Mehr Jobs bei den Erneuerbaren – noch?

06. April 2018 - 11:09 Uhr
von Katharina Wolf
zu  Branche der erneuerbaren Energien

Es gibt in Deutschland ein Argument, das immer sticht: Jobs. Recht hat, wer Arbeit schafft. Unter diesem Gesichtspunkt könnte sich die Windenergiebranche auf die Schulter klopfen. Eine neue Studie, die das Bundeswirtschaftsministerium in Auftrag gegeben hat, belegt, dass im Jahr 2016 338.000 Personen im Bereich der erneuerbaren Energien beschäftigt waren, 10.000 mehr als 2015.

Bis 2016: Jobmotor Windenergie

Treiber der Entwicklung war vor allem die Windenergie an Land und auf See. 160.200 Jobs gingen 2016 auf ihr Konto. Auf Wind an Land entfielen dabei 133.000 Arbeitsplätze, auf die Offshore-Windbranche 27.200. Danach rangierte die die Biomasse mit 105.600 Beschäftigten, die Solarenergie beschäftigte 45.200 Menschen.

Damit gingen fast die Hälfte der Arbeitsplätze in der deutschen Energiebranche (690.000) an die erneuerbaren Energien. Das hätten sicher vor 20 Jahren nur wenige für möglich gehalten.

Doch kann man die Studie nun als reine Erfolgsmeldung werten? Das sicher nicht. Sie untersucht den Zeitraum 2000 bis 2016 – also damit die wirtschaftlichen Auswirkungen des zur Jahrtausendwende eingeführten Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). Deutlich wird eines: Es gehen auch Jobs verloren. In den Rekordjahren 2009 bis 2011 arbeiteten in der gesamten Energiebranche insgesamt 810.000 Menschen – 120.00 mehr als jetzt.

Beispiel Steinkohle: Dort sank die Zahl der direkt und indirekt Beschäftigten von gut 100.000 im Jahr 2000 auf knapp 12.000 im Jahr 2016. Auch die Braunkohle verlor 10.000 Jobs. Natürlich ist dieser Jobabbau nicht 1:1 dem Ausbau der Erneuerbaren zuzurechnen, und klar, bei einer Veränderung gibt es auch Verlierer. Wichtig ist, das im Blick zu behalten.

Aber auch bei den Erneuerbaren war in diesen Jahren nicht alles eitel Sonnenschein – gerade die Solarindustrie wurde mit den unterschiedlichen Reformen des EEG kräftig durchgeschüttelt und hat Arbeitsplätze verloren. 2011 gab es 156.700 Jobs in der Solarindustrie, vier Jahre später waren es nur noch 48.800. Hauptgrund war die massive Kürzung der Einspeisevergütung für PV-Anlagen. Ein Verlust, den die anderen Erneuerbaren nicht auffangen konnten, obwohl die Windbranche im gleichen Zeitraum ihre Jobs verdoppelte.

EEG 2017: Wie geht es weiter?

Schließlich sind die Zahlen zwei Jahre alt – zwei Jahre, in denen sich im EEG und damit in der Branche einiges getan hat. Die Umstellung auf Ausschreibungen statt fester Einspeisevergütung hat auch die Windbranche aufgewühlt. Fusionen bei den Anlagenherstellern, Übernahme kleinerer Projektentwickler durch konventionelle Energieunternehmen, Schließung von Produktionsstätten wie bei Senvion, Weserwind oder Powerblades. Die IG Metall schätzt, dass seit Anfang 2017 allein in Norddeutschland Öffnet den Link in einem neuen Fenster2.000 Jobs in der Windbranche gestrichen wurden.

Die neue Bundesregierung hat reagiert: In Zukunft müssen bei Ausschreibungen für Wind an Land auch Bürgerenergiegesellschaften eine Genehmigung vorlegen – so steht es im Koalitionsvertrag. Schließlich hatten in den ersten Runden vor allem diese Gesellschaften Zuschläge bekommen. Zweifelhaft ist deshalb, wie viele Projekte wirklich gebaut werden. Festgelegt wurden außerdem Sonderausschreibungen, die einen Fadenriss verhindern sollen. Ob das reicht, wird sich zeigen. Doch sicher ist eines: Wenn es um die Akzeptanz der Energiewende und damit auch um Windparks in der Nachbarschaft geht, dann bleiben Jobs ein wichtiges Argument – wenn sie denn in der Nähe sind.

Die Studie, erstellt vom Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) gemeinsam mit dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und der Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung (GWS), ist über diesen Öffnet den Link in einem neuen FensterLink abrufbar.

 

 


Autorin Katharina Wolf

Katharina Wolf

Als freie Journalistin schreibe ich über alle Aspekte der Windenergie - von A wie Ausschreibung bis Z wie Zertifizierung. Mit Windwärts verbindet mich eine besondere Geschichte: In meinem ersten längeren Artikel für die Fachzeitschrift Erneuerbare Energien (die damals 1995 noch Windenergie Aktuell hieß) ging es unter anderem um das Windwärts-Projekt Kunst und Windenergie bei der Expo 2000. Deshalb freue ich mich, wenn ich mit den unterschiedlichsten Themen aus der Branche jetzt zum Blog beitragen kann. Mehr und neuere Text von mir finden sich Öffnet den Link in einem neuen Fensterauf meiner Homepage.