Die Erneuerbaren werden erwachsen – Dienstleistung am Stromnetz
Aus: Windwärts Newsletter Nr. 16, Stand: März 2011
Windenergieanlagen genießen Vorfahrtsrecht bei der Einspeisung elektrischer Energie in unser Stromnetz. Bei der Stromnetzregelung kann dies zu Problemen führen, etwa wenn an stürmischen Tagen in norddeutschen Regionen die Windenergieanlagen mehr Strom produzieren und einspeisen, als dort verbraucht wird. Regionales Stromüberangebot und ein ungünstiges Betriebsverhalten der Anlagen im Netzfehlerfall birgt erhebliche Netzausfallrisiken. Um dies in Anbetracht des sich rasch wandelnden Kraftwerkparks hin zu erneuerbaren Energien zu vermeiden, haben sich Ingenieure der Energiewirtschaft und Politiker auf drei Handlungsfelder geeinigt.
Seit Jahresbeginn müssen Windenergieanlagen in der Lage sein, einen Kurzschluss im Stromnetz kontrolliert zu durchfahren. Künftig wird es nicht mehr zulässig sein, dass tausende von Anlagen im Netzfehlerfall abschalten und dadurch die Stabilität des Stromnetzes gefährden.
Darüber hinaus sind Windenergieanlagen elektrotechnisch so auszurüsten, dass sie bei lokalen Netzengpässen über Steuersignale aus den Leitwarten der Netzbetreiber in ihrer Stromproduktion heruntergefahren werden können. Der dadurch verursachte wirtschaftliche Schaden ist den Betreibern der betroffenen Anlagen zu ersetzen. Die Möglichkeit des Herunterfahrens dezentraler Stromerzeugungsanlagen entbindet die Netzbetreiber jedoch nicht von ihrer gesetzlichen Pflicht, Netzverstärkungsmaßnahmen durchzuführen, um solche Engpässe zu vermeiden.
Außerdem sollen die Netzbetreiber die Möglichkeit erhalten, von den Windenergieanlagen Blindleistung abzurufen. Durch Nutzung dieser so genannten Phasenschieberfunktion kann das Stromnetz mehr Leistung übertragen, die Leitungsverluste können reduziert werden. Das Bereitstellen von Blindleistung ist für die Windenergieanlagen ohne merkliche Ertragseinbußen möglich, erfordert jedoch bei älteren Anlagen die Installation zusätzlicher Komponenten. Um einen Anreiz zur Umrüstung älterer Anlagen zu schaffen, wird über einen Zeitraum von fünf Jahren ein Bonus bezahlt.
Die beschriebenen Maßnahmen stellen eine Weiterentwicklung des Energiesystems dar. Mit der Übernahme von Netzstabilisierungsaufgaben werden Windenergieanlagen aktiv in das Lastmanagement unseres Stromnetzes einbezogen. Diese Fähigkeiten werden inzwischen auch für dezentrale Stromerzeugungsanlagen auf der Basis anderer Energieträger gefordert. Damit ist der Weg für erneuerbare Energien als Hauptenergielieferanten unseres zukünftigen Energieversorgungssystems bereitet.




