Energiepolitik unter Schwarz-Rot – Handlungsbedarf aus Sicht des BEE

10. Januar 2014 - 11:57 Uhr
von Kathrin Hoffmann
zu  Branche der erneuerbaren Energien

Vom Öffnet den Link in einem neuen FensterBundesverband Erneuerbare Energie (BEE) gab es bereits im Oktober 2013 konkrete Vorschläge für die Weiterentwicklung der Energiepolitik unter der neuen Bundesregierung. Diese spiegeln sich im Koalitionsvertrag von Schwarz-Rot bisher kaum wieder, aber die konkrete Ausgestaltung steht ja noch bevor. Im Rahmen der Öffnet den Link in einem neuen FensterEnergieblogger-Aktion „Germany's Next Top EEG“ untersuchen wir derzeit verschiedene Studien und Reformvorschläge zum EEG sowie einem neuen Strommarktdesign und prüfen, welche Konzepte eine geeignete Basis für das weitere Gelingen der Energiewende bieten. Dafür habe ich nun die Vorschläge und Forderungen des BEE genauer unter die Lupe genommen. Hier sind die Ergebnisse.

Allgemeine Informationen zu den Vorschlägen des BEE


Kurzbeschreibung der BEE-Vorschläge

Die BEE-Vorschläge für die Weiterentwicklung der Energiepolitik basieren auf der Grundüberzeugung, dass die erneuerbaren Energien immer mehr zum leitenden Element der Energieversorgung werden. Das gilt über kurz oder lang für alle Verwendungsbereiche: Strom, Wärme, Mobilität. Das Versorgungssystem (Erzeugungs- und Verteilungstechniken, Energiemärkte) muss sich daher an den Spezifika der erneuerbaren Energien ausrichten. Der BEE benennt vor diesem Hintergrund wesentliche Schritte für die Energiepolitik der nächsten vier Jahre.


Offene Fragen zum Konzept

Wie unterscheidet es sich vom bisherigen EEG bzw. warum meinen Sie, dass das Bestehende geändert werden muss?

Das alte Stromversorgungssystem mit seinen fossil-atomaren Grundlastkraftwerken und die überwiegend volatilen erneuerbaren Energien prallen derzeit fast unvereinbar aufeinander. Je eher und genauer das Energiesystem an die Erfordernisse der volatilen erneuerbaren Energien angepasst wird, desto reibungsloser kann die Energiewende verlaufen. Daher ist Mut zu einem Paradigmenwechsel hin zu einer echten Systemtransformation erforderlich. Darüber hinaus brauchen wir ein energiepolitisches Gesamtkonzept, das die Bereiche Strom, Wärme und Mobilität umfasst und den Klimaschutz in den Mittelpunkt der Energiepolitik stellt.
Der BEE macht konkrete Vorschläge für die Reform des EEG sowie die Anpassung weiterer rechtlicher Rahmenbedingungen der Energiewende und nennt darüber hinaus auch konkrete Maßnahmen für die Energiewende in den Bereichen Wärme und Mobilität.

Fördert dieses System eher eine zentrale oder dezentrale Energieversorgung?

Die Energiewende ist in Deutschland zur Bürgerbewegung geworden. Die BEE-Vorschläge zielen darauf ab, die dezentrale Energiewende in Bürgerhand weiterhin zu fördern.

Wie definieren Sie die Energiewende?

Komplette Umstellung der Bereiche Strom, Wärme und Mobilität auf erneuerbare Energien

Welches übergeordnete Ziel liegt dem Vorschlag zu Grunde?

Die BEE-Vorschläge orientieren sich an verschiedenen politisch vereinbarten Zielen, streben jedoch grundsätzlich die schnellstmögliche Umsetzung der Energiewende an.

Wie sieht die Finanzierung dieses Modells aus? Gibt es schon genaue Berechnungen dazu?

