Energiewende – Die Revolution hat schon begonnen

06. März 2014 - 10:00 Uhr
von Silvia Augustin
zu  Branche der erneuerbaren Energien

Es ist kein Zufall, dass dieser Blogbeitrag am 6. März 2014 um exakt 10 Uhr erscheint. Ebenso wenig ist es ein Zufall, dass im Netzwerk der Öffnet den Link in einem neuen FensterEnergieblogger zeitgleich eine ganze Blog-Parade mit Beiträgen zum Thema dezentrale Energiewende online geht. Am 6. März 2014 um 10 Uhr meldet sich bundesweit die gesamte Branche der erneuerbaren Energien mit konzertierten Aktionen zu Wort, um auf die Gefahren der künftigen Beschränkungen für den weiteren Ausbau der Erneuerbaren hinzuweisen. Mit dem Öffnet den Link in einem neuen Fensterdezentralen Aktionstag will die Initiative „Erneuerbare Energiewende Jetzt“ des Öffnet den Link in einem neuen FensterBundesverbands Erneuerbare Energien (BEE) die zahlreichen politischen Gespräche der Branchenverbände zur Zukunft des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) unterstreichen und den Unternehmen kurzfristig selbst Gehör verschaffen. Denn allen Unwägbarkeiten des jetzigen Entwurfes zur EEG-Novelle zum Trotz ist eines klar: Die Zeit drängt. Nach Öffnet den Link in einem neuen FensterAngaben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) soll der Gesetzentwurf des novellierten EEG am 8. April 2014 vom Kabinett beschlossen werden und das reformierte EEG zum 1. August 2014 in Kraft treten. Bevor die Weichen für die Zukunft der Energiewende gestellt werden, lasse ich in meinem Beitrag zur heutigen Blog-Parade den Energiepolitik-Berater und Autor Roger Hackstock zu Wort kommen. Mit seinem aktuell erschienenen Buch „Energiewende – Die Revolution hat schon begonnen“ liefert er ein ebenso überzeugendes wie unterhaltsames Plädoyer für eine dezentrale Energiewende. Er zeigt auf, wie die Energiewende-Revolution im kommenden Jahrzehnt erfolgreich fortgeführt werden kann, und gibt wertvolle Tipps, was jeder Einzelne dazu beitragen kann.

25 Prozent erneuerbare Energien: Jetzt geht es ums Geld

Die Energiewende ist die Antwort auf den Klimawandel und der ist da – für Roger Hackstock sogar sichtbar. Als Indikator dient ihm ein Hinweisschild auf der Pasterze am Großglockner, Österreichs größtem Gletscher. Seit er 1966 als Kind das erste Mal dort war, ist der Gletscher infolge der globalen Erwärmung um mehrere hundert Meter geschrumpft, davon allein im Jahr 2012 knapp 100 Meter. Über den eigenen Zeithorizont hinaus zeichnet Hackstock in den Eingangskapiteln seines Buches die Geschichte des Klimawandels sehr anschaulich nach, von ersten Warnungen des Chemikers Svante Arrhenius vor über hundert Jahren über den exponentiellen Anstieg der sogenannten Keeling-Kurve als Index für den Kohlendioxidanstieg in der Luft bis zum aktuellen Stand der Energieversorgung mit einem Anteil von 25 Prozent aus erneuerbaren Energien. Zu verdanken ist das nicht zuletzt den Tausenden Bürgern und Gemeinden, welche die Energie aus Wasser, Wind, Sonne oder Biomasse direkt vor ihrer Haustür erzeugen und sich in Genossenschaften zusammenschließen, um Wind- oder Solarparks zu errichten. Doch auch bei der Energiewende geht es im Kern ums Geld, betont Hackstock, und somit um die Frage: Wer wird die Energieversorgung der Zukunft bestimmen und wer wird an ihr verdienen? Mit einem Marktanteil von 25 Prozent hat die Versorgung mit Energie aus erneuerbaren Quellen heute eine Größenordnung erreicht, die für Konzerne zum Problem wird. Nur sieben Prozent der Ökostromanlagen in Deutschland wurden von den traditionellen Energieversorgern RWE, E.ON, Vattenfall Europe und EnBW errichtet. Die vielen kleinen, dezentralen Kraftwerke befinden sich dagegen vielfach in Bürgerhand, sodass die Einnahmen an den Kassen der traditionellen Energieversorger vorbei in die Portemonnaies von Privatpersonen, Landwirten oder Gewerbetreibenden fließen. Noch dazu ist das Ziel der neuen Konkurrenz nicht allein die maximale Rendite, sondern der größte Nutzen für die Bevölkerung und die regionale Wirtschaft. Den „Machtspielen“ im Spannungsfeld zwischen Konzernen und Bürgerbeteiligungen widmet Hackstock aufgrund der aktuellen Brisanz ein eigenständiges Kapitel, an dessen Ende er resümiert: „Die Energiewende führt zu einer Demokratisierung der Energieversorgung, die das Machtmonopol der klassischen Energieversorger aufbricht. Diese werden dabei keinesfalls tatenlos zusehen, sie arbeiten bereits daran, das Tempo der Energiewende zu verlangsamen.“

