Im Marrakesch-Express zum Klimaschutz?

25. November 2016 - 09:34 Uhr
von Dr. Stefan Dietrich
zu  Wissenswertes zur Windenergie

  • Klimakonferenz Marrakesch COP22

"Don't you know we're riding on the Marrakesh Express", das Öffnet den Link in einem neuen Fenstersangen Crosby, Stills & Nash im Jahr 1969. In den letzten Tagen hatten viele beim Lesen der Zeitung oder dem Schauen der Nachrichten wieder das Gefühl, im Marrakesch-Express zu sitzen, denn die „Perle des Südens“ war für mehrere Tage in aller Munde. Grund dafür waren dieses Mal nicht die architektonischen und touristischen Reize der zum UNESCO-Weltkulturerbe zählenden Altstadt. Vielmehr waren die Blicke auf die marokkanische Stadt gerichtet, weil dort vom 7. bis 18. November 2016 die Öffnet den Link in einem neuen FensterWeltklimakonferenz COP22 stattfand, die erste nach dem von vielen als Durchbruch der internationalen Klimadiplomatie gefeierten Pariser Abkommen.

Bekenntnis zum Pariser Abkommen

In Marrakesch ging es den Delegierten aus 195 Ländern der Erde vor allem darum, das vor einem Jahr verabschiedete Übereinkommen von Paris zum Klimaschutz zu bestätigen und Entschlossenheit zu demonstrieren, die dort getroffenen Vereinbarungen auch tatsächlich umzusetzen. Wirklich Konkretes war so kurz nach Paris nicht zu erwarten und auch gar nicht Ziel des Treffens. Die Öffnet den Link in einem neuen Fensterverabschiedete Erklärung bietet folgerichtig nichts Neues, sondern bekräftigt mit viel Pathos den Willen, dem menschengemachten Klimawandel entgegenzutreten. So heißt es unter anderem, dass die teilnehmenden Staaten dazu aufrufen, das größtmögliche politische Engagement an den Tag zu legen, um den Klimawandel zu bekämpfen. Darüber hinaus fordern die Unterzeichner Solidarität mit den Ländern, die von den Auswirkungen des Klimawandels besonders stark betroffen sind. Das soll sich auch in der stärkeren Finanzierung von Klimaschutzprojekten niederschlagen. Dafür haben die Industriestaaten insgesamt 100 Milliarden US-Dollar als Unterstützung für die Entwicklungsländer zugesagt, bzw. diese Zusage bekräftigt.

Etwas greifbarer als diese hehren Worte ist die Ankündigung von insgesamt 48 Ländern aus Asien, Afrika, der Karibik und der Südsee, ihre Energieversorgung so schnell wie möglich ausschließlich auf erneuerbare Quellen umzustellen. Einen festen Zeitplan gibt es nicht, der Umstieg soll aber bis Mitte des Jahrhunderts abgeschlossen sein. Zu den Ländern, die sich dieses Ziel gesetzt haben, gehören u.a. Pakistan, die Philippinen, Bangladesh und Costa Rica.

Trump beherrscht die Diskussionen

Die Konferenz fiel zeitlich mit einem weiteren wichtigen Ereignis zusammen, das die Diskussionen zumindest in den ersten Tagen dominierte, wie die Korrespondenten einhellig zu berichten wussten: Donald Trump wurde zum Präsidenten der USA gewählt. Der Kandidat der Republikaner hatte im Wahlkampf keinen Hehl daraus gemacht, dass er von Klimaschutz wenig hält. Auf seinem berüchtigten Twitter-Account nannte er den menschengemachten Klimawandel wiederholt eine Falschmeldung, die dafür in die Welt gesetzt worden sei, um Steuern erhöhen zu können. Einmal behauptete er sogar, die Chinesen hätten den Klimawandel erfunden, um der amerikanischen Industrie zu schaden (was er später als Scherz hinstellte). Die Delegierten reagierten auf jeden Fall besorgt, nicht zuletzt wegen der Berater, mit denen sich der künftige Präsident umgibt. So wird die Arbeitsgruppe, die im Übergang zur neuen Regierung für die US-Umweltbehörde EPA zuständig ist, von Myron Ebell geleitet. Der Lobbyist und politische Analyst ist als Klimawandelleugner bekannt und hat sich unter anderem vehement gegen das Pariser Abkommen ausgesprochen. Da ist Skepsis sicherlich berechtigt, auch wenn Donald Trump in der Vergangenheit auch schon andere Positionen zum Klimawandel eingenommen und sich Öffnet den Link in einem neuen Fensterzuletzt deutlich zurückhaltender geäußert hat. Der Regierungschef der Fidschi-Inseln lud Trump sogar ein, sich vor Ort persönlich ein Bild davon zu machen, welche Folgen die Erderwärmung hat. Der Inselstaat im Pazifik ist besonders stark von den Folgen des Klimawandels bedroht und wird die nächste Klimakonferenz im kommenden Jahr ausrichten. Diese wird aus logistischen Gründen allerdings in Bonn stattfinden, dem Sitz des Sekretariats des Rahmenübereinkommens der Vereinten Nationen über Klimaänderungen UNFCCC.

