Marktmodell Energiewende – EEG-Reformkonzept des WVW

18. Dezember 2013 - 14:48 Uhr
von Kathrin Hoffmann
zu  Branche der erneuerbaren Energien

Wie ich bereits berichtet habe, suchen wir Energieblogger mit vereinten Kräften nach „Germany's Next Top EEG“. Dabei untersuchen wir die vielen verschiedenen Studien und Reformvorschläge zum EEG sowie einem neuen Strommarktdesign, die bisher veröffentlicht wurden, nach einem einheitlichen Schema. Im Zentrum steht die Frage, welches Konzept die geeignete Basis für das weitere Gelingen der Energiewende bietet. Ich stelle heute die Ergebnisse zum Marktmodell Energiewende vom Öffnet den Link in einem neuen FensterWirtschaftsverband Windkraftwerke (WVW) vor.

Allgemeine Informationen zum Markmodell Energiewende


Kurzbeschreibung des Marktmodells Energiewende

Der Wirtschaftsverband Windkraftwerke e.V. hat in Zusammenarbeit mit der Kanzlei Becker Büttner Held (BBH), der größten deutschen Energierechtskanzlei in Berlin, ein „Marktmodell Energiewende“ erarbeitet, das zum Ersatz der irreführenden EEG-Umlage führt. Im Zentrum des Modells stehen die Direktverteilung der erneuerbaren Energiestrommengen in Echtzeit sowie die Weiterentwicklung der Direktvermarktung. Der WVW geht davon aus, dass das EEG bezüglich der heutigen Regelungen erhalten bleiben kann und nur der Wälzungs- bzw. Vermarktungsmechanismus geändert werden muss. Das Marktmodell Energiewende bringt die energiewirtschaftlichen Akteure in eine konstruktive, gestaltende Rolle und macht die Energiewende im eigenen wirtschaftlichen aber gleichzeitig auch im volkswirtschaftlichen Sinne effizient. Dadurch wird die höchstmögliche Akzeptanz in der Bevölkerung und bei den energiewirtschaftlichen Akteuren erreicht, die erforderlich ist, um die Energiewende erfolgreich umzusetzen.


Offene Fragen zum Konzept

Wie unterscheidet es sich vom bisherigen EEG bzw. warum meinen Sie, dass das Bestehende geändert werden muss?

Die derzeitige Diskussion um die Weiterentwicklung des EEG schafft Unsicherheit für alle Beteiligten. Für eine erfolgreiche und kosteneffiziente Energiewende braucht Deutschland einen umfassenden Masterplan in Form eines Energiewendegesetzes, welches im WVW-Papier skizziert wird. Darüber hinaus gibt es Optimierungsbedarf bei einzelnen Aspekten des Ausbaus erneuerbarer Energien sowie der Weiterentwicklung des Energiemarktes, der erläutert wird.

Im Fokus des WVW-Papiers steht allerdings das Marktmodell Energiewende, welches die derzeitigen Missstände bei der Vermarktung der EE-Strommengen über die Strombörse und bei der Direktvermarktung ausräumt. Das Marktmodell Energiewende zeigt den Weg für eine intelligente und kosteneffiziente Wälzung sowie für eine langfristig angestrebte Direktvermarktung von erneuerbaren Energien auf und schlägt für die anstehende EEG-Novelle ein Modell aus zwei Komponenten vor:

  • Die 2010 eingeführte finanzielle Wälzung über die Strombörse ist zu ersetzen durch eine „Direktverteilung in Echtzeit“, bei der die EE-Strommengen in Echtzeit  direkt auf die Stromversorger verteilt werden – proportional zu ihrer Belieferung von Letztverbrauchern in Deutschland. Dadurch entstehen einerseits Kostenvorteile, andererseits müssen die Versorger automatisch für entsprechende flexible Ausgleichskapazitäten sorgen. Die Kosten der erneuerbaren Energien werden über den Strompreis an die Verbraucher direkt weitergegeben, wodurch die EEG-Umlage entfällt.
  • Die Direktvermarktung von EE-Strommengen ist so weiterzuentwickeln, dass sie mittel- bis langfristig das zentrale Instrument für eine echte Marktintegration der erneuerbaren Energien wird. Die Stromversorger können ihrer Pflicht zur „Echtzeitabnahme“ von EE-Strom entgehen, wenn sie EE-Strom am freien Markt einkaufen. Dabei entsteht echter Wettbewerb um günstige aber auch planbare EE-Strommengen sowie der Anreiz für Stromversorger, selber EE-Strom zu erzeugen. Auf die Marktprämie kann perspektivisch verzichtet werden.

WVW Marktmodell Energiewende: Darstellung der Direktverteilung und Direktvermarktung

Den Unternehmen der Branche der erneuerbaren Energien werden durch die Alternative zwischen Direktverteilung in Echtzeit und Direktvermarktung Handlungsspielräume eingeräumt, die sie selbst für eine möglichst intelligente Integration der EE-Strommengen frei nutzen können und sollen. Das Marktmodell Energiewende schafft somit Vermarktungswege, mit denen immer größere EE-Strommengen außerhalb des regulierten Rahmens vermarktet werden können. Parallel dazu wird der Vorrang der erneuerbaren Energien weiterentwickelt, sodass Strom aus Wind- und Solarenergie die moderne Grundlast liefert. Dadurch wird ein Marktsystem geschaffen, das auch bei hohen Anteilen von erneuerbaren Energien funktioniert.

