Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin

12. Juli 2017 - 17:56 Uhr
von Katharina Wolf
zu  Verantwortung & Engagement

  • Windwärts-Radmarathon 2017: Ankunft am Reichstag in Berlin.
  • Geschafft! Nach 288 Kilometern auf dem Rad haben die Fahrerinnen und Fahrer Berlin erreicht.

Ein bisschen erschöpft, aber stolz und glücklich – so radelten die 16 Mitfahrer des siebten Windwärts Radmarathon am 17. Juni über die die gleichnamige Straße durch das Zentrum Berlins. Hinter ihnen lagen 288 Kilometer gefahrene Kilometer und fast 14 Stunden im Sattel.

„Eigentlich wäre bei Nordwest-Wind Leipzig unser Ziel gewesen, aber ich fand, dass wir am 17. Juni über die Straße desselben von der Siegessäule zum Reichstag rollen sollten“, sagt Organisator Bernd Blauert-Segna. Denn das Ziel des Windwärts Marathons richtet sich immer nach der Windrichtung – die Radler fahren, wohin der Wind sie bläst. Damit sich die Kraftanstrengung auch lohnt, spendet Windwärts für jeden gefahrenen Kilometer zwei Euro für einen guten Zweck. Diesmal gehen 576 Euro an die SOS Kinderdörfer Weltweit.

Start im Morgengrauen

Gestartet war das bislang größte Peloton aus vier Frauen, elf Männern und einem Jugendlichen ohne Begleitfahrzeug im Morgengrauen in Hannover-Lahe. Zwei Mitfahrer waren sogar extra aus Stuttgart angereist. Über Wolfsburg und Gardelegen, wo die hungrigen Radler den Supermarkt plünderten, ging es weiter nach Tangermünde und schließlich zum Schloss Ribbeck im Havelland. „Leider gelang es uns nicht, das komplette Fontane-Gedicht vom Herrn Ribbeck auf Ribbeck im Havelland aufzusagen“, bedauert Blauert-Segna. Das sei der größte Wermutstropfen eines ansonsten rundum gelungenen Tages gewesen. „Am meisten wusste noch Klaus, unser ältestes Mitglied: Er musste die Verse vor 60 Jahren in der Schule auswendig lernen.“

Klaus Engelhardt war mit 75 nicht nur der älteste Radler, sondern auch der Großvater im Familienteam Engelhardt: Mit ihm radelten Sohn Jörg und Enkel Lennart, mit 15 Jahren der bisher jüngste Teilnehmer bei einem Windwärts-Radmarathon. „Es war schon eine Überwindung, so früh aufzustehen“, sagt der Schüler, der seine bislang längste Radtour geschafft hat. Ein geübter Fahrer ist er allerdings schon – zusammen mit Vater und Großvater fährt er im Burgdorfer Parlasca-Team. Bislang lag sein Rekord bei 90 Kilometern. „Man lernt auf der langen Strecke, seine Kräfte einzuteilen“, meint der 15-Jährige.

Hohes Durchschnittstempo fordert auch geübte Fahrer

Ohne Training wäre wohl auch das flotte Durchschnittstempo von 27,1 km/h nicht durchzuhalten gewesen. „Es war wieder eine supertolle Tour“, schwärmt Klaus Engelhardt, „wenn auch eine enorme Kraftanstrengung, vor allem am Ende in Berlin mit den vielen Ampeln und dem Verkehr.“ Schließlich müssen die Fahrerinnen und Fahrer bei jedem Halt die Spezialschuhe von den Pedalen lösen und beim Losfahren wieder festklicken. Doch mit der Siegessäule in Sichtweite waren auch die letzten schwierigen Kilometer zu schaffen. „Wir wollten ja Berlin erreichen!“

Und noch ein anderes Ziel haben die Radler erreicht: Der Radmarathon war der Höhepunkt und das Finale für das Windwärts-Team im Öffnet den Link in einem neuen FensterWettbewerb „Stadtradeln – Radeln für ein gutes Klima“, den das Klima Bündnis bundesweit ausgerufen hat. In Hannover liegt das Windwärts-Team mit 1.133,4 geradelten Kilometern auf Platz 2 knapp hinter den Fahrradkurieren von Tretwerk Messengers in der Öffnet den Link in einem neuen FensterKategorie Fahrradaktivstes Team mit den meisten Kilometern pro Teilnehmer.

2018 geht es wieder windwärts an den Start

Für den Organisator Bernd Blauert-Segna gab’s nach dem Zielfoto vor dem Reichstag kräftigen Applaus am Berliner Hauptbahnhof. Und auch im nächsten Jahr wird sich das Windwärts-Peloton am 17. oder 24. Juni wieder auf den Weg machen. Das Fahrtziel kennt ganz allein der Wind…

A propos: Mitmachen können alle, die sich eine Radtour von mindestens 250 Kilometern an einem Tag zutrauen. Alle Infos gibt es dann pünktlich unter www.windwärts.de


Autorin Katharina Wolf

Katharina Wolf

Als freie Journalistin schreibe ich über alle Aspekte der Windenergie - von A wie Ausschreibung bis Z wie Zertifizierung. Mit Windwärts verbindet mich eine besondere Geschichte: In meinem ersten längeren Artikel für die Fachzeitschrift Erneuerbare Energien (die damals 1995 noch Windenergie Aktuell hieß) ging es unter anderem um das Windwärts-Projekt Kunst und Windenergie bei der Expo 2000. Deshalb freue ich mich, wenn ich mit den unterschiedlichsten Themen aus der Branche jetzt zum Blog beitragen kann. Mehr und neuere Text von mir finden sich Öffnet den Link in einem neuen Fensterauf meiner Homepage.