Neben einer Reform der EEG-Umlage, in dessen Zentrum der Ausgleichsmechanismus bzw. das EEG-Paradoxon sowie die Industrieprivilegien stehen, muss die Finanzierung von erneuerbaren Energien künftig dahingehend weiterentwickelt werden, dass

  • Kostentransparenz und Kostengerechtigkeit zwischen erneuerbaren, fossilen sowie atomaren Energieträgern hergestellt wird,
  • die Ausbaudynamik der Windenergie an Land sowie der Photovoltaik zumindest aufrechterhalten, eher noch erhöht wird,
  • die größtmögliche Akteurs- und Technologievielfalt erhalten bleibt,
  • die für erneuerbare Energieanlagen notwendige langfristige Investitionssicherheit wiederhegestellt und dabei Kosteneffizienz gewährleistet wird.

Ein konkretes Finanzierungsmodell oder konkrete Berechnungen beinhalten die BEE-Vorschläge nicht.

Welche Energieform wird von diesen Änderungen am meisten profitieren und bei welchen sollte der Ausbau verlangsamt werden?

Alle Formen der erneuerbaren Energien müssen künftig verstärkt ausgebaut werden, daher schlägt der BEE Maßnahmen zur Weiterentwicklung und Förderung aller erneuerbaren Energieträger vor.

Wie bringt dieses System Kostenwahrheit in den Markt? Werden externe Kosten beachtet?

Um die immensen Marktverzerrungen zu beseitigen müssen die Kosten des CO2-Ausstoßes über einen funktionierenden Emissionshandel oder über eine CO2-Besteuerung in den Strompreisen abgebildet werden. Das EEG-Paradoxon muss aufgehoben werden und sinkende Börsenpreise müssen an die Stromkunden weitergegeben werden.
Der BEE fordert Kostentransparenz und Kostengerechtigkeit zwischen allen Energieformen, wobei auch die externen Kosten eingerechnet werden müssen.

Wie sieht in Ihrem Konzept das Zusammenspiel der verschiedenen Energieformen aus? Gibt es sinnvolle Lösungen und die nötigen Anreize für den Ausgleich von Stromproduktionsschwankungen und zur Stromspeicherung?

Kurz- bis mittelfristig sollte eine Strategische Reserve eingeführt werden. Langfristig müssen die Erneuerbaren alle Funktionen übernehmen, die zuvor von fossil-atomaren Kraftwerken erfüllt werden. Dazu gehören eine gesicherte, am Verbrauch orientierte Stromproduktion sowie Systemdienstleistungen zur Netzstabilisierung. Hier spielen folgende Aspekte eine wichtige Rolle:

  • Weiterentwicklung der Bioenergiebranche (flexible Fahrweise von Biogasanlagen, Speicherung von Biomethan im Erdgasnetz)
  • Ausbau von Pumpspeicherkraftwerken
  • Stärkere Nutzung der Kraft-Wärme-Kopplung
  • Abbau von Hürden, die dem lokalen Verbrauch von lokal erzeugtem Strom im Wege stehen
  • Förderung und Markteinführungsinstrumente für Speichertechnologien
  • Förderung der Elektromobilität mit intelligenter Ladetechnik

Ist auch das Thema Wärme in Ihrem Konzept enthalten? Falls nein, warum nicht?

Für die Energiewende im Wärmesektor schlägt der BEE Gesetzesänderungen und staatliche Anreize für die Modernisierung von Heizungsanlagen, die Sanierung von Gebäudehüllen sowie  den Einsatz von erneuerbaren Energien vor.

Welche Rolle spielt die Möglichkeit von Bürgerpartizipation in dem Modell?

Da die Bürgerpartizipation bei der Energiewende in Deutschland von großer Bedeutung ist, verfolgt der BEE das Ziel der Verstärkung des Bürgerengagements.

Wie stark spielt Klimaschutz und CO2 Reduktion eine Rolle in dem Vorschlag?

