Umlage.

Die erneuerbaren Energien sorgen sogar für sinkende Strompreise an der in Paris ansässigen Spotmarkt-Strombörse, wodurch sich paradoxerweise automatisch die Differenzkosten und damit die EEG-Umlage erhöhen. Selbst ohne Zubau von Anlagen steigt die Umlage wegen gesunkener Börsenpreise und einer Fehlsteuerung der Preise für die CO2-Emissionszertifikate. Summiert man den erwarteten Börsenpreis und die EEG-Umlage auf, müssten die Strompreise in den kommenden Jahren eigentlich konstant bleiben.

Doch allein der gewaltige Investitionsrückstand in Deutschland wird dafür
sorgen, dass die Preise weiter steigen: Im Durchschnitt sind die deutschen Kraftwerke inzwischen 40 und die meisten Stromleitungen 50 Jahre alt. Und während Sonne und Wind uns keine Rechnung schicken, wäre Deutschland bei der weiteren Nutzung der knapper werdenden konventionellen Energiequellen steigenden Rohstoffpreisen und wachsenden Abhängigkeiten ausgesetzt. Es ist daher unabdingbar, den Weg in das Zeitalter der regenerativen Energien weiterzugehen.

Investitionen brauchen Verlässlichkeit

Die Rahmenbedingungen sind indes nicht für den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien geeignet. Welche regulatorischen Anforderungen sind erforderlich?

Investitionen in jede Form von Energie­infrastruktur werden nur bei langfristig verlässlichen Kalkulationsgrundlagen getätigt. Unabhängig davon, wie die nächste Regierung gebildet wird: Sie muss vernünftige, zukunftsfähige und verlässliche Regelungen und Steuerungsmechanismen einführen. Und diese müssen geeignet sein, die auf nationaler und europäischer Ebene verbindlich festgelegten Ziele für den Ausbau der erneuerbaren Energien auch erreichen zu können.

Ein zukunftsfähiges EEG ist dabei die wesentliche Grundlage. Feste Vergütungssätze in der für die jeweilige Technik erforderlichen Höhe sind auch künftig unverzichtbar. Es gibt keine Hinweise darauf, dass ein anderes Fördersystem den Ausbau der erneuerbaren Energien günstiger ermöglichen kann. Ein weiteres wichtiges Element ist die Degression der Vergütungssätze. Mit dem zunehmenden Ausbau und der Weiterentwicklung der Technik werden erneuerbare Energien langfristig günstiger, während die konventionelle und nukleare Energieproduktion tendenziell teurer wird. Es muss auch zukünftig möglich sein, Bürgerenergieprojekte zu realisieren. Öffnet den Link in einem neuen FensterQuoten- und Ausschreibungsmodelle sind dafür nicht geeignet, weil sie kapitalstarke Akteure wie Energiekonzerne bevorteilen und zudem die Kosten insgesamt erhöhen.

Der Schlüssel liegt im Marktdesign

Es gibt kaum Argumente gegen den Ausbau der erneuerbaren Energien. Die von interessengeleiteten Institutionen gesteuerte Preisdiskussion ist nicht ehrlich, zeigt aber die Fehler der noch geltenden Mechanismen auf. Es ist für die weitergehenden Ziele der Energiewende erforderlich, die EEG-Umlage in der heutigen Form abzuschaffen und durch einen zukunftsoffenen und für hohe Anteile erneuerbarer Energie ausgelegten Marktmechanismus zu ersetzen. Im Gespräch ist eine modifizierte Rückkehr zur sogenannten physischen Wälzung der EEG-Strommengen und eine Vermarktung der EE-Strommengen durch die Stromvertriebe.

Neben dem EEG liegt der entscheidende Schlüssel im zukünftigen Energiemarktdesign. Die Branche der erneuerbaren Energien hat sich mit den erforderlichen Weichenstellungen auseinandergesetzt: Der Dachverband BEE hat eine Öffnet den Link in einem neuen Fenster„Studienplattform Systemtransformation“ ins Leben gerufen, die Branchenverbände Öffnet den Link in einem neuen FensterBWE und Öffnet den Link in einem neuen FensterWVW erarbeiten Konzepte für die Weiterentwicklung des EEG und der Berliner Think Tank Öffnet den Link in einem neuen Fenster„Agora Energiewende“ untersucht die Bedingungen für das Gelingen der Energiewende. In allen diesen Institutionen ist Windwärts aktiv involviert und beteiligt. Dabei trägt uns das Wissen um die Notwendigkeit des Klimaschutzes und der Energiewende sowie die Bedeutung der Lösungsperspektive, die uns die sauberen erneuerbaren Energien bieten – nicht nur hinsichtlich des Umweltschutzes, sondern auch für die Wirtschaft und die sichere und bezahlbare Energieversorgung der Zukunft.

Aus: Windwärts Newsletter Nr. 21, Stand: September 2013


Autor Lothar Schulze

Lothar Schulze

Vor fast 20 Jahren habe ich mit Roger Lutgen, Heiner Menzel, Uwe Baumann und Gerhard Schäfer die Windwärts Energie GmbH gegründet. Was mich damals antrieb, bewegt mich noch heute: zu zeigen, dass eine regionale Energieversorgung mit erneuerbaren Energien möglich ist. Als Windwärts-Geschäftsführer bin ich auch dafür verantwortlich, dass unsere Gründungsidee die Leitidee unseres Unternehmens bleibt.

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