Die Räder am Laufen halten – die technische Betriebsführung bei Windwärts

02. März 2018 - 12:25 Uhr
von Silvia Augustin
zu  Windwärts – Einblicke ins Unternehmen

Strom kann nur produziert werden, wenn die Windparks laufen. Dafür sorgt bei Windwärts die technische Betriebsführung. In einer neuen Serie berichtet unser technischer Leiter Daniel Schmitz von täglichen Aufgaben und ungewöhnlichen Ereignissen. In dieser ersten Folge stellen wir ihn und seine Abteilung im Interview vor.

Zur Person: Daniel Schmitz arbeitet seit 2009 als Leiter der technischen Betriebsführung bei Windwärts. Der 41-jährige ist gelernter Elektroinstallateur und begleitet die Windenergiebranche seit 2003.

Windwärts: Wie bist Du zur Windenergie und zu Windwärts gekommen?

Daniel Schmitz: Zur Windenergie bin ich gekommen, nachdem ich bei meinem früheren Arbeitgeber im Sondermaschinenbau festgestellt hatte, dass ich da eigentlich alle Positionen erreicht habe: Projektentwicklung, Prototypenbau, Montage, Inbetriebnahme beim Kunden und zum Schluss dann die Inbetriebnahme und Qualitätssicherung im Werk. Ich hatte eigentlich einen Job, den ich noch bis zur Rente hätte machen können. Aber ich hab mir gedacht, mit 25 Jahren die ich zu dem Zeitpunkt war, kann es das noch nicht gewesen sein. Ich habe dann einen Betriebsrat gegründet, um zu schauen, ob mich das im Arbeitsleben glücklich macht. Da war dann aber der Arbeitgeber nicht so sehr begeistert, sodass ich mir schlussendlich etwas anderes gesucht habe.

Daniel Schmitz Abteilungsleiter der technischen Betriebsführung bei Windwärts: Daniel Schmitz

Zu dem Zeitpunkt hatte die Firma Vestas in ihrer gesamten Flotte einen großen Wartungsrückstand. Die brauchten dringend Leute, und so habe ich dort als Reisekundendienstmonteur im Service angefangen. Damals gab es keine Spezialisierung, sondern jedes Serviceteam hat alles gemacht. Man hat also Großkomponenten wie Rotor, Flügel oder Getriebe genauso gewechselt, wie man sich um die Datenfernübertragung und SCADA-Systeme, Störungsbehebungen generell und Wartungen gekümmert hat. Das war eine sehr intensive und lehrreiche Zeit, weil der Einblick in alle Komponenten der Windenergieanlagen so detailliert war. Ich war allerdings sehr erschrocken, dass in den Windenergieanlagen zu jener Zeit Technik installiert wurde, die wir im Sondermaschinenbau schon seit ca. zehn Jahren nicht mehr eingesetzt hatten. Mit der Windenergie „infiziert“ hat mich insbesondere der Zusammenhalt unter uns Servicemonteuren. Die Bereitschaft eine Anlage wieder zum Laufen zu bringen, auch wenn es schon weit nach 18:30 ist, hat mich einfach begeistert. Das war mein Einstieg in die Windenergie.

Du bist Abteilungsleiter hier bei Windwärts für die technische Betriebsführung. Was genau macht denn die technische Betriebsführung?

Die technische Betriebsführung kümmert sich in erster Linie darum, dass die Windenergieanlagen genau das tun, was sie tun sollen, nämlich Windenergie in elektrische Leistung umwandeln. Wir kümmern uns also um alles, was mit dem Betrieb der Anlagen zu tun hat. Viele denken: „Eigentlich brauche ich gar keine technische Betriebsführung, weil ich einen Instandhaltungsvertrag mit einem Wartungsunternehmen abgeschlossen habe.“ Aber das Wartungsunternehmen wartet in der Regel nur die Anlage und nicht mehr. Und eine Windenergieanlage besteht nicht nur aus der eigentlichen Windenergieanlage als Erzeugungseinheit (EZE), sondern auch aus den Mittelspannungskabeln zum Netzverknüpfungspunkt. Dort gibt es zum Beispiel die KÜS, also eine Kundenübergabestation, in der ein Netzschutzgerät dafür sorgt, dass die angeschlossenen Windenergieanlagen bei Netzstörungen abgeschaltet werden. Das muss auch alles mit instand gehalten und überwacht werden. Man hat also relativ schnell einen Bereich, der nicht abgedeckt wäre, wenn es keine technische Betriebsführung gäbe.

Genauso ist es mit Meldungen von Anwohnern, zum Beispiel wenn die Schattenwurfabschaltung nicht richtig funktioniert. Dann muss natürlich sofort jemand erreichbar sein, damit die Einstellungen geprüft und ggf. geändert werden. Dafür sind wir da. Wir sind auch der Ansprechpartner für Kommunen, wenn etwa eine Baugenehmigungsbehörde sagt, sie möchte einen Nachweis, dass eine Eisansatzerkennung richtig eingestellt ist. Oder jetzt aktuell das Thema mit dem Wegfall des ISDN-Netzes und der damit in Zusammenhang stehenden Installation von Digitaler Datenverbindungstechnik zu den Anlagen. Wir haben bei uns in der technischen Betriebsführung ein tieferes Anlagenverständnis als das ein oder andere Instandhaltungsunternehmen und können daher die Anforderungen des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnologie umsetzen, ohne extern zusätzliches Know-how einkaufen zu müssen.

