Welche Chancen bietet unser neues Regionalbüro im westlichen Niedersachsen?

16. November 2016 - 14:28 Uhr
von Dr. Stefan Dietrich
zu  Windwärts – Einblicke ins Unternehmen

  • Windwärts Regionalbüro Melle
  • Das Team im neuen Regionalbüro Melle: Stefan Ostermann und Anne Beßmann

Anfang Oktober hat Windwärts in Melle im Landkreis Osnabrück ein neues Regionalbüro eröffnet. Da stellen sich natürlich einige Fragen: Warum ist eine Präsenz vor Ort für die Flächenakquise und die Projektentwicklung wichtig? Welche Aufgaben werden von dem Büro aus angegangen und welche Chancen sieht Windwärts in den von Melle aus betreuten Regionen? Um diese Fragen zu beantworten, habe ich mir den richtigen Ansprechpartner gesucht: Stefan Ostermann ist seit acht Jahren bei Windwärts und leitet das neue Regionalbüro in der zwischen Osnabrück und Bielefeld gelegenen Stadt.

Warum hat Windwärts das Regionalbüro in Melle eröffnet?

Wir sind in Regionen aktiv, die von Hannover eine ganze Ecke entfernt sind. Ich bin beispielsweise im Landkreis Diepholz viel unterwegs, aber auch in den Regionen rund um Oldenburg oder Osnabrück oder in Nordrhein-Westfalen. Da sind wir auf der Suche nach geeigneten Flächen im nordöstlichen Teil des Bundeslands, der an Niedersachsen angrenzt. Da ist es natürlich schön, wenn man in einer halben oder dreiviertel Stunde am Projektstandort sein kann, das ist von Hannover aus in diesen Gebieten nicht möglich. Die Erfahrung zeigt, dass Wege, die drei oder vier Stunden in Anspruch nehmen, einfach seltener gemacht werden. Wer lange Anfahrtswege hat, vereinbart weniger Termine und ist vor Ort nicht so präsent, wie er sein sollte.

Die örtlichen Projektpartner erwarten aber schon, dass wir als interessierter Projektentwickler Präsenz zeigen. Das gilt vor allem für die Grundstückseigentümer vor Ort, aber auch für die Gemeinden. Ich habe immer wieder festgestellt, dass Gemeindevertreter sagen, dass sie sich nicht vorstellen können, mit uns zusammenzuarbeiten. Das begründen sie dann nicht damit, dass uns die Kompetenz fehlt, sondern damit, dass wir einfach zu selten vor Ort seien. Und Gemeinden sind zwar nicht die Eigentümer der Flächen, aber wenn man die Gemeinde hinter sich weiß, ist das schon gut. Aus diesem Grund ist eine gewisse Dezentralisierung in der Akquise und der Planung für uns als Unternehmen wichtig.

Persönlich bin ich begeistert, dass ich diese Position als Leiter des Regionalbüros wahrnehmen kann, denn ich wohne selbst in Melle.

Welche Aufgaben nehmt ihr von diesem Büro aus wahr?

Landkreis Diepholz Flächen im Landkreis Diepholz betreut Windwärts aus dem neuen Regionalbüro / Foto: CC BY-SA 2.0 - Marcus Horstbrink - flickr

Wir betreiben in erster Linie Akquisition. Die Kollegen aus den Abteilungen Scouting und Planerstellung & Gutachten in Hannover identifizieren Gebiete, die für Windparks in Frage kommen. Wir schreiben dann die Grundstückseigentümer an und fahren raus in die Fläche zu Einzelgesprächen, um am Ende Verträge mit den Eigentümern abzuschließen. Auch da spielt die Fahrzeit natürlich eine Rolle. Oft trifft man vor Ort niemanden an, oder Termine müssen verschoben werden, das heißt wir müssen mehr als einmal hinfahren.

Über die eigentliche Akquisition hinaus unterstützen wir auch die Projektentwicklung im weiteren Verlauf der Planung. Wir organisieren zum Beispiel Abendveranstaltungen, besuchen Gemeinderatssitzungen oder nehmen Termine bei Bürgermeistern oder bei Genehmigungsbehörden wahr. Das alles lässt sich natürlich erheblich leichter und schneller realisieren, wenn man in der Nähe des Projektes wohnt.

Wir bleiben oft Ansprechpartner während der gesamten Laufzeit des Projekts. Die Menschen kennen bei Windwärts eben den Akquisiteur, und ich werde teilweise noch Jahre später angerufen, wenn das Projekt längst in der Planungs- oder sogar der Bauphase ist.

Ihr seid jetzt zu zweit im Büro. Welchen Hintergrund habt ihr?

Meine Kollegin Anne Beßmann hat Anfang Oktober bei uns im Büro angefangen. Sie kommt aus Osnabrück, hat Geografie studiert, und während ihres Studiums und danach ein knappes Jahr bei einer öffentlichen Institution hier vor Ort gearbeitet. Sie wird nach und nach Akquisitionsaufgaben übernehmen, Gespräche vor Ort führen oder Veranstaltungen organisieren, die wir durchführen. Gerade zu Beginn wird sie auch Back Office-Aufgaben übernehmen. So kann sie sich in das Thema einfinden. Unsere Klientel hat oft spezielle Vorstellungen und Wünsche, egal ob es sich um Landwirte handelt oder Bürgermeister und Mitarbeiter aus den Bauämtern. Da wird sie Erfahrung sammeln können.

