„Einfach. Jetzt. Machen!“

23. Oktober 2014 - 10:00 Uhr
von Silvia Augustin
zu  Branche der erneuerbaren Energien

Der Wunsch, die Zukunft zu kennen, ist so alt wie die Menschheit selbst, und je ungewisser die Zukunft ist, desto größer ist dieser Wunsch. Kein Wunder also, dass die Frage, was die Windwärts-Zukunft bringen mag, uns und viele andere in der Zeit der Insolvenz mächtig umgetrieben hat. Es war also nicht ganz uneigennützig von mir, als ich den Insolvenzverwalter Prof. Dr. Volker Römermann anlässlich der Eröffnung des Verfahrens am 1. Mai 2014 fragte, wo er Windwärts in einem Jahr sieht. Spontan sagte er scherzhaft, er würde mal kurz zu seiner Glaskugel greifen, bevor er anschließend seine seriöse Einschätzung formulierte. Er hielt es für realistisch, dass Windwärts nicht nur einen Investor findet, sondern auch seine Selbstständigkeit zu einem hohen Grad behalten kann. Heute, nur ein halbes Jahr später, hat sich diese Einschätzung als richtig erwiesen: Windwärts ist Teil der Mannheimer MVV Energie Gruppe, agiert am Markt aber weiterhin eigenständig als einer der führenden niedersächsischen Projektentwickler.

Dass sich die Einschätzung von Prof. Römermann bewahrheitet hat, dürfte allerdings weniger seinen wahrsagerischen Fähigkeiten zu verdanken sein, als vielmehr der Tatsache, dass er und alle Windwärts-Mitarbeiter der ungewissen Zukunft zum Trotz die Ärmel hochgekrempelt und ihren Job gemacht haben. Damit ist einmal mehr bewiesen, wie aktiv wir unsere Zukunft gestalten können, wenn jeder Einzelne seinen Teil dazu beiträgt – im Kleinen wie im Großen.

Dass wir mit dieser Haltung nicht nur ein Unternehmen retten, sondern auch die Welt verändern können, davon ist Öffnet den Link in einem neuen FensterRob Hopkins überzeugt, der Begründer der Transition-Bewegung. Er will Krisen wie dem Klimawandel nicht ohnmächtig gegenüber stehen, sondern durch lokales Handeln die Welt verändern. Wie das gelingen kann, zeigt er in seinem Öffnet den Link in einem neuen FensterHandbuch „Einfach. Jetzt. Machen!“.

Wie wir unsere Zukunft selbst in die Hand nehmen: Die Transition-Bewegung macht es vor

Wer von erfolglosen Klimagipfeln, der Wiederentdeckung der Kohle als Energieträger der Zukunft und der zunehmenden Verbreitung von Fördermethoden wie Fracking genug hat, ist bei der Transition-Bewegung genau richtig. Sie vereint in mittlerweile mehr als 40 Ländern rund 4.000 Initiativen, die den gesellschaftlichen Wandel selbst voranbringen wollen, davon Öffnet den Link in einem neuen Fenster120 im deutschsprachigen Raum. Ihren Ursprung nahm die Bewegung im südenglischen Totnes , der Heimatstadt des britischen Umweltaktivisten Rob Hopkins. Er und seine Mitstreiter überzeugten Menschen, die keine Zeit für ihre Gärten hatten, sie von anderen bewirtschaften zu lassen. Später legten sie auf öffentlichen Parkflächen Kleingärten an, erweiterten den öffentlichen Nahverkehr um zwei pflanzenölbetriebene Rikschas und entwickelten mit der eigens dafür gegründeten Renewable Energy Supply Company eine Energie-Strategie für die Stadt. So wurde die Kleinstadt Totnes zur ersten „Transition Town“ und damit einem Leuchtturmprojekt, das weltweit Nachahmer gefunden und Wandel-Bewegungen initiiert hat.

