Wo bleiben die Windfonds? – Finanzierung von Windenergieprojekten

01. April 2008 - 00:00 Uhr

Über ein Jahrzehnt lang haben Publikumsfonds eine große Zahl von Windenergie­projekten in Deutschland ermöglicht. Nach dem Modell der bereits seit vielen Jahren etablierten Schiffsbeteiligungen und Immobilienfonds wurden so die erforderlichen Investitionsvolumina aufgebracht, um die Projekte zu finanzieren. Private Kapitalgeber haben damit nicht nur das benötigte Eigenkapital für die Projekte zur Verfügung gestellt, sondern die Markteinführung einer neuen Tech­no­logie erst ermöglicht. Finanzielle Beteiligungen waren auch ein Weg, das Wissen über die Windenergienutzung in der Gesellschaft zu verbreiten. Bei Anwohnern sorgte die Möglichkeit ihrer wirtschaftlichen Teilhabe für eine Akzeptanz gegenüber dieser neuen Technologie.

Die damaligen Rahmenbedingungen boten gute Wachstumsoptionen für unser Unternehmen und ermöglichten inte­ressante Beteiligungsangebote für unsere Kunden. In diesem Umfeld entwickelte sich die Windwärts Energie GmbH zu einem mittelständischen Unternehmen mit inzwischen 17 Fondsgesellschaften von Wind- und Solarenergieanlagen, einem Investitionsvolumen von 135 Millionen Euro und den Kapitaleinlagen von mehr als 2.400 Kommanditisten.

Was hat sich geändert?

Eine deutliche Zäsur für Publikumsfonds war die im Jahr 2005 in Kraft getretene Änderung des Einkommensteuer­gesetzes mit dem Wegfall des Anreizes, steuerliche Verluste aus Fondsbeteiligungen mit anderen positiven Einkünften zu verrechnen. Zusätzlich wirkte sich eine Reihe von unterdurchschnittlichen Windjahren negativ auf die Renditen aus. Viele private Kapitalanleger waren daraufhin nicht mehr bereit, in Wind­energiefonds zu investieren.

Weitere Veränderungen traten im Bereich der Projektentwicklung ein. Baugenehmigungsverfahren wurden erheblich aufwändiger und länger. Gestiegene Preise für Stahl und Kupfer sowie boomende Auslandsmärkte führten zu deutlich höheren Preisen für Windenergieanlagen. Wartezeiten auf die inzwischen weltweit stark nachgefragten Anlagen betragen heute bis zu zwei Jahre. Zusätzlich verschlechterte die Degression der Vergütung sukzessive die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen neuer Wind­energiefonds. Die Folge war, dass kaum noch Fonds emittiert wurden. Denn viele Windenergiestandorte, die noch vor wenigen Jahren mit einer attraktiven Rendite angeboten werden konnten, wären heute als Fonds wirtschaftlich uninteressant.

Der Verkauf von Windenergieprojekten erfolgt inzwischen überwiegend an Einzel­investoren und institutionelle Anleger. Bei der Akquisition von Projekten haben diese Investoren im Vergleich zu Publikumsfonds eine Reihe von Vorteilen. Sie können auf günstige Konditionen bei der Kapitalbeschaffung zurückgreifen und weiterhin steuerliche Vorteile nutzen. Zudem werden die langfristigen Pers­pektiven der Windenergienutzung und die wirtschaftlichen Chancen von ihnen höher bewertet. Professionelle Investoren sind daher bereit, relativ hohe Marktpreise für Windenergieprojekte zu bezahlen. Für Projektentwickler ist dabei von besonderem Interesse, dass institutionelle Anleger bereits zu einem frühen Zeitpunkt Projektrechte übernehmen und z. B. An­zahlungen für Windenergieanlagen leisten.

Woher kommt das Eigenkapital für aktuelle Projekte?

Die Windwärts Energie GmbH setzt bei der Finanzierung ihrer Projekte auf mehrere Optionen, um wirtschaftlich auf einer soliden Basis zu stehen. Neben dem Verkauf von Projekten an institutionelle Anleger ist eine weitere Möglichkeit der über Genussrechtskapital finanzierte Eigenbetrieb von Windenergieanlagen. Darüber hinaus hat die Windwärts Energie GmbH das Interesse, aufbauend auf der jahrelangen Erfahrung als Initiatorin und Verwalterin von Fondsgesellschaften, neue Windenergieprojekte als geschlossene Fonds aufzulegen.

Prognosen sagen Energiefonds im Zeichen des Klimawandels eine gute Perspektive voraus. Auf Seiten der Kapitalanleger übersteigt die derzeitige Nachfrage bei weitem das vorhandene Angebot. Und gemäß der aktuellen Umfrage des Bundesverbandes Wind­energie e.V. (BWE) unter Anlegern kann die Windwärts Energie GmbH überdurchschnittliche Zufrieden­heit und hohe Erwartungen ihrer Anleger hinsichtlich der Emission neuer Fonds verzeichnen.

Um im Fondsmarkt interessante Angebote platzieren zu können, ist eine Anpassung der gesetzlichen Rahmen­bedingungen unbedingt erforderlich. Ein wichtiger Baustein für diese An­passung ist die derzeitige Novellierung des EEG. Eine Erhöhung der Windstromvergütung von 7,95 Cent pro Kilowatt­stunde auf 9,5 Cent im Rahmen der EEG-Novellie­rung würde die gestiegenen Preise ausgleichen und den weiteren Ausbau der Windenergie­nutzung auch in den kommenden Jahren sichern. Ob Windfonds dann wieder an die erfolgreiche Entwicklung des ersten Jahrzehnts anknüpfen können, bleibt abzuwarten.

Aus: Windwärts Newsletter Nr. 10, Stand: April 2008


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