Wir kümmern uns auch um Mittelspannungsschalthandlungen, also wenn das Stromnetz mal ausgefallen ist und wieder eingeschaltet werden muss. Und wir sorgen dafür, dass der Eigentümer der Windenergieanlage in regelmäßigen Abständen ein Reporting bekommt. Darin dokumentieren wir, was die Windenergieanlage für Probleme gehabt hat, wie die Performance ist im Vergleich zu anderen Anlagen. Wir liefern auch eine wirtschaftliche Analyse für die folgenden Monate. Dazu kommen dann noch solche Sachen wie das Beauftragen von Sachverständigengutachten, wenn Mängel in den Anlagen gefunden werden. Wenn sich zeigt, dass der Hersteller den Zustand, den er eigentlich versprochen hat, nicht eingehalten hat, gehen wir auch zusammen mit den Sachverständigen gegen die Hersteller vor.

Was ist bei Euch in der technischen Betriebsführung die größte Herausforderung? Oder ist das von Anlage zu Anlage verschieden?

Die Herausforderung betrifft eigentlich zwei Seiten.

Auf technischer Seite sorgen wir jeden Tag aufs Neue dafür, dass die Anlagen wirklich laufen und reagieren schnell, wenn mal eine ausfällt. Zu unserem Tagesgeschäft gehört es auch, ganz flexibel auf alles zu reagieren, was da sonst so reinkommt. Das geht von einfachen Meldungen, dass sich Servicemonteure an- und abmelden, wenn sie die Instandhaltungsmaßnahmen an den Anlagen durchführen, bis hin zu Genehmigungsbehörden, die einem eine Stilllegungsverfügung ins Haus schicken, weil sie festgestellt haben, dass sich Teile vom Rotorblatt gelöst haben.

Die zweite Seite betrifft die Organisation dieser über 200 Prozesse, damit unsere Mitarbeiter diese Aufgaben innerhalb Ihrer Arbeitszeit ausführen können. Wir verbessern uns kontinuierlich, sowohl aus eigenem Antrieb, aber natürlich auch, weil der Kostendruck hoch ist. Wir alle arbeiten hier, weil wir Menschen sind, die mit ihrer täglichen Arbeit zu einer saubereren Welt beitragen möchten, aber natürlich muss die Wirtschaftlichkeit trotzdem stimmen – für alle Beteiligten. Wir möchten ja auch ein Gehalt zahlen, von dem unsere Mitarbeiter leben können.

Wie viele Anlagen hat denn Windwärts in der technischen Betriebsführung?

Wir betreuen inzwischen mehr als 270 Windenergieanlagen und so um die 25 Photovoltaikanlagen.

Betriebsführer gibt es viele am Markt. Was ist das Besondere an der Betriebsführung von Windwärts?

Das Besondere bei uns ist, dass wir eine sehr hohe Transparenz an den Tag legen und unseren Kunden zeigen, dass wir in ihrem Dienst handeln. Ich war früher, nach meiner Zeit bei Vestas, noch bei zwei anderen technischen Betriebsführern, habe also beide Seiten kennengelernt – erst als Servicemonteur beim Hersteller, dann in der Betriebsführung. Ich habe also bei drei Unternehmen Erfahrungen gesammelt, wie der Kontakt mit dem Kunden abgewickelt wird, und ich glaube, Windwärts zeichnet aus, dass dem Kunden der Zugriff auf alle Daten, die ihm gehören, tatsächlich auch gegeben wird.

Unsere Kunden können sich durch moderne Medien wie ein online-gestütztes Betriebsführungssystem und eine mobile Handy-App jederzeit ein Bild darüber machen, wie die Anlage gerade läuft. Jeder Kunde hat einen persönlichen Ansprechpartner, der ihn über die gesamte Laufzeit der Verträge betreut und ständig erreichbar ist. Wir passen auch den Leistungsumfang unserer Verträge an. Wenn also ein Kunde sagt, er möchte von uns nicht das vollumfängliche Betriebsführungspaket, weil er einen Teil selbst erledigen kann, dann bekommt er auch nur den Teil, den er haben möchte. Diese Modularität der Betriebsführung ist ebenfalls etwas, das Windwärts auszeichnet.

Zudem sind bei Windwärts ausschließlich Elektrofachkräfte für die technische Betriebsführung der Windkraftanlagen zuständig,  sodass dieses angeblich neue Thema „Gefährdungsbeurteilung erstellen und Anlagenverantwortung gemäß DIN VDE übernehmen“ für uns seit eh und je eine Selbstverständlichkeit ist. Das hat bei uns eher für ein bisschen Verwirrung gesorgt, dass da bei so vielen anderen im Markt eine völlig offene Flanke ist. Wir nutzen ein integriertes Managementsystem für die technische Betriebsführung, wir haben ein Arbeitsschutzmanagementsystem über das gesamte Unternehmen, wo Themen wie Anlagenverantwortung, Gefährdungsbeurteilung, Handlungsanweisungen und Unterweisung in die entsprechenden Arbeiten, also das ganze Thema Arbeitsschutz, seit Jahr und Tag gelebt wird. Das ist für uns absolut essenziell.