Ich selbst bin ursprünglich Tischler, habe auch zehn Jahre als Tischler gearbeitet, musste dann aber aus gesundheitlichen Gründen aufhören. Ich habe dann bei einem Windenergieunternehmen eine Ausbildung zum Bürokaufmann gemacht. Es hat sich für mich aber schon nach einem halben Jahr herauskristallisiert, dass mich die Planung mehr interessiert als die Büroarbeit. Das war damals das Planen von Kabeltrassen, die Akquisition und Planungsleitung, die ich dann auch in Projekten übernommen habe. Die Ausbildung habe ich dennoch zu Ende gemacht und danach an der Abendschule in Osnabrück meinen staatlich geprüften Betriebswirt gemacht. Ich war dann bei einem Osnabrücker Planungsunternehmen tätig und bin von dort als Projektentwickler und Akquisiteur zu Windwärts gekommen. Mit Unterstützung von Windwärts habe ich dann berufsbegleitend einen MBA in England gemacht.

Wir wollen dazu noch eine Halbtagsstelle mit einem nebenberuflich tätigen Landwirt besetzen, um eine höhere Präsenz vor Ort zu ermöglichen. Wir müssen etliche Gebiete angehen und viel Zeit investieren. Wenn eine Fläche 25 bis 40 Grundstückseigentümern gehört, die alle vier Mal besucht werden wollen, dann kann man sich vorstellen, dass da auch die personellen Ressourcen da sein müssen, um das gründlich und mit Aussicht auf Erfolg zu machen.

Worauf kommt es in der Akquise denn grundsätzlich an?

Erfolg hat man meines Erachtens nicht durch bloße Freundlichkeit. Man muss eine bestimmte Vorstellung und innere Festigkeit haben, und ich muss mich als Akquisiteur als Mensch zu erkennen geben und angenommen werden. Nicht jeder Akquisiteur muss unbedingt extrovertiert sein, aber offen gegenüber Menschen muss man schon sein.

Was aus meiner Sicht auch dazugehört ist eine gewisse Kenntnis über das tägliche Geschäft hinaus, so dass man sich auch mal politisch oder zur weiteren Planung äußern kann. Wir werden ja mit den energiepolitischen Debatten konfrontiert. „Sagt mal, wisst ihr eigentlich, dass unser Strom so teuer ist, weil wir regenerativen Strom aufnehmen müssen?“ So oder ähnlich lautet manches Mal das Eingangsstatement eines Landwirtes.

Ich bin ja auch Planer, ich habe in der Anfangszeit Kabeltrassen geplant, und danach mehrere Windparks im In- und Ausland zum Erfolg geführt. Das führt natürlich insgesamt dazu, dass ich meinem Gegenüber das Gefühl geben kann, dass er es mit einem kompetenten Gesprächspartner zu tun hat. Man muss nicht jede Planungskleinigkeit und jede neuste Bestimmung fehlerfrei zitieren können, aber ein gewisses fachliches Know-how ist schon von Vorteil.

Wie schätzt du die Chancen in dem Gebiet ein, das ihr abdeckt? Geht es da weiter voran mit der Windenergie?

Die Chancen und Möglichkeiten sind auf jeden Fall da. In den verschiedenen Gebieten ist das Tempo aber unterschiedlich, vor allem was die Planung angeht. Im Landkreis Osnabrück zum Beispiel kam ein Verfahren bei der Planung zum Tragen, das wir nicht unterstützen konnten und das auch nicht unumstritten ist. Daher sind wir da nicht so weit, wie wir es gerne wären. Gute Fortschritte machen wir aber beispielsweise im Kreis Diepholz oder in der Region um Oldenburg.

Es ist aber nicht so, dass uns, seit Frau Merkel die Energiewende ausgerufen hat, die Bürgermeister anrufen und sagen, können wir bitte auch noch ein bisschen mehr Windkraft haben. Es war und ist immer ein hartes Rennen um Gebiete, in denen Flächen für die Windenergie ausgewiesen werden. Daher ist es unsere Arbeit im Vorfeld, Flächen zu akquirieren, die noch kein Planungsrecht haben, aber dann hinterher auch Planungsrecht zu bekommen.

Inwieweit habt ihr auch mit anderen Akteuren zu tun, wie Stadtwerken, Energiegenossenschaften oder ähnlichen Akteuren?

Bislang hatte ich als Akquisiteur wenig Berührungspunkte, aber für uns bieten sich jetzt neue Chancen, die müssen wir nutzen. Durch die Änderungen im EEG zeichnet sich ab, dass wir uns als örtlicher Akteur neue Potenziale erschließen können. Das werden wir angehen. Bislang lag unser Schwerpunkt ja eher darauf, von uns identifizierte Gebiete zu bearbeiten, aber in Zukunft werden wir sicherlich mehr mit Partnern zusammenarbeiten und unser Wissen und unsere Erfahrung in Kooperationen einbringen. Richtung und Vorgehensweise werden aber von Hannover aus vorgegeben. Es gibt immer wieder Landwirte und Bürger vor Ort, die Ihre Projekte selbst vorantreiben möchten, dabei können wir sie natürlich mit unseren Erfahrungen von der Projektentwicklung über die Inbetriebnahme der Windenergieanlagen bis zur technischen und kaufmännischen Betriebsführung unterstützen.



Autor Dr. Stefan Dietrich

Dr. Stefan Dietrich

Als Windwärts Pressesprecher bin ich dafür zuständig, dass die Medien und Menschen vor Ort immer gut über unsere Projekte informiert sind. Das heißt, ich informiere die Lokalpresse über Genehmigungen, Baufortschritte, Inbetriebnahmen u.ä. und empfange Besichtigungsgruppen in unseren Wind- und Solarparks. Darüber hinaus habe ich die aktuellen Entwicklungen der Branche im Blick (den Dr. habe ich schließlich in Politikwissenschaft gemacht).

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