Absurditäten der Strompreisdebatte

09. August 2013 - 17:16 Uhr
von Lothar Schulze
zu  Branche der erneuerbaren Energien

Die voraussichtliche erneute Erhöhung der so genannten EEG-Umlage als Teil des Strompreises dient einmal wieder denjenigen als gefundenes Fressen, die nach wie vor die Energiewende ausbremsen möchten. Der Bundestagswahlkampf tut sein Übriges, um die Debatte anzufachen. Dabei zeigen gerade diejenigen, die am lautesten über die angeblich ach so hohen Belastungen durch die erneuerbaren Energien schimpfen, kein Interesse daran, das Problem wirklich anzugehen.

Das Übel der gegenwärtigen Situation

So manches an dieser Debatte kommt einem absurd vor. So ist es schon verwunderlich, dass Ökostrom den Strom an der Börse billiger macht, die Stromrechnung für private Haushalte aber teurer. Das ist ein Übel der gegenwärtigen Situation, das an der Wurzel gepackt werden muss. Ebenso merkwürdig ist es, dass im ersten Halbjahr 2013 die Umlage steigen soll und das EEG-Konto im Minus ist, obwohl wetterbedingt sogar weniger Strom aus erneuerbaren Energien in das Netz eingespeist wurde als im Vorjahr. Das heißt auch, dass die Betreiber der entsprechenden Anlagen weniger Geld bekamen. Warum steigt die Umlage trotzdem? Der Grund dafür ist der Wälzungsmechanismus, der dringend geändert werden muss.

Der Wälzungsmechanismus – ein Mechanismus mit Widersinn

Dieser Mechanismus, nach dem Privathaushalte sowie kleinere und mittelständische Unternehmen die Differenz zwischen der Einspeisevergütung für Strom aus erneuerbaren Energien und dem an der Leipziger Strombörse erzielten Preises für Strom über ihre Stromrechnung begleichen müssen, hat sich längst als widersinnig erwiesen. Er führt dazu, dass die privaten Stromverbraucher den günstigen Strom für Großverbraucher faktisch subventionieren – diese günstigen Preise aber als Kunden von den Energieversorgern nicht weitergegeben bekommen. Dabei sind es nicht in erster Linie die Betreiber der Anlagen, die profitieren, sondern die privilegierten großen Stromverbraucher und die Betreiber von konventionellen Großkraftwerken, die ihre Kraftwerksfahrweise und ihre Margen auf Kosten der normalen Verbraucher optimieren.

Entlastung der Verbraucher braucht Reformen

Die Lösung liegt in einer Reform des Wälzungsmechanismus und einer neuen Aufgabenverteilung in Vermarktung und Verkauf der erneuerbaren Strommengen an die Stromkunden. Dadurch kann die unselige EEG–Umlage abgeschafft werden, die es in dieser Form und Problematik überhaupt erst seit 2010 gibt. Sie hat sich als ungeeignet für den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien und die weitere Umsetzung der allgemein anerkannten Ziele der Energiewende erwiesen. Eine Systemänderung an dieser Stelle nützt den Stromverbrauchern, der Umwelt und der Energiewende. Im Gegensatz dazu kann jede Reform des EEG, die nur auf die Kürzung einzelner Vergütungssätze für neue Anlagen und eine Mengenbegrenzung des Ausbaus setzt, keine spürbaren Entlastungen für die Verbraucher bewirken.

Handeln ist gefragt

Wenn es die Regierung ernst meint mit der Entlastung der Verbraucher, dann hat sie außerdem mehrere sofort wirksame Handlungsmöglichkeiten. Was spricht eigentlich dagegen, die Mehrwertsteuer für Strom auf 7% zu senken? Und warum wird die Stromsteuer, die ja ursprünglich zur ökologischen Besteuerung umwelt- und klimaschädlicher Stromerzeugung gedacht war, nicht um den Anteil gesenkt, den die umweltverträglichen erneuerbaren Energien heute schon haben, also um 25%? Näheres dazu finden Sie hier:
Windwärts-Geschäftsführer fordert Senkung der Stromsteuer

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Autor Lothar Schulze

Lothar Schulze

Vor fast 20 Jahren habe ich mit Roger Lutgen, Heiner Menzel, Uwe Baumann und Gerhard Schäfer die Windwärts Energie GmbH gegründet. Was mich damals antrieb, bewegt mich noch heute: zu zeigen, dass eine regionale Energieversorgung mit erneuerbaren Energien möglich ist. Als Windwärts-Geschäftsführer bin ich auch dafür verantwortlich, dass unsere Gründungsidee die Leitidee unseres Unternehmens bleibt.

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