Welche Voraussetzungen sollte ein technischer Betriebsführer bei Windwärts denn mitbringen? Ihr seid ja gerade auf Wachstumskurs in Eurer Abteilung.

Technische Betriebsführer müssen per se Elektrofachkräfte sein, denn es handelt sich bei Windenergieanlagen um abgeschlossene elektrische Betriebsstätten, also ist es sinnvoll, eine elektrotechnische Ausbildung absolviert zu haben. Ein Studium ist da fehl am Platz, man muss tatsächlich handwerklich wissen, was eine elektrotechnische Maschine ist und muss da auch mal wortwörtlich Hand anlegen können, um Vibrationen beim Testlauf zu spüren und einschätzen zu können. Wenn man bei der Sichtinspektion in der Anlage ist, muss man wissen, dass eine Generator DE-Seite vorne ist und nicht hinten. Man sollte auch eine gewisse Affinität zum Maschinenbau mitbringen. Da eine Windkraftanlage zudem hydraulische Systeme hat, sollten die ebenfalls nicht fremd sein. Aber Hydraulik und Maschinenbau sind ja wichtige Themen in der Ausbildung für Elektrofachkräfte. Deswegen ist die Handwerksausbildung ja so vielfältig und dauert dreieinhalb Jahre. Wenn man dann neben der technischen Seite noch das Interesse für Verträge, privates und öffentliches Recht mitbringt und eine Affinität für das Arbeiten mit Computern hat, passt es perfekt. Eine Ausbildung zur Elektrofachkraft, dann noch mit mehrjähriger Berufserfahrung im Bereich Service und Maschinenbau – das ist die ideale Voraussetzung für einen technischen Betriebsführer bei Windwärts.

Wie arbeitet ihr neue Kollegen denn ein? Wie sieht das konkret aus?

Bewerber werden zunächst einmal untersucht, ob sie der körperlichen und psychischen Belastung dieses Jobs gewachsen sind. Das umfasst bei uns die G 41-Höhentauglichkeitsuntersuchung. Wenn diese „Einstiegshürde“ bestanden ist, können sie überhaupt erst eingestellt werden. Dann folgen die Arbeitssicherheitsunterweisungen, damit die neuen Kollegen wissen, wie sie sich hier im Gebäude, an einer Windenergieanlage, an einer PV-Anlage bewegen können. Was muss ich da tun, was kann ich tun, was darf ich nicht tun? Sie werden schließlich an einer Windenergieanlage in der Anwendung der Höhenrettungs- und Sicherungsgeräte geschult, sodass es unseren technischen Betriebsführern jederzeit möglich ist, sich selbst und den jeweiligen Kollegen zu retten.

Wenn dieses ganze Paket durch ist und die Kollegen ihren Arbeitssicherheitspass haben, geht es mit unserem Betriebsführungsprogramm weiter. So können sie sehen, wie die Anlagen überwacht werden, was es für Verhalten bei den Anlagen gibt, wo welche Anlagen stehen, welche Adressen und Dokumente für den Betrieb relevant sind, wie der Stand zu gefundenen Mängeln ist usw. Das ist dann ein kontinuierlicher Prozess: Sie lernen durch den Umgang mit dem Datenbanksystem immer mehr die Vorgänge der technischen Betriebsführung kennen. Und natürlich gibt es ein Managementhandbuch, in dem die Kollegen nachlesen können, wie die Prozesse grundsätzlich angelegt sind. Bei den ganzen Aufgaben, die so am Tag bewältig werden müssen, ist es gerade für neue Mitarbeiter schwierig zu entscheiden, was dringend, was wichtig und was dringend und wichtig ist. Auch da geben das Managementhandbuch und zusätzlich eine Prioritätenliste Orientierung. So wächst man nach und nach in die Arbeit des technischen Betriebsführers hinein.

Zugleich fährt man regelmäßig mit den erfahrenen Kollegen raus, um Sichtinspektionen an den Windenergieanlagen zu machen, auch mal mit den Sachverständigen zusammen. Und irgendwann, wenn man soweit ist, bekommt man ein Projekt übertragen. Für dieses Projekt ist der Kollege dann für den gesamten Part der technischen Betriebsführung eigenverantwortlich zuständig.


Autorin Silvia Augustin

Silvia Augustin

In der Öffentlichkeit ein möglichst umfassendes Bild davon zu zeichnen, wer Windwärts ist und was Windwärts macht – das ist mein Anspruch an unsere Kommunikation. Als Pressesprecherin bin ich die richtige Ansprechpartnerin für alle Fragen rund um Windwärts als Unternehmen und in Sachen Öffentlichkeitsarbeit bin ich die erste Adresse für Interessenten im Bereich Spenden, Sponsoring und Umweltbildung.

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