Weltweit mehr Erneuerbare Energien für weniger Geld

27. Juni 2017 - 15:20 Uhr
von Dr. Stefan Dietrich
zu  Branche der erneuerbaren Energien

  • Windenergieanlage Utah USA

Öffnet den Link in einem neuen Fenster„Was ist schon ein Jahr?” fragte der irische Sänger Johnny Logan 1980 in der deutschen Version seines Siegertitels des Grand Prix Eurovision de la Chanson, wie der europäische Sangeswettbewerb damals hieß. Nun, im Bereich der erneuerbaren Energien kann in einem Jahr ganz schön viel auf die Beine gestellt werden, wie auch in diesem Jahr wieder der Öffnet den Link in einem neuen Fenster„Global Status Report” von REN21 belegt, des „Renewable Energy Policy Network for the 21st Century”. Der laut Presse als „Bibel” der Branche geltende Bericht für das Jahr 2016 wurde am 7. Juni 2017 in Paris der Öffentlichkeit vorgestellt. Und damit sind mittlerweile zwei Traditionen verbunden: Die Wissenschaftler verkünden beeindruckende und erfreuliche Zahlen, und wir stellen die Ergebnisse hier im Blog dar.

Ausbau der erneuerbaren Energien schreitet voran – und kostet weniger

Für das Jahr 2016 können wir die Fortsetzung zweier erfreulicher Trends feststellen: Der Ausbau der erneuerbaren Energien schritt voran, und bereits im dritten Jahr in Folge stiegen die mit der Energieerzeugung verbundenen CO2-Emissionen nicht an, und das obwohl die Preise für fossile Brennstoffe vergleichsweise niedrig blieben.

Wie bereits seit Längerem trug auch im Jahr 2016 der Ausbau im Stromsektor am meisten zum Wachstum der Erneuerbaren bei. Mit dem Zubau von insgesamt 161 Gigawatt (GW) an Erzeugungskapazitäten für umwelt- und klimafreundlichen Strom hat die Welt, erneut angeführt von China, einen neuen Rekord aufgestellt. So viel war bis dato noch in keinem Jahr zugebaut worden. Damit stieg die Gesamtkapazität zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien um 9% auf 2.017 GW. In den Bereichen Wärme und Verkehr waren zwar auch Zuwächse zu verzeichnen, diese fielen aber deutlich geringer aus als im Stromsektor.

Auffällig ist, dass diese teilweise deutlichen Zuwächse mit gesunkenen Gesamtinvestitionen erreicht wurden. Diese gingen im Vergleich zum Vorjahr um immerhin 23% zurück und lagen 2016 noch bei 241,6 Mrd. US-Dollar, was etwa 215 Milliarden Euro entspricht. Mehr Energie für weniger Geld: Offensichtlich sind die Kosten für den Bau von Anlagen zur Erzeugung von Energie aus erneuerbaren Quellen deutlich gesunken. Das verheißt Gutes für die Zukunft, denn erneuerbare Energien sind bereits heute vielfach die kostengünstigste Form der Energieerzeugung, und dieser Trend verstärkt sich kontinuierlich. Am meisten Geld wurde in China investiert, bei den Investitionen pro Kopf hat sich Bolivien auf die erste Stelle katapultiert, gefolgt vom Senegal und von Jordanien. Die verstärkte Nutzung erneuerbarer Energien ist ohne Zweifel ein globaler Trend.

Jobs in Erneuerbaren Der Ausbau der Erneuerbaren schafft weltweit Arbeitsplätze

Der Umbau der Energieversorgung schafft natürlich auch Jobs im Bereich der erneuerbaren Energien. Die Zahl der in diesem Bereich beschäftigten Personen stieg im Jahr 2016 auf insgesamt 9,8 Millionen Menschen weltweit, davon 1,15 Millionen in der Windbranche. Mehr als ein Drittel arbeitet in China, mehr als eine Million in Brasilien. In Deutschland sind 340.000 Menschen in den erneuerbaren Energien beschäftigt, in der gesamten EU sind es mehr als 1,2 Millionen.

Windenergie wird weltweit wichtiger

Wie angesichts der bereits genannten Zahlen nicht anders zu erwarten, hat auch die Windenergie im Jahr 2016 erneut einen Schritt nach vorne getan. Insgesamt wurden weltweit 55 GW an neuer Leistung in Betrieb genommen, der zweithöchste jährliche Zubau überhaupt. Damit stieg die installierte Gesamtleistung um 12% auf nun 487 GW. In mehr als 90 Ländern dieser Erde wird die Kraft des Windes nun im größeren Maßstab zur Stromerzeugung genutzt, und in 29 davon beträgt die installierte Leistung mehr als 1 GW. Neuzugänge auf der Landkarte der Windenergie im Jahr 2016 sind Bolivien und Georgien, in denen die ersten Windparks ans Netz gingen. Weltmarktführer bei der Neuerrichtung von Windenergieanlagen war auch 2016 China, wie bereits seit Jahren. Allerdings hat sich die Wachstumsgeschwindigkeit im Reich der Mitte im vergangenen Jahr deutlich verlangsamt, was unter anderem an massiven Problemen bei der Netzintegration liegt. Dennoch sind die 23,4 GW an installierter Leistung fast das Dreifache dessen, was in den USA in Betrieb genommen wurde, die Platz 2 auf der Rangliste belegen. Dort fand der Ausbau übrigens vor allem in konservativen und überwiegend republikanischen Staaten wie Texas und Oklahoma statt. Offenbar zählt eine zukunftsfähige Energieversorgung dort mehr als Ideologie. Deutschland konnte es erneut aufs Treppchen schaffen, gefolgt von Indien und Frankreich. In vielen weiteren Ländern war 2016 ein Rekordjahr für den Zubau neuer Windenergiekapazitäten, darunter die Türkei, Finnland und Chile. Andere Länder haben erstmals große Mengen an Windenergieleistung ausgeschrieben, etwa Vietnam, Saudi-Arabien, Marokko und Russland.

