Die Welt wird erneuerbarer – aktuelle Zahlen zur globalen Energiewende

13. Juni 2014 - 10:53 Uhr
von Dr. Stefan Dietrich
zu  Branche der erneuerbaren Energien

Rund um die Welt gewinnen die erneuerbaren Energien an Bedeutung. Das ist kein Wunder – schließlich müssen die Menschen in jedem Land sich damit auseinandersetzen, wie sie eine zukunftsfähige Energieversorgung aufbauen oder sichern wollen. Klimawandel und Umweltverschmutzung betreffen und bedrohen alle, die Risiken der Kernenergie sind überall untragbar hoch und die Vorräte an fossilen Brennstoffen sind ungleich verteilt, während Sonnen- und Windenergie überall nutzbar sind. Was also liegt näher, als die erneuerbaren Energien auszubauen? Dass das vielerorts passiert, zeigt der dieser Tage erschienene Öffnet den Link in einem neuen Fenster„Renewables 2014 - Global Status Report“ des „Renewable Energy Policy Network for the 21st Century“, kurz REN21.

Dieses internationale Netzwerk aus Wissenschaftlern, Regierungen, Wirtschaftsverbänden und Nicht-Regierungs-Organisationen gibt jährlich einen Bericht heraus, der den Status des weltweiten Ausbaus erneuerbarer Energien in allen Sektoren – also Strom, Wärme und Verkehr – darstellt. Die Berichte sind die zentrale Quelle für alle, die wissen wollen, wie die Erneuerbaren weltweit vorankommen. Wer sich nicht durch die 214 Seiten arbeiten möchte, für den habe ich die wichtigsten Daten und Fakten gesammelt, zumindest zur Stromerzeugung und Windenergie.

Erneuerbare wachsen dynamisch

Ausbau der erneuerbaren Energien weltweit - Top 5 Länder 2013 Ausbau der erneuerbaren Energien weltweit - Top 5 Länder 2013

Zuerst einmal die übergreifende Botschaft: Das Wachstum der Erneuerbaren ging auch im Jahr 2013 weiter. Besonders dynamisch zeigte sich wieder der Strommarkt. Die installierte Kapazität zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien stieg um 8% auf mehr als 1.560 Gigawatt, wobei die Zuwachsrate ohne die Wasserkraft sogar 17% betrug. Besonders die Photovoltaik ist auf dem Vormarsch, so dass erstmals mehr Kapazitäten in der Solar- als in der Windenergie errichtet wurden. Insgesamt haben die Erneuerbaren den fossilen und nuklearen Technologien den Rang abgelaufen. Mehr als 56% aller weltweit neu gebauten Stromerzeugungsanlagen sind erneuerbar, in der EU sind es sogar 72%. Und auch China, dessen schnell wachsender Strombedarf viele Neubauten notwendig macht, hat erstmals mehr erneuerbare Kapazitäten zugebaut als fossile oder nukleare. Das Land lag bei so ziemlich allen Kategorien vorne und hat mehr Kapazitäten zugebaut als alle anderen in Windenergie, PV und Wasserkraft, ebenso bei der Solarthermie, die als Wärmetechnologie an dieser Stelle nicht näher beleuchtet wird. Lediglich in der Geothermie taucht China nicht unter den Top 5 auf, was aber auf die fehlenden geologischen Voraussetzungen zurückzuführen ist (dort war übrigens Neuseeland am aktivsten). Der starke Ausbau erneuerbarer Energien durch Chinas staatlich gelenkte Energiewirtschaft wird getrieben durch den enorm wachsenden Strombedarf und ein pragmatisches Herangehen an die Frage nach den geeigneten Technologien – und natürlich ist das Land auch das größte der Welt, zumindest was die Einwohnerzahlen betrifft. Von daher ist der Spitzenplatz nicht unbedingt überraschend. Wenn wir uns die Kapazitäten pro Kopf anschauen, bietet sich ein etwas anderes Bild. Dann liegt Windpionier Dänemark an der Spitze, gefolgt von Deutschland und Portugal. Interessant ist auch, welcher Anteil des Bruttoinlandsproduktes im Jahr 2013 in die erneuerbaren Energien investiert wurde. Dann tauchen ganz andere Länder in der Spitzengruppe auf. Europäische Länder sucht man unter den Top 5 ebenso vergeblich wie die großen, wirtschaftsstarken Nationen auf anderen Erdteilen. Diese Rangliste führt Uruguay an, gefolgt von der Inselrepublik Mauritius und dem zentralamerikanischen Costa Rica. Die Einsicht in die Notwendigkeit einer nachhaltigen Energieversorgung ist also in alle Winkel der Erde vorgedrungen!