In seinem Buch „Einfach. Jetzt. Machen!“ stellt Hopkins eine Auswahl inspirierender Ideen aus aller Welt vor, deren Verschiedenartigkeit die Wirksamkeit der Bewegung erahnen lässt. Zum Auftakt berichtet er von den „Transition Streets Totnes“. Das Prinzip: „Sie gehen Ihre Straße entlang, klopfen an die Türen und überzeugen sechs bis zehn Nachbarn, sich insgesamt siebenmal zu treffen (einmal reihum in jeder Wohnung. Jede Woche steht dabei unter einem bestimmten Thema (Ernährung, Energie, Wasser, Mobilität u.v.m.) und jeder Haushalt bekommt ein Arbeitsbuch voller Tipps und Ideen.“ Wer – wie ich – skeptisch ist, was genau das bringt, und ob es den Aufwand lohnt, wird vom Ergebnis überzeugt: „In Totnes wurden so durchschnittlich in jedem der 700 teilnehmenden Haushalte ca. 1,3 Tonnen CO2 eingespart (und dazu je 750 Euro!).“ Das nächste Praxisbeispiel ist das der „Transition Gaskeeters Malvern“. Die Kleinstadt Malvern besitzt 104 viktorianische, unter Denkmalschutz stehende Gaslampen, deren Betrieb und Wartung aber kostspielig ist. Hier gründete sich die Öffnet den Link in einem neuen Fenster„Malvern Hills Light Group“, um zusammen mit dem örtlich ansässigen Unternehmen Sight Designs Lösungsansätze zu entwickeln und umzusetzen. Auch hier ist das Ergebnis beachtlich: Die Lampen wurden mit neuen Spiegeln und Brennern wieder instand gesetzt. Das führte bei deutlich höherer Lichtstärke und geringerer Lichtverschmutzung zu „einer über 70-prozentigen Reduktion des Gasverbrauchs, der Betriebskosten und des CO2-Fußabdrucks sowie einer Reduzierung der Wartungsarbeiten um 80 Prozent“. In Bristol wiederum hat eine Bewegung kurzerhand den Öffnet den Link in einem neuen Fenster„Bristol Pound“ eingeführt, um mithilfe einer Komplementärwährung die lokale Bevölkerung besser mit der lokalen Wirtschaft zu vernetzen und damit kürzere Lieferketten zu ermöglichen, die weniger abhängig von fossilen Brennstoffen sind. Außerhalb Großbritanniens liefert Hopkins Beispiele aus Spanien, Portugal, Brasilien, Japan und vielen anderen Ländern dieser Erde. Speziell für die deutschsprachige Ausgabe seines Buches gibt es zusätzlich einen Exkurs durch Deutschland, Österreich und die Schweiz.

Engagement für die Erneuerbaren: Energiewende als Teil des Wandels

Die Gesamtheit aller Transition-Projekte ist Sinnbild für die Idee, dass lokales Handeln die Welt verändern kann. Hopkins sagt: „Zwischen dem, was wir als Einzelne tun können und dem, was Regierungenund Unternehmen tun können, um auf die Herausforderungen unserer Zeit zu reagieren, liegt ein großes unerschlossenes Potenzial, das ich die Kraft des Einfach-Jetzt-Machens nenne. Es geht um all das, was Sie zusammen mit den Menschen in Ihrer Straße, Ihrer Nachbarschaft, Ihrer Stadt erreichen können.“ Er versteht Transition als ein Modell des kulturellen Wandels, das unser Augenmerk auf die Möglichkeiten lenkt, die wir haben, und darauf, wie es uns gelingt, das Beste daraus zu machen. In diesem Sinne sieht er Transition als praktische Vision einer postfossilen Welt, in der Beziehungen und Kooperation mehr zählen als Konsum und Konkurrenz.

Als Beispiel dafür, dass wir nicht bei null anfangen, sondern sich bereits viel tut und getan hat, führt Hopkins an, dass 51 Prozent aller Anlagen für die Erzeugung erneuerbarer Energien in Deutschland im Besitz von Einzelpersonen oder landwirtschaftlichen Betrieben sind. So betrachtet sind all diejenigen, die sich für den Ausbau der erneuerbaren Energien engagieren, längst Teil der Transition-Bewegung, die Hopkins ausdrücklich nur als einen möglichen Kontext verstanden wissen will, in dem die für die Zukunft dringend benötigten praktischen Lösungen entstehen können. Egal, ob als Transition-Initiative oder sonstige Bewegung, als Unternehmen oder Verein, als nachbarschaftliche Gemeinschaft oder Privathaushalt, mit Freunden oder allein – die Devise für uns alle ist und bleibt: „Einfach. Jetzt. Machen!““

Rob Hopkins: Einfach. Jetzt. Machen! Wie wir unsere Zukunft selbst in die Hand nehmen, Öffnet den Link in einem neuen Fensteroekom Verlag, München 2014, 12,95 Euro


Autorin Silvia Augustin

Silvia Augustin

In der Öffentlichkeit ein möglichst umfassendes Bild davon zu zeichnen, wer Windwärts ist und was Windwärts macht – das ist mein Anspruch an unsere Kommunikation. Als Pressesprecherin bin ich die richtige Ansprechpartnerin für alle Fragen rund um Windwärts als Unternehmen und in Sachen Öffentlichkeitsarbeit bin ich die erste Adresse für Interessenten im Bereich Spenden, Sponsoring und Umweltbildung.

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