Energiewende zum Erfolg führen – Menschen vor Ort mitnehmen

04. März 2014 - 17:02 Uhr
von Alexander Klimm
zu  Beteiligungsmöglichkeiten

Wie und auf welchem Wege können Bürger an Windenergieprojekten beteiligt werden? Welche kommunikativen Möglichkeiten gibt es zwischen Projektierern, Anwohnern und der Gemeinde? Welche finanziellen Modelle stehen zur Verfügung und was muss bei deren Umsetzung beachtet werden? Diesen Fragen war Öffnet den Link in einem neuen Fensterein Seminar auf der Spur, zu dem der Bundesverband Windenergie vom 25. bis zum 27. Februar nach Berlin geladen hatte. 

Bereits am Ende des ersten Seminartages, zu dem auch ich einen Vortrag beisteuern konnte, war klar: Den einen, goldenen Weg gibt es nicht. Kein Windenergieprojekt ist wie das nächste. Gibt es an einem Standort beinahe ausschließlich Zuspruch und Unterstützung, kann es zehn Kilometer weiter ganz anders aussehen. Als Resümee stand daher früh fest: An erster Stelle steht die Aufgabe, sich intensiv mit den Bedürfnissen und Interessen der Menschen und vor Ort auseinanderzusetzen.

Spannungsfeld zwischen Gemeinwohl und lokalen Interessen

Erneuerbare Energien machen unsere Energieerzeugung klimafreundlicher und unabhängiger, rücken sie aber auch sichtbar näher an die Verbraucher heran. Hier wird das Spannungsfeld zwischen den gesamtgesellschaftlichen Zielen und den Interessen der Bürger vor Ort greifbar. Herrscht noch weitgehende Einigkeit darüber, dass wir die Energiewende schaffen müssen, um den Atomausstieg zu meistern und die knapper werdenden Ressourcen zu schonen, stellt bei der konkreten Umsetzung vor Ort manch einer seine eigenen Interessen über das Gemeinwohl. Ängste und Befürchtungen werden laut, die vielfältigen Vorteile klein und schlecht geredet. Für umso wichtiger halte ich es, den Dialog mit den Bürgern und Akteuren zu suchen und die vor Ort passenden Lösungen und Möglichkeiten der Teilhabe zu finden.

Dialog und Information: Auf das Timing kommt es an

Bürgerbeteiligung bei Windenergieprojekten

Das Seminar zeigte erwartungsgemäß eine deutliche Tendenz zu Kommunikationsinstrumenten, die Sachkenntnis und Dialog fördern,  zum Beispiel Veranstaltungsformate wie die Bürgerversammlung, die Bürgerwerkstatt oder der Runde Tisch. Verstärkt nutzen Projektentwickler auch die Öffnet den Link in einem neuen Fensterinteraktiven Möglichkeiten des Internets. Konsens war: Neben der richtigen Anwendung der Instrumente kommt es auf das  Timing an. Der Schritt in die Öffentlichkeit  kann in der Regel erst erfolgen, wenn ein Projekt bzw. die dafür notwendigen Flächen gesichert sind. Kein vernünftig agierendes Unternehmen wird freiwillig Wettbewerber auf den Plan rufen, die sich womöglich eine Einbindung der Bürger vor Ort sparen und so höhere Pachten anbieten können. Somit stehen einige Planungsparameter bei der ersten öffentlichen Information oft bereits fest. Doch auch dann gibt es noch vielfältige Möglichkeiten für Bürger und Akteure, sich einzubringen und von einem Windpark zu profitieren.

Mitwirkung auf allen Ebenen: Wie Anwohner, Unternehmen und Gemeinden vor Ort profitieren können

Im Rahmen einer Bürgerwerkstatt lassen sich  Ideen für Ausgleichsmaßnahmen erarbeiten: Beispielsweise Lebensräume für seltene Vogelarten, die in Zusammenarbeit mit örtlichen Naturschutzbehörden und -organisationen geschaffen werden, oder Flächen, auf denen sich artenreiche Biotope entwickeln. Deren Umsetzung können lokale und regionale Firmen übernehmen, ebenso wie den Bau von Wegen und Leitungen. Die Standortgemeinde und der Landkreis profitieren von Gewerbe- und Einkommenssteuern, können Kompensationsgelder für die Veränderung des Landschaftsbildes sinnvoll vor Ort einsetzen.

Das Seminar zeigte auch: Windparkbetreiber engagieren sich nicht selten lokal, indem sie zum Beispiel Vereine und Bildungseinrichtungen unterstützen. Immer häufiger gründen die in der Regel vor Ort lebenden Grundstückseigentümer Stiftungen, in die sie einen Teil ihrer Pachten geben, um auf diesem Wege gemeinnützige Zwecke zu fördern. Auch für die direkte finanzielle Beteiligung stehen verschiedene Modelle zur Verfügung: Bürger und Gemeinden können sich zum Beispiel an einer Energiegenossenschaft beteiligen, die wiederum in den örtlichen Windpark investiert.

So vielfältig die Lösungsansätze und Vorgehensweisen der bei dem Seminar versammelten Projektentwickler waren, so eindeutig war ihre Meinung in einer Hinsicht: Der Erfolg der Energiewende hängt auch davon ab, wie gut wir es schaffen, die Menschen rund um unsere Projekte mitzunehmen.


Autor Alexander Klimm

Alexander Klimm

Nach meiner Selbständigkeit als Eventmanager und anschließendem Bachelor in Public Relations verbinde ich bei Windwärts diese beiden Fäden. Daraus webe ich mit Vorliebe ganzheitliche Kommunikationslösungen für unser Unternehmen und unsere Projekte. Ein besonderer Schwerpunkt meiner Arbeit liegt auf dem Dialog zwischen unserem Unternehmen und den Beteiligten an den Projektstandorten.

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