Fördert dieses System eher eine zentrale oder dezentrale Energieversorgung?

Unter Beibehaltung der noch erforderlichen Zentralität wird vor allem die notwendige Dezentralität der Energiewende mit der so wichtigen Akzeptanz der Bevölkerung gefördert. Die Energieversorger und die Betreiber von EE-Anlagen werden zu Hauptakteuren der Energiewende. Dadurch werden regional aufgestellte Unternehmen und die dezentrale Energieversorgung gestärkt.

Wie definieren Sie die Energiewende?

Umstieg auf 100% erneuerbare Energien in allen Energiebereichen (Strom, Wärme, Kraftstoff).

Welches übergeordnete Ziel liegt dem Vorschlag zu Grunde?

Das Modell orientiert sich an den Zielen der Bundesregierung, den Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung bis 2020 auf mindestens 35%, bis 2030 auf mindestens 50% und bis 2050 auf über 80% auszubauen. Langfristig wird das Ziel 100% erneuerbare Energien angestrebt.

Wie sieht die Finanzierung dieses Modells aus? Gibt es schon genaue Berechnungen dazu?

Über Direktverteilung bzw. Direktvermarktung werden die wahren Kosten der erneuerbaren Energien (Mindesteinspeisevergütung / Einkaufspreis) von den Stromversorgern an ihre Kunden weitergegeben. Durch den Anreiz für Betreiber und Versorger, Kosten zu optimieren und die Stromerzeugung zu flexibilisieren, wird der Strompreis mittel- bis langfristig fallen. Genaue Berechnungen gibt es nicht.

Welche Energieform wird von diesen Änderungen am meisten profitieren und bei welchen sollte der Ausbau verlangsamt werden?

Es entsteht ein Markt, der die kostengünstigsten sowie bedarfsgerecht angebotenen erneuerbaren Energieformen belohnt. Teure erneuerbare Energieformen werden allerdings auch nicht benachteiligt, denn bei der Befreiung der Stromversorger von der Echtzeitabnahme werden die Energieträger, die direkt eingekauft werden, entsprechend der unterschiedlichen Vergütungsniveaus gewichtet. Außerdem wird durch das fortbestehende EEG mit Mindesteinspeisevergütung sichergestellt, dass alle erneuerbaren Energien eine weitere Entwicklungschance haben und der gewünschte gemischte dezentrale Kraftwerkspark entstehen kann.

Wie bringt dieses System Kostenwahrheit in den Markt? Werden externe Kosten beachtet?

Im Rahmen eines umfassenden Kosten-Monitorings der Energiewende werden die wahren Gesamtkosten aller Energieträger betrachtet. Durch die neuen Direktverteilungs- und Direktvermarktungsoptionen werden die echten Kosten der erneuerbaren Energien transparent. Das System ist so gestaltet, dass die Direktvermarktung erneuerbarer Energien zunehmend attraktiver wird. Um die erneuerbaren Energien langfristig ausschließlich an den Markt zu bringen, ist darüber hinaus ein neues Strommarktdesign notwendig.

Wie sieht in Ihrem Konzept das Zusammenspiel der verschiedenen Energieformen aus? Gibt es sinnvolle Lösungen und die nötigen Anreize für den Ausgleich von Stromproduktionsschwankungen und zur Stromspeicherung?

Durch die Direktverteilung der erneuerbaren Energien in Echtzeit müssen die Stromversorger automatisch für entsprechende flexible Ausgleichskapazitäten sorgen. Und auch bei der Direktvermarktung müssen sich die Versorger um einen Mix an Energieformen bzw. Stromspeicheroptionen kümmern, um Stromproduktionsschwankungen auszugleichen Die Einführung eines gesonderten Kapazitätsmarktes kann dadurch womöglich komplett vermieden werden.

Ist auch das Thema Wärme in Ihrem Konzept enthalten? Falls nein, warum nicht?

Das Thema Wärme ist im Rahmen des Energiewendegesetzes berücksichtigt.

Welche Rolle spielt die Möglichkeit von Bürgerpartizipation in dem Modell?

Der Erhalt der Mindesteinspeisevergütung ermöglicht weiterhin insbesondere dezentralen Investoren wie Bürgerenergiegesellschaften die Energiewende mitzugestalten. Darüber hinaus schlägt das WVW-Papier diverse Möglichkeiten zur Stärkung der Bürgerbeteiligung sowie zur Mobilisierung des dort vorhandenen kreativen und finanziellen Kapitals vor.

Wie stark spielt Klimaschutz und CO2 Reduktion eine Rolle in dem Vorschlag?

Klimaschutz und CO2 Reduktion ist das grundlegende Ziel beim Umstieg auf 100% erneuerbare Energien. Darüber hinaus wird mit dem Energiewendegesetz eine Wiederbelebung des Emissionshandels angestrebt.

Die Übersichts-Check-Box

Germanys Next Top EEG

Tabelle: Auswertung WVW Marktmodell Energiewende

Weitere Reformvorschläge, die bisher vorgestellt und analysiert wurden

Eine Übersicht über alle von den Energiebloggern untersuchten Reformvorschläge gibt es hier:


Autorin Kathrin Hoffmann

Kathrin Hoffmann

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