„Nicht auf die Zukunft warten, sondern daran arbeiten“

Schon seit den 1970er Jahren engagieren sich Bürger und Gemeinden für eine umweltfreundliche, regionale und unabhängige Energieversorgung. Die Energiewende hat also längst begonnen, ihre Zukunft stellt jedoch neue Anforderungen an die Energieversorgung. Es braucht einen Plan für die großflächige Umsetzung der Energiewende. Lokale Initiativen und Kleinversorger müssen zu einen Gesamtkonzept zusammengefasst werden, neue Technologien und neue Regeln für die Energiewirtschaft sind erforderlich. Mit Blick auf das kommende Jahrzehnt geht Hackstock den zentralen Fragen nach, die eine großflächige Umsetzung der Energiewende mit sich bringt: Was braucht es, um die Versorgung mit Öko-Strom und -Wärme rund um die Uhr zu gewährleisten? Wie funktioniert der Transport, wie die Speicherung der Überschüsse? Wird Energie dann teuer? Welche Weichen müssen für die Zukunft gestellt werden? Und was können wir selbst zur Energiewende beitragen? Bemerkenswert ist, wie offen Hackstock den Leser an eigenen Erfahrungen und Erlebnissen teilhaben lässt und wie schonungslos er einen unverstellten Blick auf die eigenen Reihen richtet:

„Die Verfechter der erneuerbaren Energie sehen unser Energiesystem tatsächlich als eine Art Blackbox, in die die klassischen Energieversorger automatisch immer jene Energiemenge nachfüllen, die sie selbst gerade nicht liefern können. Das ist ein wenig wie bei Studenten, die im Streben nach völliger Unabhängigkeit mit stolzer Miene von zu Hause ausziehen und dann jede Woche heimkehren, um ihre Wäsche von Mama waschen zu lassen. Tatsächlich müssen derzeit fossile Kraftwerke hochgefahren werden, wenn nicht genug Ökostrom zur Verfügung steht. (…) Eine wirkliche Energiewende verlangt dagegen, dass erneuerbare Energien die gesamte Verantwortung für die Versorgung übernehmen, ohne fossiles und atomares Backup.“ Ertappt? Jein. Richtig ist in der Tat, dass es noch bis ins Jahr 2013 hinein einen gewissen Mangel an Konzepten gab, die als Lösungsansatz für die hoch komplexe Frage des zukünftigen Strommarktdesigns taugten. Richtig ist aber auch, dass die Branche der erneuerbaren Energien ihre Hausaufgaben inzwischen gemacht und der neuen Bundesregierung eine Vielzahl an Reformvorschlägen und Studien zum EEG und dem zukünftigen Strommarktdesign an die Hand gegeben hat. Die Vielfalt der Ansätze hat die Energieblogger inspiriert, nach Öffnet den Link in einem neuen FensterGermanys Next Top EEG (GNTEEG) zu fahnden. Welches Modell welchen Platz erzielt hat, verrät in Kürze das abschließende Ranking.