Klimaschutz und CO2-Reduktion sollten in den Mittelpunkt der Energiepolitik gerückt werden. Deutschland muss seine Vorreiterrolle wieder stärker wahrnehmen und sich ambitionierte Ziele setzen (Reduktion des CO2-Ausstoßes bis 2020 mindestens um 40% im Vergleich zu 1990). Der Klimaschutz muss international wahrnehmbar ernst genommen werden, damit die europäische und internationale Klimaschutzpolitik Erfolg haben können.

Die Übersichts-Check-Box

Germanys Next Top EEG

Tabelle: Auswertung BEE-Vorschläge zu den Koalitionsverhandlungen

Weitere Reformvorschläge, die bisher vorgestellt und analysiert wurden

Zuvor im Windwärts Blog erschienen:

Eine Übersicht über alle von den Energiebloggern untersuchten Reformvorschläge gibt es hier:


Autorin Kathrin Hoffmann

Kathrin Hoffmann

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Kommentare

von Internistenpraxis Müller am 10. Januar 2014 - 23:25 Uhr Twitter praxis_mueller


von Kathrin Hoffmann am 10. Januar 2014 - 20:54 Uhr

Hallo K. Müller,

da stimme ich Ihnen voll und ganz zu. Im Bereich Energieeffizienz liegt ein riesen Potenzial für die Reduzierung unserer CO2-Emissionen und damit auch für die Energiewende.
Vielen Dank für Ihr eindrucksvolles Praxisbeispiel! Hoffentlich findet es viele Nachahmer!

von Internistenpraxis Müller am 10. Januar 2014 - 18:04 Uhr Twitter: praxis_mueller

Hallo Frau Hoffmann,
Zustimmung, was die Planungen des BEE betreffen.
Sicherlich spielt auch die Energieeinsparung im Bereich Strom, Mobilität und Wärme eine immense Rolle, hier eine Aufstellung unserer Daten vor und nach unserer privaten Energiewende:
Wärme: Wechsel von Gasheizung auf Wärmepumpe mit Eisspeicher,
Mobilität: Verkauf des Diesel-PKW, Anschaffung eines Opel Ampera
Strom: Installation einer Photovoltaikanlage auf den Dächern des Hauses (22 kWp):

Hier ein konkretes Beispiel unseres Verbrauchs:

Vor unserer privaten Energiewende
(Vor Investition in energieeffiziente Geräte, Installation einer Wärmepumpe, Photovoltaikanlage und Anschaffung eines Opel Ampera, 4 Personen-Haushalt):

Haushaltsstrom: 5000 kWh - 10 %
Mobilität: bei 14.000 km (9l pro 100 km): 1260 l Kraftstoff ~ 12.000 kWh - 24 %
Heizung (230 qm Einfamilienhaus, Gasheizung, 18 Jahre alt): 33.0000 kWh - 66 %

Summe: 50.000 kWh

Nach unserer privaten Energiewende mit Investition in energeeffiziene Geräte, Installation einer Wärmerpumpe, Photovoltaikanlage und Kauf eines Opel Ampera):

Haushaltsstrom: 3500 kWh - ca. 29 %
Mobilität: bei 14.000 km (15 kWh pro 100 km) ca. 2100 kWh - ca 17 %
Heizung: 6.600 kWh - 54 %

Summe: ca. 12.200 kWh.

Fazit:
Allein bei dieser Umstellung liegt die Energie-Ersparnis bei 75%, von der ersparten CO2-Emission abgesehen. Mit dem Erwerb eines Batteriespeichers wird die Menges des Eigenverbrauchs noch erhöht werden, das Netz entlastet werden.

Beitrag aus Top50-Solar, modifiziert, dort als Antwort auf die Frage, wie hoch der Anteil der Mobilität am Energieverbrauchs eines Privathaushaltes ist.

Unser Heizsystem mit Eisspeicher ist unter www.heizen-eiskalt.de beschrieben.

Gruß
K. Müller

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