Weiterbetrieb nach 20 Jahren – wenn alte Mühlen weiterlaufen

21. Juli 2017 - 10:01 Uhr
von Katharina Wolf
zu  Branche der erneuerbaren Energien

Ein bereits bestehender Windpark muss nach dieser Zeit nicht zwingend abgerissen werden. Aber für Betreiber, die ihre Mühlen weiter laufen lassen wollen, gibt es einiges zu beachten.

Da ist zunächst die Sicherheit: Der Betreiber muss nachweisen können, dass sein Windpark sicher ist. In den ersten 20 Jahren ist dies durch die Typenprüfung belegt, danach muss ein neues Gutachten zur Standsicherheit vorgelegt werden, das den aktuellen Richtlinien entspricht. Unabhängige Sachverständige überprüfen die Anlagen bei einer gründlichen Inspektion, außerdem muss die Auslegung der Turbinen neu berechnet werden. Denn in 20 Jahren Betrieb kommt es an schwingenden Bauwerken, zu denen Windenergieanlagen gehören, zu Materialermüdung. 

Die Experten ermitteln, wo Schwachstellen sind, aber auch, welche Reserve die Maschine noch hat. Das hängt auch von den Belastungen ab, die die Anlage in den 20 Jahren erlebt hat. Oft genug aber haben die Anlagen noch ausreichend Materialreserven, um ein paar Jahre weiter betrieben zu werden. Am Ende der Überprüfung erhält der Betreiber ein Gutachten zur Standsicherheit, das ihm einen sicheren Betrieb über eine bestimmte Zahl von Jahren bescheinigt.

Doch neben der Sicherheit sind noch weitere Fragen wichtig: Welche Komponenten müssen möglicherweise bald ersetzt werden? Kann ich alle Pachtverträge verlängern? Wie sieht mit Versicherungen und Serviceverträgen aus? Und letztlich steht über dem erfolgreichen Weiterbetrieb die Frage: Rechnet sich das?

An diesem Punkt könnte vielen alten Anlagen bald das Aus drohen. Denn als im Jahr 2000 das EEG verabschiedet wurde, bekamen alle Windenergieanlagen, die damals schon in Betrieb waren, für weitere 20 Jahre die EEG-Vergütung zugesichert. Das heißt, dass ab 2021 die ersten Windenergieanlagen aus der EEG-Vergütung fallen und ihren Strom ungefördert vermarkten müssen.

Windpark Schliekum Windpark Schliekum

Erste Zahlen zeigen, dass dies erhebliche Auswirkungen haben könnte: 4,5 Gigawatt und damit 6.000 Windenergieanlagen könnten allein zum 31. Dezember 2020 betroffen sein, haben die Experten der Deutschen Windguard berechnet. Bis 2026 könnten weitere 2,5 Gigawatt folgen. Gleichzeitig hat aber die Bundesregierung mit den künftig auszuschreibenden Mengen auf die Bremse getreten: An Land werden dann nur 2,9 Gigawatt jährlich neu ausgeschrieben. 

Diese Anlagen, so hat die Windguard weiter gerechnet, bräuchten, wenn alle Kosten für Gutachten, Versicherungen, Service und Betrieb erwirtschaftet werden sollen und zudem auch für den Betreiber etwas übrig bleibt, mindestens 3,5 Cent pro Kilowattstunde Erlös. Wirklich lohnend wird es für den Großteil der Anlagen erst ab 4 Cent pro Kilowattstunde. Demgegenüber stehen Spotmarktpreise unter 3 Cent pro Kilowattstunde.

Nun kann der Börsenpreis nicht von der Regierung bestimmt werden, auch über eine erneute Förderung von Altanlagen spricht derzeit niemand. Stattdessen fordern viele Branchenvertreter, verstärkt Braunkohlekraftwerke vom Netz zu nehmen, um das Überangebot von Strom zu senken und dadurch den Preis zu stützen. Eine andere Maßnahme könnte die höhere Belastung von CO2-Emissionen sein. Dies würde den erneuerbaren Strom konkurrenzfähiger machen. 

Doch wie auch immer: Betreiber, die überlegen, ihren Windpark auch über das Ende der EEG-Vergütung hinaus zu berteiben, sollten sich rechtzeitig Gedanken um Kosten und Nutzen machen.

 


Autorin Katharina Wolf

Katharina Wolf

Als freie Journalistin schreibe ich über alle Aspekte der Windenergie - von A wie Ausschreibung bis Z wie Zertifizierung. Mit Windwärts verbindet mich eine besondere Geschichte: In meinem ersten längeren Artikel für die Fachzeitschrift Erneuerbare Energien (die damals 1995 noch Windenergie Aktuell hieß) ging es unter anderem um das Windwärts-Projekt Kunst und Windenergie bei der Expo 2000. Deshalb freue ich mich, wenn ich mit den unterschiedlichsten Themen aus der Branche jetzt zum Blog beitragen kann. Mehr und neuere Text von mir finden sich Öffnet den Link in einem neuen Fensterauf meiner Homepage.



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