Die Energiewelt gibt sich smart – Eindrücke von der E-world

20. Februar 2015 - 12:15 Uhr
von Dr. Stefan Dietrich
zu  Windwärts unterwegs

Nun war ich also da – auf „Europas Leitmesse für die Energie- und Wasserwirtschaft“, der E-world energy & water 2015 in Essen. Am dritten Tag hatte ich Dienst am Stand der MVV Energie AG, auf dem Windwärts als Mitaussteller dabei war. Da nutzte ich natürlich die Gelegenheit, mir die Messe anzuschauen. Der allererste Eindruck: ziemlich überschaubar. Als die Erneuerbaren noch unter sich blieben und in Essen eine Art Spitzentreffen der „dunklen Seite der Macht“ vermuteten, dachten wir, die Messe müsse ebenso gewaltig sein wie die Marktmacht der Aussteller. Aber da haben wir uns wohl geirrt. Im Vergleich mit der Intersolar zu ihren besten Zeiten wirkte die E-world 2015 mit ihren 640 Ausstellern recht bescheiden. Was wieder einmal beweist, dass Größe nicht alles ist. Denn die Aussteller hatten durchaus Innovatives zu bieten.

Einblicke in die Energiewirtschaft der Zukunft

Die Aussteller wollten offenbar vor allem zeigen, dass die Energiewirtschaft im Wandel ist und sie selbstverständlich die besten Lösungen für die Zukunft im Angebot haben. Dementsprechend hoch waren im Vorfeld die Anforderungen an die Messe: „Der Branchenmagnet macht anschaulich erlebbar, wie der Übergang zwischen alter und neuer Energiewelt für Wirtschaft, Politik und Gesellschaft erfolgreich bewältigt werden kann“, so formulierte Franz Lamprecht, Chefredakteur der Fachzeitschrift „Energiewirtschaftliche Tagesfragen“, was den Besucher erwarten sollte. Und in der Tat fühlte sich dieser in einer schönen neuen Welt. Smart Homes, Smart Energy, intelligente Steuerung von diesem und jenem, das schienen die wichtigsten Themen zu sein, zumindest im Strombereich, den ich mir natürlich in erster Linie angeschaut habe. Nicht die Erzeugung des Stroms stand auf den Messeständen im Mittelpunkt, sondern es ging darum, die zunehmend volatile Stromerzeugung und den Verbrauch in Einklang zu bringen. Und da waren pfiffige Ideen und Konzepte zu finden.

Wie kann ich Energiedaten managen, den Verbrauch steuern und so am Ende meine Energiekosten senken? Das waren die Fragen, auf die viele versuchten, ihre spezifischen Antworten zu geben. Für Privathaushalte gab es zum Beispiel „smarte Steckdosen“ von Öffnet den Link in einem neuen Fensterpermundo zu sehen, die dem Hausbesitzer oder Mieter anzeigen, welche Geräte gerade wie viel verbrauchen oder kaputt sind. Ebenfalls spannend, auch wenn es um Heizungen ging, fand ich die vorausschauenden Smart Home-Systeme von Öffnet den Link in einem neuen FensteralphaEOS, die Heizungen wetter- und raumabhängig steuern. Es wurden aber natürlich nicht nur Eigenheimbesitzer angesprochen, sondern in erster Linie Unternehmen. Für diese bot zum Beispiel Öffnet den Link in einem neuen FensterGreenPocket „Demand Response“-Lösungen, die Stromangebot und Stromverbrauch synchronisieren, und Öffnet den Link in einem neuen FensterBEEGY präsentierte sein Angebot eines ganzheitlichen Energie-Managements für Unternehmen, um die optimale Lösung für den Strom- und Wärmebedarf zu finden. Es sind sicherlich Zweifel angebracht, ob sich in naher Zukunft viele Privatleute finden werden, die Lust haben, ihre Waschmaschine oder ihre Heizung von Smart Home-Systemen bedarfsgerecht steuern zu lassen. Für Unternehmen sind die Angebote aber sicherlich attraktiv, da sinkende Energiekosten Wettbewerbsvorteile bieten. Maßgeschneiderte Energielösungen für die Kunden sind das Gebot der Stunde, da waren sich Start-Ups, Stadtwerke und die großen Energieversorger in Essen einig.

Das große Thema von morgen ist die intelligente Steuerung und die Flexibilität des Stromsystems, so viel wurde beim Bummel durch die Messehallen schnell klar. Damit erklärt sich übrigens auch, warum die E-world stellenweise an die CeBit erinnerte, weil es an vielen Ständen um IT und Software ging. Denn intelligente Steuerung gelingt nur digital und unter Einsatz von Rechnerkapazitäten, Software und Clouds. Da wundert sich dann auch niemand mehr, warum das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, kurz BSI, mit einem Stand vertreten war. Denn je größer die Rolle der Informationstechnologie und der Datennetze ist, desto angreifbarer werden die Strukturen. Da muss Datensicherheit großgeschrieben werden.

Neue Facetten der Energiewende

Für jemanden wie mich, der seit Jahren in der Solar- und Windbranche arbeitet, die sich auf die Erzeugung des Stroms konzentriert, war es eine spannende Erfahrung, auf der E-world einen Eindruck davon zu bekommen, welche Gedanken sich diejenigen machen, die den Strom zu den Verbrauchern bringen. Die Herausforderungen sind groß, die das schrittweise Umstellen auf erneuerbare Energien mit sich bringt. Es scheinen mir aber genug Ideen in der Branche vorhanden zu sein, um die Energiewende in der Stromversorgung insgesamt voranzubringen. Auf der Leitmesse der Energiewirtschaft war zu spüren, dass diese im Aufbruch ist. An dieser Stelle passt ein überstrapaziertes Bonmot eines ehemaligen Bürgermeisters: Und das ist auch gut so.

 

Foto ganz oben: CC BY 2.0/QSC AG/flickr


Autor Dr. Stefan Dietrich

Dr. Stefan Dietrich

Als Windwärts Pressesprecher bin ich dafür zuständig, dass die Medien und Menschen vor Ort immer gut über unsere Projekte informiert sind. Das heißt, ich informiere die Lokalpresse über Genehmigungen, Baufortschritte, Inbetriebnahmen u.ä. und empfange Besichtigungsgruppen in unseren Wind- und Solarparks. Darüber hinaus habe ich die aktuellen Entwicklungen der Branche im Blick (den Dr. habe ich schließlich in Politikwissenschaft gemacht).

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