Pioniere haben Grund zum Feiern

13. Oktober 2015 - 10:13 Uhr
von Dr. Stefan Dietrich
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  • Windenergieanlage Ingeln-Oesselse

Auf dem Feldweg von der Kreisstraße sind schon die Klänge von "Wind of Change" zu hören. Ein passender Songtitel und eine Band aus Hannover – so kann das 20-jährige Jubiläum zweier Windenergieanlagen in Sichtweite des Hannoveraner Messegeländes gefeiert werden. Dass dann am Nachmittag des 10. Oktober auch noch strahlender Sonnenschein und eine kräftige Brise dafür sorgten, dass es nicht nur ein perfekter Herbsttag war, sondern sich die betreffenden Windenergieanlagen auch fleißig drehten und Strom produzierten, passt ins Bild. Entsprechend ausgelassen waren die etwa 30 Kommanditistinnen und Kommanditisten, das heißt Miteigentümer der Anlagen, die auf das Feld zwischen den zur Stadt Laatzen gehörenden Ortschaften Gleidingen und Ingeln-Oesselse gekommen waren, um auf die ersten 20 Jahre Windenergie vom Streitberg anzustoßen (süddeutsche Leser mögen es nachsehen, dass die leichte Erhebung hier in der Region bereits als "Berg" bezeichnet wird). Allerdings liegt die Vermutung nahe, dass die anwesenden Gratulanten auch bei schlechterem Wetter guter Stimmung gewesen wären. Denn Grund zum Feiern gab es allemal.

Auch wenn die beiden Windenergieanlagen vom Typ Enercon E-40 mit ihren 70 Metern Gesamthöhe im Vergleich mit der neusten Generation von Windrädern eher putzig wirken, sind "Heinrich" und "Ingeborg", wie sie seinerzeit getauft wurden, eben doch kleine Kraftwerke, die seit 20 Jahren zuverlässig ihren Dienst verrichten, und zwar fast störungsfrei. So haben sie es auf etwa 150.000 Betriebsstunden gebracht, in denen sie zusammen mehr als 31 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt haben. "Wenn sich hier in der Umgebung Windräder drehen, dann sind es diese beiden", so brachte es Windwärts-Gründer und –Geschäftsführer Lothar Schulze bei der kleinen Feier nicht ohne Stolz auf den Punkt. In seiner Ansprache verwies Schulze auch auf einen Punkt, der in den heutigen Diskussionen um diese Form der Stromerzeugung allzu leicht aus dem Blick gerät. Er beschrieb, wie die Gründer von Windwärts Anfang der 90er-Jahre zusammen kamen, weil sie wie viele andere auch die Atomenergie ablehnten, es aber nicht beim Protestieren und Demonstrieren belassen wollten. Sie waren vielmehr entschlossen, dazu beizutragen, dass Alternativen zu dieser Energieform entstehen. Denn gestern wie heute gilt, dass sie nicht nur gefährlich ist, sondern auch kommende Generationen mit strahlendem Müll belastet. Das kann von den Windenergieanlagen nun wirklich nicht behauptet werden.

Zu dieser politischen und ethischen Motivation kam, gefördert durch die gesetzlichen Rahmenbedingungen, die Möglichkeit, Geld in die erneuerbaren Energien zu investieren und damit auch Renditen zu erzielen. Auch das ist den etwa 200 Menschen gelungen, die damals bereit waren, in die Windenergie zu investieren. Bis heute konnten sie das Geld, das sie in die beiden am Wochenende gefeierten Anlagen und drei weitere im benachbarten Sehnde gesteckt haben, in etwa verdoppeln. Da haben Sekt und Schnittchen noch einmal besser geschmeckt.

Das ist ja alles schön und gut, mag sich jetzt manch einer denken. Aber was ist mit den Menschen, die etwa im benachbarten Ort Ingeln-Oesselse leben, gefühlt nur einen Steinwurf entfernt von den Anlagen? Nun, sie haben wohl kein Problem mit der Stromerzeugung vor der Haustüre, zumindest wenn man dem Ortsbürgermeister Heinrich Hennies Glauben schenkt, der unter den Feiernden war. Seinen Worten zufolge ist die Skepsis von damals längst gewichen, ja der Ort identifiziere sich mit den Anlagen. Und Angst scheint auch niemand zu haben. Schließlich ist das Neubaugebiet, das nur 400 Meter von den Anlagen entfernt beginnt, erst nach den Windenergieanlagen entstanden, der Ort hat sich also zu ihnen hin ausgebreitet. Von Schwierigkeiten, die Bauplätze und Häuser dort zu vermarkten, konnte nie die Rede sein.

Am Ende blieben viele schöne Eindrücke von der kleinen Feier: Freude über die weiterhin fleißig Strom produzierenden Anlagen, die Erfahrung, als Mitarbeiter von Windwärts ein besseres Gefühl für die Wurzeln des Unternehmens bekommen zu haben, und die erneute Bestätigung, dass Windenergieanlagen eben nicht schädlich sind für die Menschen, die in der Nähe wohnen. Und natürlich die Scorpions, die mich auch auf dem Weg zurück zum Auto mit ihrem "Wind of Change" begleitet haben.


Autor Dr. Stefan Dietrich

Dr. Stefan Dietrich

Als Windwärts Pressesprecher bin ich dafür zuständig, dass die Medien und Menschen vor Ort immer gut über unsere Projekte informiert sind. Das heißt, ich informiere die Lokalpresse über Genehmigungen, Baufortschritte, Inbetriebnahmen u.ä. und empfange Besichtigungsgruppen in unseren Wind- und Solarparks. Darüber hinaus habe ich die aktuellen Entwicklungen der Branche im Blick (den Dr. habe ich schließlich in Politikwissenschaft gemacht).

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