Zubau Windenergie Es geht weltweit aufwärts mit der Windenergie

Um dieses Wachstum zu erreichen, werden viele Arbeitskräfte gebraucht. Im Jahr 2016 waren weltweit etwa 1,15 Millionen Menschen in der Windenergiebranche beschäftigt. Die Hälfte davon arbeitet in China, wo nicht nur die meisten Anlagen geplant, errichtet und betrieben werden, sondern auch vier der zehn größten Hersteller von Windenergieanlagen ihren Sitz haben. Das sind auch die einzigen Unternehmen unter den Top 10, die nicht in Deutschland beheimatet sind oder hier zu Lande über Produktionsstätten verfügen. Nicht zuletzt deshalb liegt Deutschland bei der Arbeitsplatz-Statistik mit fast 143.000 Beschäftigten auf dem zweiten Platz, gefolgt von den USA. In der gesamten EU bietet die Windenergie Arbeit für mehr als 300.000 Menschen.

Es geht voran

Der Trend zum Ausbau der erneuerbaren Energien im Allgemeinen und der Windenergie im Besonderen war auch im Jahr 2016 ungebrochen, und zwar weltweit. Inzwischen wird in so vielen Ländern am Ausbau der Windenergie gearbeitet, dass ein verlangsamtes Wachstum in China, dem unangefochtenen Marktführer, durch andere Märkte ausgeglichen werden kann. Besonders auffällig im vergangenen Jahr war, dass der starke Zubau an erneuerbaren Erzeugungskapazitäten mit deutlich geringeren Investitionen erreicht werden konnte. Die Erneuerbaren sind also deutlich günstiger geworden. Da auch das eine kontinuierliche Entwicklung ist, stehen die Zeichen gut für den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien als wesentlichem Pfeiler der weltweiten Energieversorgung. Diesen Trend können Lobbygruppen und Politiker zwar hier und da verlangsamen, aber umkehren werden sie ihn nicht mehr. Und das ist auch gut so. Denn der Weg ist noch lang, auch wenn wir Jahr für Jahr Schritte in die richtige Richtung machen.

Windenergieanlage Iowa Iowa ist der US-Bundesstaat mit dem höchsten Anteil der Windenergie an der Stromerzeugung, Foto: Don Graham/CC BY-SA 2.0/flickr

 

Wer ist REN21?

Das „Renewable Energy Policy Network for the 21st Century“ REN21 ist ein weltweites Netzwerk von internationalen Organisationen, nationalen Regierungen, Nicht-Regierungs-Organisationen, Wissenschaftlern und Branchenverbänden. Das Netzwerk wurde 2005 gegründet und hat es sich zum Ziel gesetzt, durch Konferenzen, Berichte wie den Global Status Report und weitere Netzwerk-Aktivitäten den Wissensaustausch und die Entwicklung politischer Strategien und Maßnahmen zu fördern. Die Liste der im Leitungsgremium des Netzwerks, dem Steering Committee, vertretenen Institutionen ist lang und illuster: Dort finden sich unter anderem die Weltbank, mehrere UN-Organisationen, die EU-Kommission, die Internationale Energie-Agentur, Greenpeace und der WWF sowie mehrere nationale Regierungen, etwa die deutsche, brasilianische, südafrikanische und indische. Den Global Status Report haben eine ganze Reihe von Autoren aus unterschiedlichen Organisationen verfasst. An der Zusammenstellung der Zahlen und Beiträge aus Deutschland zum Beispiel waren Wissenschaftler der Leuphana Universität Lüneburg, des Deutschen Biomasseforschungszentrums DBFZ und des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung UFZ beteiligt.

 

Foto oben:
Neu errichtete Windenergieanlage am Tooele Army Depot in Utah/USA. Ebenfalls im Bild das solarthermische Kraftwerk des Depots.
Foto: US Army Corps of Engineers/John Prettyman

CC BY 2.0/Öffnet den Link in einem neuen Fensterflickr

 


Autor Dr. Stefan Dietrich

Dr. Stefan Dietrich

Als Windwärts Pressesprecher bin ich dafür zuständig, dass die Medien und Menschen vor Ort immer gut über unsere Projekte informiert sind. Das heißt, ich informiere die Lokalpresse über Genehmigungen, Baufortschritte, Inbetriebnahmen u.ä. und empfange Besichtigungsgruppen in unseren Wind- und Solarparks. Darüber hinaus habe ich die aktuellen Entwicklungen der Branche im Blick (den Dr. habe ich schließlich in Politikwissenschaft gemacht).

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