Talk-Runde zum Thema Bioenergie - Windwärts im Austausch mit Kirche, Naturschutz und Politik
Am 26.02. veranstaltete der Verband Entwicklungspolitik Niedersachsen e. V. (VEN) in Schladen eine Talk-Runde zur Frage „Bioenergien: Konzept für eine regionale Wertschöpfung und nachhaltige Entwicklung?“ Auf dem Podium diskutierten Uwe Baumert, stellvertretender Landesvorsitzender des NABU Niedersachsen e.V., Clemens von König, Landwirt und Geschäftsführer der Deutsche Holzenergie GmbH, Andreas Memmert, Bürgermeister der Samtgemeinde Schladen, Uwe Becker, Brot für die Welt Niedersachsen und Bernd Jojade, verantwortlich für das Nachhaltigkeitsmanagement bei der Windwärts Energie GmbH.
Die Moderatorin der Veranstaltung und Nachhaltigkeitsexpertin, Birgit Böhm von „Mensch und Region“ aus Hannover, hatte interessante Fragen im Gepäck: „Wie viel Bioenergie verträgt das Land? Wie ökologisch und wirtschaftlich ist die Nutzung von Bioenergie wirklich? Verdrängt die Energieerzeugung durch Biomasse die Nahrungsmittel- und Tierfuttererzeugung? Und welche globalen Auswirkungen ergeben sich daraus?“
Die Komplexität und Tragweite dieser Fragestellungen wurden im Verlauf der Diskussion schnell deutlich. Die große Herausforderung bestand darin, neben den lokalen und regionalen Effekten der Nutzung von Bioenergie auch den globalen Kontext zu betrachten. Auf Grundlage ihrer praktischen Erfahrungen und Erkenntnisse gelang es den Teilnehmern jedoch, diesen Bogen gemeinsam zu spannen. Am Ende der Veranstaltung war man sich einig: Die Nutzung von Bioenergie ist ein Konzept für regionale Wertschöpfung und nachhaltige Entwicklung. Entscheidend aber ist, wie Produktion und Nutzung am jeweiligen Standort konkret erfolgen.
Die traditionelle Abschlussrunde wurde genutzt, um wichtige Anliegen noch einmal auf den Punkt zu bringen:
Andreas Memmert fordert eine verstärkte Förderung von Best-Practice-Beispielen im Bereich nachhaltiger Bioenergieerzeugung. „Zudem braucht es für erneuerbare Energien grundsätzlich verlässliche Rahmenbedingungen – und keine überraschenden Änderungen, die dann lokale Projekte gefährden“, so der Samtgemeindebürgermeister.
Landwirt Clemens von König sieht neben der Politik auch die Gesellschaft in der Pflicht: „Wir müssen lernen, im Umgang mit Energie und Rohstoffen immer effizienter zu werden. In 50 Jahren ist das eine Notwendigkeit – ob politisch beschlossen oder nicht.“
Hier knüpft auch Uwe Becker an, der als Vertreter von Brot für die Welt vor allem die globalen Auswirkungen der Bioenergienutzung im Blick hat: „Wir sind alle aufgefordert, uns als politische Akteure in die Diskussion einzubringen. Und dabei müssen wir vor dem Hintergrund des Menschenrechts auf Nahrung vor allem internationale Flächenkonkurrenzen im Auge behalten.“
Für die Realisierung von Biogasprojekten in Niedersachsen wird Uwe Baumert vom NABU sehr konkret: „Biogas ist wirklich ein Multitalent. Aber die Projekte müssen aus unserer Sicht sensibler umgesetzt werden, um wirklich nachhaltig zu sein. Dazu fordere ich eine Regionalplanung und Erhöhung des Bonus für Landschaftspflegematerial. Der NABU-Niedersachsen hat in diesem Zusammenhang bereits konkrete ökologische Mindeststandards formuliert und zur Diskussion gestellt.“
Die Umweltwirkung von Biogasprojekten ist auch für Bernd Jojade von der Windwärts Energie GmbH entscheidend. „Gut konzipierte Biogasprojekte tragen zum Klimaschutz bei und sind ökologisch nachhaltig.“ Wichtig sei darüber hinaus, dass die Menschen vor Ort in die Produktion und Nutzung der Bioenergie einbezogen werden können. „In der Wertschöpfungskette eines Biogasprojektes finden sich dafür viele Beteiligungsmöglichkeiten“, so der Nachhaltigkeitsexperte der Windwärts Energie GmbH.
Zum Verband Entwicklungspolitik Niedersachsen e.V. (VEN): Der VEN ist das niedersächsische Landesnetz für Entwicklungspolitik. Gemeinsam mit seinen Mitgliedern arbeitet der VEN landesweit an Projekten, die globale Zusammenhänge und die Auswirkungen von Bundes- und Landespolitik auf die Länder des Südens transparent in die Öffentlichkeit bringen und in diesem Sinne an einer nachhaltigen Entwicklung Niedersachsens arbeiten.
Im Jahr 2008 hat der VEN auf die Ausweitung der Biomassenutzung reagiert und das Projekt „Biomassenutzung vor dem Hintergrund der Millenniumsentwicklungsziele“ initiiert. Im Mittelpunkt steht dabei die weltweite Konkurrenz zwischen Energiepflanzen- und Nahrungsmittelproduktion. Neben anderen Institutionen aus Wirtschaft, Naturschutz und Entwicklungshilfe hat die Windwärts Energie GmbH einen Sitz im Beirat dieses Projektes.
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