Sollte sich die USA aus ihrer Verantwortung für den weltweiten Klimaschutz verabschieden, ruhen die Hoffnungen auf China, die Führungsrolle zu übernehmen. Die chinesische Regierung hat unmittelbar nach der US-Wahl klargestellt, dass sie nicht vom Pariser Abkommen abrücken wird. Diese Position unterstrichen die chinesischen Vertreter in Marrakesch mit Nachdruck.

Windenergie bleibt wichtiges Instrument

Windenergieanlagen auf den Philippinen Wie viele andere Länder setzen die Philippinen auf erneuerbare Energien, wie mit diesen Anlagen in Bangui im Norden des Landes / Foto: CC BY-SA 2.0 - Paolo Dala - Öffnet den Link in einem neuen Fensterflickr

Bei seinen Bemühungen, die nach wie vor rasant wachsende Wirtschaft des Landes nachhaltiger zu gestalten, setzt China unter anderem auf den raschen Ausbau der Windenergie. Das ist folgerichtig, denn ohne eine Dekarbonisierung der Energieversorgung wird es keinen wirksamen Klimaschutz geben. Dafür brauchen wir aber weltweit mehr Kapazität zur Stromerzeugung aus Windenergie. Das gilt auch für Deutschland, auch wenn hierzulande immer wieder Stimmen laut werden, die behaupten, der Ausbau der Windenergie trage nichts zum Klimaschutz bei. Das ist aber nicht richtig. Wie das Umweltbundesamt zuletzt in einer Öffnet den Link in einem neuen FensterStudie aus dem Juni 2016 nachwies, sind die direkten CO2-Emissionen durch die Stromerzeugung seit 1990 deutlich gesunken. Demnach wurden 2013 pro erzeugte Kilowattstunde durchschnittlich 579 Gramm CO2 ausgestoßen, und damit 24% weniger als 1990. Die jährliche Emissionsmenge sank in diesem Zeitraum von 366 auf 326 Mio. Tonnen CO2. Das ist unzweifelhaft eine Folge des Ausbaus der erneuerbaren Energien und allen voran der Windenergie. Es ist richtig, dass die gesamte Emissionsmenge in den Jahren 2010 bis 2013 zwischenzeitlich wieder anstieg. Das lag an der verstärkten Verstromung von Kohle, die aus verschiedenen Gründen in den letzten Jahren ziemlich günstig war. Dieses „Energiewende-Paradox“ ändert aber nichts daran, dass das Ersetzen fossiler durch erneuerbare Erzeugungskapazitäten eindeutig ein Beitrag zum Klimaschutz ist. Denn das Problem liegt auf der fossilen Seite des Kraftwerksparks, nicht bei der Windenergie. Daher wird diese weiterhin ein wichtiges Instrument sein, die in Marrakesch noch einmal bekräftigten Klimaziele der Weltgemeinschaft zu erreichen.

 

Foto oben: Der marokkanische Außenminister und Tagungspräsident Salaheddine Mezouar und Frankreichs Umwelt- und Energieministerin Ségolène Royal zeigen den Teilnehmern, worum es bei der Konferenz geht.

Quelle: CC BY-SA 2.0 / UNclimatechange / flickr



Autor Dr. Stefan Dietrich

Dr. Stefan Dietrich

Als Windwärts Pressesprecher bin ich dafür zuständig, dass die Medien und Menschen vor Ort immer gut über unsere Projekte informiert sind. Das heißt, ich informiere die Lokalpresse über Genehmigungen, Baufortschritte, Inbetriebnahmen u.ä. und empfange Besichtigungsgruppen in unseren Wind- und Solarparks. Darüber hinaus habe ich die aktuellen Entwicklungen der Branche im Blick (den Dr. habe ich schließlich in Politikwissenschaft gemacht).

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