Bei Bratwurst und Bier über einen Windpark reden

19. April 2016 - 15:07 Uhr
von Dr. Stefan Dietrich
zu  Unsere Projekte

  • Informationsveranstaltung zum Windpark Gyhum Hesedorf

Muss es immer die „klassische“ Informationsveranstaltung mit Powerpoint-Vorträgen und hitzigem Austausch von Argumenten und Positionen im Saal der Dorfgaststätte sein, wenn ein Projektentwickler über einen geplanten Windpark informieren möchte? Die Grundstückseigentümer im Projekt Gyhum-Hesedorf im niedersächsischen Landkreis Rotenburg sind der Meinung, dass der Dialog angenehmer gestaltet werden kann und dass in einem persönlichen Rahmen eher die Möglichkeit besteht, Fragen zu stellen und Bedenken zu formulieren, ohne gleich zwei Lager zu bilden. Daher haben sie uns eine andere Form der Informationsveranstaltung vorgeschlagen – die wir gemeinsam mit ihnen auch gerne umgesetzt haben.

Einladung zum Hofbesuch

Statt der üblichen Informationsveranstaltung, auf der Planer und Bevölkerung säuberlich getrennt auf dem Podium bzw. im Zuschauerraum sitzen, haben wir die Menschen vor Ort auf die Höfe zweier Grundstückseigentümer eingeladen. Am 17. und 24. April, jeweils sonntags, hatten und haben die Menschen in Gyhum und Hesedorf die Gelegenheit, mit Planern und Flächeneignern ins Gespräch zu kommen sowie sich über die Windenergie im Allgemeinen und die Planungen im Speziellen zu informieren.  Dabei spielen die Abstände zur Wohnbebauung ebenso eine Rolle wie die Veränderung des Landschaftsbilds, der Naturschutz, die geplante Bürgerbeteiligung oder kritische Themen wie Infraschall und Grundstückspreise. Zum Verweilen laden Bratwürste vom Grill und Getränke ein und locken vielleicht weitere Besucher an. In kleinen Grüppchen an den Infoplakaten, am Grill oder an den Biertischgarnituren lässt es sich auch lockerer sprechen und diskutieren. Bei einer Treckerfahrt hinaus in die Fläche konnten und können sich Interessierte ein Bild davon machen, um welches Gebiet es genau geht. Auf der ersten Veranstaltung war diese Tour bei den Besuchern heiß begehrt. Damit auch alle von der Veranstaltung erfahren, haben wir einen Flyer gestaltet, der als Beilage zu einem lokalen Wochenblatt an alle Haushalte verteilt wurde.

Worum geht es?

Ein Ziel der Veranstaltungen ist es, Unterstützer für den Windpark zu gewinnen und Unterschriften dafür zu sammeln, dass die betreffende Fläche in den Entwurf für das Regionale Raumordnungsprogramm (RROP) des Landkreises Rotenburg aufgenommen wird. Im aktuellen Entwurf, der momentan zur Beteiligung der Öffentlichkeit ausliegt, ist die Fläche nicht als Vorrangfläche für Windenergie ausgewiesen. Das möchten wir gemeinsam mit den Grundstückseigentümern ändern, denn wir halten die Nichtberücksichtigung für sachlich ungerechtfertigt. Die Abstände zur Wohnbebauung entsprechen dem Konzept des Landkreises und sind mehr als ausreichend, um die Menschen in der Umgebung vor Störungen zu schützen. Die Fläche selbst ist naturschutzfachlich nicht von besonderem Interesse und durch die nahe Autobahn vorbelastet. Der nahe gelegene Glindbusch ist durch die vom Kreis festgelegte Abstandsregelung von 500 Metern zu Naturschutzgebieten vor möglichen Auswirkungen geschützt. Aus unserer Sicht steht einer Ausweisung also nichts entgegen. Genau darüber möchten wir mit den Anwohnern sprechen und sie davon überzeugen, dass der Windpark auch ihnen Vorteile bringt. Ein Argument ist die geplante und vertraglich bereits festgelegte Bürgerbeteiligung, für die bereits eine Gesellschaft gegründet wurde. Der Plan sieht vor, dass mindestens eines der Windräder als Bürgerwindrad im Eigentum der Menschen vor Ort betrieben wird.

Und wie war es?

Die erste Veranstaltung in Gyhum liegt nun hinter uns. Es war ein interessanter Nachmittag in einer freundlichen Atmosphäre, auch wenn das launische Aprilwetter alle zeitweise ziemlich frieren ließ und die Stehplätze rund um den Grill entsprechend begehrt waren. Auch wenn der anfängliche Ansturm schnell abebbte, waren meine Kollegin und ich fast die gesamten angesetzten drei Stunden in Gespräche vertieft. Einige Unterschriften für das Projekt sind auch zusammengekommen. Als besonders beliebt – auch bei den anwesenden Kritikern des Projektes – haben sich die Trecker-Touren hinaus auf die Felder erwiesen. Es ist doch immer am besten, sich selbst ein Bild davon zu machen, worum es geht.

Am kommenden Sonntag findet dann die zweite Veranstaltung in Hesedorf statt. Wir sind gespannt darauf, denn in diesem Ort wohnen einige Gegner des Projekts. Mal sehen, ob sie die Gelegenheit zur Diskussion nutzen.

Ich hoffe es und denke, diese Art der Veranstaltung sollte häufiger durchgeführt werden, weil sie eine Möglichkeit bietet, abseits der Konfrontationsrituale über ein Projekt zu sprechen.