MVV Energie – Wer ist das und was wollen sie mit Windwärts?

27. Oktober 2014 - 15:09 Uhr
von Dr. Stefan Dietrich
zu  Windwärts – Einblicke ins Unternehmen

Nun ist es so weit: Wir haben einen neuen Eigentümer und sind Teil einer Unternehmensgruppe. Für ein Unternehmen wie Windwärts, das 20 Jahre lang im Besitz weniger Gesellschafter war, die alle einen engen Bezug zum Unternehmen hatten, ist das ein wichtiger Meilenstein in der eigenen Geschichte. Das Modell der eigenständigen Projektentwicklungsgesellschaft, die aus dem Kampf gegen die Atomenergie und für die Erneuerbaren entstanden war, wird aus der Insolvenz nun weiterentwickelt. Ob dieses Geschäftsmodell für andere in den sich wandelnden Märkten zukunftsfähig ist, wird sich zeigen. Das soll an dieser Stelle auch nicht Thema sein. Mir geht es stattdessen darum, einen Blick auf unsere neuen Eigentümer, Partner und Kollegen der Öffnet den Link in einem neuen FensterMVV Energie AG aus Mannheim zu werfen. Es sind immerhin 5.400 neue Kolleginnen und Kollegen, sodass ein genauerer Blick sicherlich nicht schadet.

Mannheim – Liebe auf den zweiten Blick

Vorab muss ich eines gestehen: Obwohl ich nur 80 Kilometer neckaraufwärts aufgewachsen bin, war ich noch nie bewusst und gezielt in Mannheim, vom Umsteigen im dortigen Hauptbahnhof einmal abgesehen. In Heidelberg war dann doch immer Schluss, wenn es ins ungeliebte Baden ging. Mit Mannheim verband ich früher nur Öffnet den Link in einem neuen FensterJoy Fleming und ihren Song von der Mannheimer Brücke und die „Waldhof-Buben“, die in meiner Jugendzeit die Fußball-Bundesliga aufmischten. Um Joy Fleming ist es stiller geworden, und der SV Waldhof ist weit von der Bundesliga entfernt.

In die Bundesliga hat sich dagegen ein Unternehmen gespielt, das „nur“ ein einfaches Stadtwerk war, als Jürgen Kohler und Maurizio Gaudino noch im Blau-Schwarz des SV Waldhof aufgelaufen sind. Aus der 1974 aus den Eigenbetrieben der Stadt Mannheim hervorgegangenen Mannheimer Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft mbH ist inzwischen nicht nur eines der führenden Energieunternehmen Deutschlands geworden, sondern auch eine international agierende Unternehmensgruppe, die das gesamte Portfolio der Energiewirtschaft abdeckt. Für die heutige MVV Energie AG und die Stadt Mannheim, der nach wie vor 50,1% des Unternehmens gehören, hat sich dabei unternehmerisches Risiko ausgezahlt. MVV Energie hat die Liberalisierung des Energiemarktes genutzt, als einziges kommunales Unternehmen der Energiewirtschaft den Börsengang gewagt und das so eingenommene Geld in nachhaltiges und profitables Wachstum investiert. Das allein verdient bereits einen gewissen Respekt.

Klarer Blick auf die Zukunft der Energieversorgung

Nun wissen wir natürlich alle, dass die Größe eines Unternehmens alleine noch nichts darüber aussagt, ob es strategisch klug agiert oder auch eine Philosophie und Werte vertritt und umsetzt, die mit unseren vereinbar sind. Selbstverständlich ist die Finanzkraft des Unternehmens für uns und alle unsere Partner, denen die Insolvenz von Windwärts verständlicher Weise ein paar schlaflose Nächte beschert haben mag, beruhigend. Interessanter ist aber, wie MVV Energie sich die Zukunft der Energieversorgung im Allgemeinen und der Windenergie im Besonderen vorstellt. Ein Blick auf die Internetseiten des Unternehmens verheißt da Gutes: „In Deutschland liegt die Zukunft in einer umweltfreundlichen, stärker dezentralen Energieerzeugung“ steht als Leitsatz über dem Text zur strategischen Ausrichtung der MVV Energie. Das ist ein Satz, den auch wir alle unterschreiben können, der gleichwohl in der gesamtgesellschaftlichen Debatte immer noch nicht unumstritten oder gar selbstverständlich ist. Wenn einer der zehn größten Energieversorger des Landes das ohne Umschweife schreibt, dann hat das Gewicht. Ebenso bedeutsam ist die darauf folgende Feststellung, dass die Erneuerbaren „Schritt für Schritt die Leitfunktion übernehmen“ werden bei der Energieerzeugung.