Wie diejenigen, die diese Modelle und Reformvorschläge erarbeitet oder in Auftrag gegeben haben, verfolgt auch Hackstock das Motto: „Wir warten nicht auf die Zukunft, sondern wir arbeiten daran.“ Es hat die Zeilen sogar zum Text seines Bildschirmschoners auserkoren, um sich Tag für Tag daran erinnern zu lassen. Das mutet seltsam an für einen, der mit lockerer Feder einen spannenden Ausblick auf das kommende Jahrzehnt der Energiewende gibt. Vielleicht fühlt es sich für ihn nach Fertigstellung seines Buches aber schon ganz alltäglich an, was für uns noch konkret werden will: ein eigener Baustil des Solarzeitalters, der Einzug der Energieautarkie in die Praxis, erneuerbare Wärme für alle, das Zusammenwachsen von Strom und Wärme und die Abkehr vom eigenen Auto, wie sie bislang nur bei Jugendlichen zu beobachten ist. Nach Auffassung von Hackstock verlangt die Energiewende den Mut jedes Einzelnen, indem er mit altbekannten Traditionen bricht, ohne Vorbilder zu haben, an die er sich halten kann. Er ist überzeugt, „dass am Ende eine neue Epoche entsteht, die nicht bei ein paar Solaranlagen auf dem Dach oder Windkraftanlagen auf dem Acker Halt machen wird.“ Interessant ist in diesem Zusammenhang ein kürzlich Öffnet den Link in einem neuen Fensterauf Ecoquent Positions erschienenes Interview, in dem er die These vertritt, dass die Energiewende in der Stadt künftig wie auf dem Land dezentral erfolgen muss. Dieser Gedanke ist noch relativ neu, aber umso spannender.

Was wir alle für die Energiewende tun können: Energiewende retten!

Nicht neu aber bewährt ist das, was wir alle für die Energiewende tun können. Um nur zwei Beispiele zu nennen: Öffnet den Link in einem neuen FensterUmsteigen auf Ökostrom und – unermüdlich – für die Energiewende demonstrieren. Auf bald also bei der Öffnet den Link in einem neuen FensterEnergiewende-Demo am 22. März in Hannover oder der Groß-Demo am 10. Mai in Berlin, wenn es wieder heißt: „Energiewende retten – Sonne und Wind statt Fracking, Kohle und Atom.“

Der Autor

Windpark Laatzen Foto: Verlag Kremayr & Scheriau

Roger Hackstock, geboren 1963, studierte Elektrotechnik mit Schwerpunkt Umwelttechnik an der TU Wien. Von 2002 bis 2013 war er als Geschäftsführer des Branchenverbandes Austria Solar tätig. 2012 sorgte er mit dem ersten solaren, nur bei Sonnenlicht sichtbaren Jahresbericht in der Werbebranche weltweit für Aufsehen. Seit 2013 ist er als Mitglied im europäischen Energiewirtschafts-Think-Tank Energy Academy und als freiberuflicher Energiepolitik-Berater aktiv. Sein täglicher Einsatz für die Energiewende ist auf Twitter zu verfolgen: Öffnet den Link in einem neuen Fensterhttps://twitter.com/RogerHackstock

Das Buch

Roger Hackstock, „Energiewende – die Revolution hat schon begonnen“, erschienen im Februar 2014, 224 Seiten, Verlag Kremayr & Scheriau, 22 Euro, auch als Öffnet den Link in einem neuen FensterE-Book erhältlich.

Dezentrale Energiewende im Fokus der Energieblogger


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In der Öffentlichkeit ein möglichst umfassendes Bild davon zu zeichnen, wer Windwärts ist und was Windwärts macht – das ist mein Anspruch an unsere Kommunikation. Als Pressesprecherin bin ich die richtige Ansprechpartnerin für alle Fragen rund um Windwärts als Unternehmen und in Sachen Öffentlichkeitsarbeit bin ich die erste Adresse für Interessenten im Bereich Spenden, Sponsoring und Umweltbildung.

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