Zum Verhältnis von Windenergie und Wild – Wer wird denn gleich vergrämt sein?

31. Mai 2013 - 16:39 Uhr
von Dr. Stefan Dietrich
zu  Wissenswertes zur Windenergie

Die meisten Leute kennen Wild ja nur aus dem Auto- oder Zugfenster oder als leckeren Rehrücken. Eine Gruppe von Menschen befasst sich aber intensiver damit: die Jäger. Und wie wir jetzt feststellen konnten, haben diese auch eine Menge spezielle Fragen, was Windenergie angeht. In unserem ersten Öffnet den Link in einem neuen FensterWaldprojekt im hessischen Weilmünster haben wir die Fragen gesammelt, die die Menschen vor Ort zum geplanten Windpark haben. Und eine für mich überraschend große Anzahl der Fragen drehte sich dabei um Wild und Jagd. Wird die Jagd beeinträchtigt oder das Wild gestört? Was müssen Jäger in der Nähe der Anlagen beachten? Diese Fragen waren neu für uns, aber es gibt durchaus Untersuchungen, die belegen, dass sich Wildtiere recht schnell an die Windenergieanlagen gewöhnen.

Allzu viele Informationen sind allerdings nicht zu finden zu dem Thema, daher habe ich unseren hausinternen Experten gefragt. Marcus Polaschegg aus dem Bereich Projektentwicklung ist selbst passionierter Jäger.

Wie scheu sind Wildtiere, wenn es um Windenergie geht?

Nach allem, was wir nach derzeitigem Forschungsstand wissen, gewöhnen sich Wildtiere  recht schnell an die Anlagen.  Für das so genannte Niederwild – darunter verstehen wir Jäger kleinere Arten wie Hasen, Fasane und Tauben, aber auch Rehe –  gibt es bereits wissenschaftliche Studien, die belegen, dass Windenergieanlagen die Tiere während der Betriebsphase nicht „vergrämen“, wie der Jäger sagt, also vertreiben. Da sich die Windräder nicht vom Fleck bewegen, stellen sie für die Tiere eine gleich bleibende und damit kalkulierbare mögliche Bedrohung dar. Das kann man vergleichen mit Autobahnen oder Bahntrassen, in deren Nähe Rehwild und auch Rotwildrudel beim „Äsen“ beobachtet werden können. Die drehenden Rotoren nimmt das Wild an Waldstandorten durch die Baumkronen kaum wahr, und die von den Anlagen kommenden Geräusche werden durch den Bewuchs größtenteils geschluckt. Da moderne, große Windenergieanlagen zudem mehrere Hundert Meter auseinander stehen, stellen sie auch keine unüberwindbaren Barrieren für die Tiere dar. Gerade für das Niederwild bieten die Anlagen sogar zusätzlichen Schutz, da besonders Rabenkrähen, aber auch Greifvögel, die unmittelbare Nähe der Anlagen meiden.

Für das Hochwild, vor allem das Rotwild, fehlen die spezifischen Studien durch Besenderung einzelner Tiere noch, aber Hochwildexperten verschiedener Bundesländer sind sich einig darin, dass auch diese Tiere sich nach Abschluss der baulichen Aktivitäten relativ schnell an die Anlagen gewöhnen.

Welche Auswirkungen haben Windparks auf Wild und Jagd?

Aus Sicht des Jägers überwiegen überraschender Weise eher die positiven Auswirkungen. Der Bau von Windenergieanlagen bedeutet häufig eine Aufwertung der Lebensräume des Wildes. Dazu trägt zum Beispiel die Begrünung des Fundamentfußes bei, die inmitten von Ackerflächen oder auch in Waldflächen ein attraktives Nahrungsangebot für das Wild darstellt. Gerade im Wald können auf den für Betrieb und Abbau der Anlagen erforderlichen Freiflächen auch Äsungsflächen für die Tiere gestaltet werden. Ein weiteres Plus sind die Ausgleichsmaßnahmen für den Eingriff in Natur und Landschaft. Egal, ob Hecken, Blühstreifen, Waldrandgestaltung, Extensivgrünland oder Aufforstung – für das Wild ergeben sich daraus mitunter erhebliche Lebensraumaufwertungen. Wir bieten den Revierpächtern vor Ort grundsätzlich die Möglichkeit, sich einzubringen und frühzeitig Einfluss darauf zu nehmen, wie diese Maßnahmen ausgestaltet werden. Die entstehenden Nachteile, vor allem in der Bauphase, fallen gegenüber der sehr langen Betriebszeit der Anlagen kaum ins Gewicht. Und jedes Problem kann individuell im Dialog gelöst werden. Darüber hinaus sollte nicht vergessen werden, dass viele Revierpächter auch gleichzeitig Waldbesitzer sind, für die eine Windparkplanung eine Möglichkeit darstellt, auf ihren Flächen nennenswerte zusätzliche Einkommen zu erwirtschaften.

Wer sich näher für dieses Thema interessiert findet auf der Öffnet den Link in einem neuen FensterWebsite zu unserem Windenergieprojekt in Weilmünster weitere Fragen und Antworten.


Autor Dr. Stefan Dietrich

Dr. Stefan Dietrich

Als Windwärts Pressesprecher bin ich dafür zuständig, dass die Medien und Menschen vor Ort immer gut über unsere Projekte informiert sind. Das heißt, ich informiere die Lokalpresse über Genehmigungen, Baufortschritte, Inbetriebnahmen u.ä. und empfange Besichtigungsgruppen in unseren Wind- und Solarparks. Darüber hinaus habe ich die aktuellen Entwicklungen der Branche im Blick (den Dr. habe ich schließlich in Politikwissenschaft gemacht).

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