Windenergie auf Wachstumskurs

Installierte Windenergieleistung weltweit - Top 10 Länder 2013 Installierte Windenergieleistung weltweit - Top 10 Länder 2013

Nun möchte ich aber etwas genauer auf den Bereich schauen, der Windwärts am meisten interessiert, weil er unser Geschäftsfeld ist: die Windenergie. Im Jahr 2013 wurden rund um die Welt Windenergieanlagen mit einer Gesamtkapazität von mehr als 35 GW neu errichtet, womit Ende letzten Jahres 318 GW an Leistung installiert waren. Der Wachstumskurs hat sich also fortgesetzt, in den vergangenen zehn Jahren hat sich die Leistung verachtfacht. Zwischen 2008 und 2013 betrug die Wachstumsrate im Durchschnitt 21,4% – sehr beachtlich, wie ich finde. Auch in der Windenergie führt China die internationale Liga mit deutlichem Vorsprung an, sowohl was den Zubau als auch die gesamte installierte Leistung angeht. Mit etwas mehr als 16 GW hat China gut fünf Mal so viel an neuer Kapazität errichtet wie Deutschland, das 2013 aufgrund des schwächelnden Ausbaus in den USA wieder den zweiten Platz eingenommen hat. Auf Platz 3 hat sich das Land mit dem größten Potenzial für Windenergie geschoben, das von Atlantik-Winden verwöhnte (und manchmal geplagte) Großbritannien, mit einem Zubau von 1,9 GW, mehr als ein Drittel davon offshore, also vor der Küste des Landes. Auf den Plätzen 4 und 5 folgen Indien und Kanada, wo der Markt um 70% gegenüber dem Vorjahr gewachsen ist. An installierter Leistung pro Einwohner liegt auch hier Dänemark vorne, gefolgt von Schweden und Spanien.

Insgesamt sind es nun 85 Länder rund um den Globus, in denen die Windenergie zur Stromerzeugung genutzt wird. Schwerpunkte sind sicherlich die Regionen, die in der Weltwirtschaft gegenwärtig die größte Rolle spielen. Das ist zum einen die EU, wo Kroatien mit einem Zuwachs von 68% glänzen konnte und Slowenien erstmals Windenergieanlagen ans Netz gebracht hat, Asien mit den starken Wachstumsmärkten China und Indien, und Nordamerika. Letzterer erlebte zwar durch das politische Auf und Ab in den USA einen Einbruch, den der Zuwachs in Kanada nicht wettmachen konnte, die Zeichen stehen aber wieder auf Aufschwung: Zum Jahresende 2013 waren mehr als 12 GW an Kapazität in der Umsetzung. Es ist aber zu erkennen, dass die Nutzung der Windenergie nun auch in anderen Regionen deutlich vorankommt. Vor allem Lateinamerika ist im Kommen und nun mit mehr als 4,5% des Weltmarkts an Neuinstallationen in den Statistiken deutlich zu erkennen. Brasilien gehört schon etwas länger zu den Top Ten, und im Jahr 2013 wurde u.a. auch in Argentinien, Chile und Mexiko kräftig ausgebaut. Lediglich in Afrika und im Nahen Osten passiert wenig, auch wenn in Äthiopien der mit einer Leistung von 120 MW größte Windpark Afrikas in Betrieb gegangen ist.

Wichtiger Beitrag zur Stromversorgung

Installierte Kapazitäten sind natürlich nur eine Seite der Medaille. Angesichts der oben genannten Zahlen steht die Frage im Raum, was die Windenergie im Jahr 2013 zur Stromversorgung der Menschen beigetragen hat. Weltweit liegt der Anteil bei bescheiden klingenden 3%, allerdings verbergen sich dahinter durchaus beachtliche Zahlen, wenn wir einzelne Regionen oder Länder genauer betrachten. In Spanien etwa war die Windenergie im vergangenen Jahr die wichtigste Ressource für die Stromerzeugung mit einem Anteil von 20,9%. Im Vergleich mit Dänemark mutet selbst diese Zahl allerdings bescheiden an, denn dort liefert die Windenergie mittlerweile genau ein Drittel des benötigten Stroms. Ähnlich gute Zahlen haben nur die US-Bundesstaaten Iowa und South Dakota zu bieten (27 bzw. 26%).

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Die Erfolgsgeschichte der Windenergie geht unvermindert weiter, und sie wird immer internationaler. Nach oben ist aber noch viel Luft. Und Wind.


Autor Dr. Stefan Dietrich

Dr. Stefan Dietrich

Als Windwärts Pressesprecher bin ich dafür zuständig, dass die Medien und Menschen vor Ort immer gut über unsere Projekte informiert sind. Das heißt, ich informiere die Lokalpresse über Genehmigungen, Baufortschritte, Inbetriebnahmen u.ä. und empfange Besichtigungsgruppen in unseren Wind- und Solarparks. Darüber hinaus habe ich die aktuellen Entwicklungen der Branche im Blick (den Dr. habe ich schließlich in Politikwissenschaft gemacht).

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