Land in Sicht – Wo die Chancen für die Energiewende wachsen

01. September 2011 - 00:00 Uhr

Es war ein Moment seltener Einigkeit. Mit 513 Ja-Stimmen der schwarz-gelben Koalition, der SPD und Bündnis 90/Die Grünen beschloss der Bundestag Ende Juni den Ausstieg aus der Kernenergie. Anschließend aber war es mit der Einigkeit schnell wieder vorbei – die Opposition wollte die weiteren Gesetzesänderungen der Regierung zur „Energiewende“ nicht mittragen. Denn, so monierten Kritiker, ein Regelwerk, das trotz der Abschaltung aller Atomkraftwerke bis 2022 das Ausbauziel der Erneuerbaren von derzeit 17 Prozent auf 35 Prozent im Jahr 2020 nicht anhebt, verdiene diesen Namen nicht. Tatsächlich setzt die Strategie dahinter wieder auf die alte fossile Energiequelle Kohle – mit unnötig hohen und unflexiblen Kapazitäten bei einer Laufzeit von 50 Jahren – allen verbindlichen Klimaschutzzielen zum Trotz.

Das Energiekonzept der Bundesregierung von 2010 geht von einem etwa gleich starken Ausbau der Windenergie an Land (onshore) und auf dem Meer (offshore) in den nächsten zehn Jahren aus. Zurzeit sind in Deutschland Windparks mit einer Gesamtleistung von rund 27 Gigawatt (GW) installiert. Bis 2020 sollen es 45 GW sein, 10 GW davon offshore. Für die Windenergie an Land bliebe damit ein Zubau von nur 8 GW.

Flächen für die Windenergienutzung an Land sind aber reichlich vorhanden. So zeigt beispielsweise eine aktuelle Studie des Fraunhofer Instituts für Windenergie und Systemtechnik (IWES), dass sich bereits bei der Nutzung von zwei Prozent der Landesfläche in Deutschland ein Potenzial von fast 200 GW installierbarer Leistung erschlösse.

 

Kommunen und Länder sehen ihre Chance

Mobilisiert durch die Diskussion über den Atomausstieg machen sich die Bundesländer daran, ihre Möglichkeiten beim Ausbau der erneuerbaren Energien zu nutzen und damit die Ziele der Bundes­regierung in punkto Windenergie an Land zu übertreffen. So wollen nicht nur bislang zurückhaltende Länder wie Baden-Württemberg (zehn Prozent Windstrom bis 2020), Nordrhein-Westfalen (15 Prozent Windstrom bis 2020) und Rheinland-Pfalz (7,5 GW Windleistung bis 2020) die Windenergie ausbauen, auch erfahrene Windländer wie Schleswig-Holstein satteln noch einmal drauf: Das nördlichste Bundesland will seine Eignungsgebiete von 0,78 Prozent der Landesfläche auf 1,5 Prozent nahezu verdoppeln, die Kommunen wollen teilweise noch mehr Fläche bereitstellen. Niedersachsen plant bis 2020 im Onshore-Bereich noch zusätzliche 7,5 GW durch Repowering und neue Parks.

Energiekonzerne setzen auf offshore

In der Offshore-Branche bestimmen mit wenigen Ausnahmen Konzerne wie Siemens, Hochtief oder Areva das Geschehen. Die Summen, die pro Windpark als Investitionskosten gehandelt werden, liegen im Milliardenbereich. Bislang stehen vor deutschen Küsten erst knapp 60 Anlagen im Wasser. Damit sich das größere Risiko mit der noch wenig erprobten Technologie auszahlt, hat die Bundesregierung die Vergütung für den erzeugten Strom sukzessive erhöht.

Die Karten werden neu gemischt

Kurz- und mittelfristig bietet die Windenergie an Land unter den erneuer­baren Energien das kostengünstigste Ausbaupotenzial. In einem Szenario, das auf 100 Prozent erneuerbare Energien setzt, findet auch die Offshore-Windenergie ihren Platz. Doch selbst wenn 2020 auf See 10 GW und zehn Jahre später 25 GW Windleistung Strom erzeugen, bleibt die Windenergie an Land sowohl hinsichtlich des Energiepotenzials als auch bezogen auf die Installations- und Wartungskosten ihrer Schwester auf dem Meer noch lange überlegen. Erst 2050 rechnet die Bundesregierung mit Parität bei den Stromgestehungskosten.

In der Energieversorgung werden die Karten neu gemischt, Länder und Kommunen wollen ihre Trümpfe geschickt ausspielen. Regionale Wertschöpfung durch Gewerbesteuern, Pachteinnahmen und Arbeitsplätze ist mit dezentralen Windparks eher zu erlangen als durch wenige Großkraftwerke. Viele Kommunen haben dies bereits erkannt, und die Aufstellungszahlen des ersten Halbjahres 2011 stimmen zuversichtlich: Rund 800 MW Windleistung sind bis Ende Juni in Deutschland installiert worden, gut 20 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2010.

Aus: Windwärts Newsletter Nr. 17, Stand: September 2011


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