Das ist aber einfacher gesagt als getan. Es ist ja nicht so, dass einfach immer mehr Anlagen zur Strom- und Wärmeerzeugung aus erneuerbaren Energie angeschlossen und dafür fossile Kapazitäten abgestellt werden. Das ist Teil des Prozesses, aber längst nicht alles. Um dieser Leitfunktion der Erneuerbaren gerecht zu werden und den Umbau des Energiesystems zu schaffen, ist mehr nötig als der Bau von Windparks, so wichtig dieser Baustein auch ist und bleiben wird. Es geht um Energieeffizienz, die Flexibilisierung konventioneller Erzeugungskapazitäten, um die Verzahnung von Strom- und Wärmemarkt, um Lastmanagement und um Netzplanung und -ausbau. Und das sind nur einige Themen, die es zu beachten gilt. Damit das gelingt, ist viel Know-how erforderlich, in der Planung von Windparks ebenso wie in der „klassischen“ Energiewirtschaft, der Kraftwerkstechnik oder der Versorgung von Industrie, Gewerbe und Haushalten. Es ist daher eigentlich naheliegend, alle Kompetenzen unter einem Dach zu bündeln und zu verknüpfen.

MVV hat Zukunft der Stromversorgung im Bilck Foto: MVV Energie AG

Allerdings haben sich diejenigen Unternehmen, die in der nuklearen und fossilen Vergangenheit den Markt beherrschten, lange gegen die Erneuerbaren gesperrt, und sie stehen bis heute nicht unbedingt an der Spitze der Bewegung für ein neues System der Energieversorgung. Die Energiewende wurde stattdessen vor allem von Gründern und Privatleuten vorangetrieben, die sich aus Überzeugung in das Abenteuer Erneuerbare geworfen haben. Sie haben Unternehmen und ganze Branchen aus dem Nichts aufgebaut und es mit der Rückendeckung der Politik geschafft, ein Viertel der Stromerzeugung in Deutschland aus Sonne, Wind, Biomasse und Wasserkraft zu erzeugen. Dieser Erfolg hat aber auch Schattenseiten für die so entstandenen Unternehmen. Mit dem schnellen Wachstum haben die Strukturen und vielleicht auch das unternehmerische Denken nicht immer Schritt gehalten. Konsolidierungsprozesse sind typisch für neue und schnell wachsende Branchen. Die Erneuerbaren bilden da keine Ausnahme.

Gemeinsam nach vorne schauen

Daher ist es gut, dass in der Zwischenzeit zumindest die „zweite Reihe“ (das ist rein auf die Unternehmensgröße bezogen) der Energieversorger nicht untätig war und begonnen hat, die Weichen auf eine nachhaltige Strategie zu stellen. Gerade MVV Energie ist dabei als Vorreiter vorneweg gegangen. Investitionen in Windenergie und Biomasse, in Kraft-Wärme-Kopplung und Angebote zur Effizienzsteigerung haben das Portfolio aus konventioneller Stromerzeugung, Fernwärme und thermischer Abfallbehandlung (das hieß mal Müllverbrennung) nach und nach ergänzt. Mit der Übernahme von Windwärts und der Mehrheitsbeteiligung an der juwi AG unterstreicht MVV Energie nun, dass sie es ernst meint mit dem Ausbau der Windenergie an Land als einer Säule der Unternehmensstrategie. MVV Energie bezeichnet sich als „Zukunftsversorger“. Sie hat nun einiges getan, um diesen Anspruch zu untermauern. Das sehen auch andere so, etwa der Journalist und Branchenkenner Bernward Janzing. Er schließt seinen Bericht zum Einstieg bei juwi in der taz mit den Worten: „Die Mannheimer haben die Chancen der Erneuerbaren früher als andere erkannt.“

Wir bei Windwärts sind froh darüber. Denn angesichts dessen, was uns die vergangenen Monate umgetrieben hat, aber auch dessen, was auf uns als Unternehmen zukommt, ist es beruhigend, Teil einer starken Gruppe zu sein, die auf uns und unser Know-how setzt. Das Ausschreibungsmodell für Windenergieprojekte wird nach jetzigem Stand der Dinge kommen. Und es bestreitet niemand, dass dieser Systemwechsel in der Förderung der erneuerbaren Energien in erster Linie die Akteursvielfalt im Markt der Projektentwicklung deutlich reduzieren und die begonnene Konsolidierung beschleunigen wird. Dazu kommt, dass die Erneuerbaren als zentraler Träger der Stromversorgung zunehmend Dienstleistungen für das Gesamtsystem der Stromversorgung übernehmen und intelligent vermarktet werden müssen. Das kann ein Projektentwickler alleine nicht leisten – in der Partnerschaft mit einem zukunftsorientierten Energieversorger aber schon.


Autor Dr. Stefan Dietrich

Dr. Stefan Dietrich

Als Windwärts Pressesprecher bin ich dafür zuständig, dass die Medien und Menschen vor Ort immer gut über unsere Projekte informiert sind. Das heißt, ich informiere die Lokalpresse über Genehmigungen, Baufortschritte, Inbetriebnahmen u.ä. und empfange Besichtigungsgruppen in unseren Wind- und Solarparks. Darüber hinaus habe ich die aktuellen Entwicklungen der Branche im Blick (den Dr. habe ich schließlich in Politikwissenschaft gemacht).

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